Ein Wochenende lang feiern und schwitzen

Bochum..  Zum 30. Mal Bochum Total, 30-mal schon ein Sommerwochenende lang hüpfen, feiern, transpirieren: Beinahe hat man sich ja schon an die rekordverdächtigen, jährlichen Menschenmassen bei diesem Innenstadt-Festival gewöhnt. Aus der einst familiären Feier ist ein großer Wirtschaftsfaktor für die Stadt Bochum und ihre Gastronomie geworden, außerdem ein fester Termin im Kulturkalender des gesamten Ruhrgebiets, des Niederrheins und Westfalens. Dabei stemmt Veranstalter Marcus Gloria das Programm in jedem Jahr selbst mit nur minimalen Zuschüssen des Kulturbüros. Dabei kommt in jedem Jahr ein beeindruckendes Programm zustande. Hier unsere persönlichen Glanzpunkte:

Hartmann

Nur ein bisschen jünger als Bochum Total: Seit 1989 zelebriert die Bochumer Band den guten alten Deutschrock und zählt damit zum Inventar des Umsonst-und-draußen-Festivals. Das Jubiläum sollte Anlass sein, den Dino unter den 80 meist jungen, aufstrebenden BO-Total-Bands besonders zu würdigen. Wer abseits der rockmusikalischen Jugendkultur mal wieder kernige, handgemachte, gitarrenlastige Mucke mit aussagekräftigen deutschen Texten genießen will, sollte sich den Auftritt des urgewaltigen Urgesteins Jo Hartmann und seiner Kapelle nicht entgehen lassen. Donnerstag, 2. Juli, 18.15 Uhr, Ringbühne

Trümmer

Sie sind Anfang 20, und sie wollen die Revolution: Die drei Hamburger Jungs von „Trümmer“ legten 2014 mit gleichnamiger Platte ein musikgewordenes Reformprogramm vor, sehr hübsch verpackt in Tanzbarkeit und Gitarrengurren. Doch so eingängig sich dieser neue, geheime Stern am Indie-Himmel auch geben mag, genau hinhören lohnt sich: Denn in und auf „Revolte“ reimt sich „Bin ich eigentlich der, der ich mal sein wollte?“. Alles oder nichts, jetzt oder nie – so lautet die Essenz einer Stimmung, die uns durch lange Sommernächte trägt. Nächte, in denen wir die „gemäßigte Zone“ verlassen, uns fremd werden und gerade so (neu) finden. Vielleicht auch in Bochum. Freitag, 3. Juli, 18.15 Uhr, 1Live-Bühne

Friedemann Weise

Dieser Mann ist böse. Und dafür muss man ihn einfach lieben: Friedemann Weise singt satirische Popsongs und plaudert über den Irrsinn des Lebens. Auch schon mal klampfend „Von der Bettkante“ aus, wie er eine seiner pointenreichen Internet-Video-Serien nennt. Der gelernte Grafiker nimmt alle und sich selbst auf den Arm. Seine ironischen Foto-Collagen werden durch die digitale Welt gereicht – und auch auf der Bühne gezeigt. Er ist „Der Typ ohne Song zur WM“ und der Mann, der sich über „Deine Mutter“(-Witze) lustig macht. Das ist politisch inkorrekt – und sehr witzig. Freitag, 3. Juli, 22.15 Uhr, Sparkassen-Bühne

Matteo Capreoli

In beinahe jedem Jahr ist ein Künstler bei Bochum Total, von dem man später sagen wird: „Waaas? Der hat da auch gespielt?“ Glauben Sie nicht? Casper, Kraftclub, H-Blockx, Mia, Wir sind Helden. Diesmal könnte es Matteo Capreoli sein, dessen empfindsame, deutsche Folksongs stimmlich entfernt an Phillip Poisel erinnern, musikalisch aber ein wenig versponnener sind. Den dunkelhaarigen, bärtigen Matteo könnte man auch mit Max Herre vergleichen oder in die Reihen der Söhne Mannheims stecken. Auf dem Debüt (erscheint Ende Juli) wird er unterstützt von Samy Deluxe. Freitag, 3. Juli, 19.30 Uhr, 1Live-Bühne

Katrins Gitarre

Die Bochumer Liedermacherin „Katrins Gitarre“ erfreut sich zu Recht allerhand Beliebtheit, und wer die sympathische Sängerin schon mal live erlebt hat, weiß um die entspannte Atmosphäre, die Katrins Akustik-Pop-Songs heraufbeschwören können, man denke an das stimmungsvolle „Dieses Zimmer“. Das dürfte auch wieder so sein, wenn Katrin Hötzel + Band live ihr neues Album „Vom Unterwegssein und Ankommen“ vorstellen. Samstag, 4. Juli, 15 Uhr, Sparkassen-Bühne

Rantanplan

Kraftklub mit westlichem Antlitz. Rantanplan aus St. Pauli sind eine der schönsten Verbindungen zwischen Lust am Lärm und großer Klappe seit Gründung der Ärzte. Und: gut gelaunt beißt besser! Sonntag, 5. Juli, 20.45 Uhr, Ringbühne