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"Ein Vulkan an Musikalität"

16.09.2012 | 05:58 Uhr
Foto: /dapd/Philipp Guelland

Verschoben, nicht aufgehoben: Ursprünglich sollte das renommierte Lucerne Festival Orchestra den fulminanten Auftakt zur ersten Spielzeit 2010 in der Elbphilharmonie machen. Doch das Gebäude wurde nicht fertig. Zwei Jahre danach befindet sich die umstrittene Philharmonie noch immer im Bau - vorläufiges Eröffnungsdatum 2015.

Hamburg (dapd). Verschoben, nicht aufgehoben: Ursprünglich sollte das renommierte Lucerne Festival Orchestra den fulminanten Auftakt zur ersten Spielzeit 2010 in der Elbphilharmonie machen. Doch das Gebäude wurde nicht fertig. Zwei Jahre danach befindet sich die umstrittene Philharmonie noch immer im Bau - vorläufiges Eröffnungsdatum 2015. Dennoch kommt das Lucerne Festival Orchestra in diesem Herbst in die Hansestadt. Am 21. September gibt es in der Laeiszhalle sein erst zweites Deutschlandkonzert.

Das Orchester, das 2003 vom weltberühmten Dirigenten Claudio Abbado und vom Intendanten des Lucerne Festivals, Michael Häflinger, gegründet wurde, gilt als eines der besten der Welt. "Es war von Anfang an ein fulminanter Erfolg", erklärt Häflinger. "Handverlesen" seien die Musiker, darunter Solisten wie Sabine Mayer und Clemens Hagen. "Abbados Vision war es, aus vielen kleinen Elementen ein großes Ganzes zu schaffen", sagt Häflinger.

Heute findet sich das Orchester, das durch Sponsorengelder finanziert wird, alljährlich zum Festival in Luzern zusammen und zu einer etwa zweiwöchigen Tournee im Herbst. Pro Konzert gebe es nur etwa fünf bis sechs Proben, erläutert Häflinger. Die restliche Zeit gehe jeder der Musiker seiner individuellen Karriere nach. In diesem Jahr steht nach Weltstädten wie Rom, New York, Tokio oder Moskau auch Hamburg auf dem Programm.

Verschieben des ersten Termins unvermeidbar

Für ihn sei es von Anfang an ein Wunsch gewesen, diesen "Vulkan an Musikalität" nach Hamburg zu holen, sagt der Generalintendant der Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter. Dabei sei insbesondere der musikalische Ausdruck das Alleinstellungsmerkmal dieses Projektorchesters. "Das kann man nicht für Geld kaufen", sagt der gebürtige Österreicher. Ein Teil der Magie mache sicher auch die große Verehrung für Claudio Abbado aus, fügt Lieben-Seutter hinzu.

Dass er dem Ensemble 2010 absagen musste, sei schade, aber angesichts der Situation unvermeidbar gewesen. "Der Originalzeitplan für den Bau der Elbphilharmonie war völlig unrealistisch und 2010 war sehr sportlich", sagt der Intendant. Er habe nicht nur das Konzert des Lucerne Festival Orchesters, sondern zahlreiche Projekte abblasen müssen. Aber durch stetes Nachfragen und Nachhaken sei das Kommen Abbados eine Option geblieben. Für ihn sei der Besuch eine Ehre. "Es ist eine Bestätigung, dass es uns gelingt, die Musikstadt Hamburg auf ein internationaleres Niveau zu bringen", sagt Lieben-Seutter

Zweifel an Bauvorhaben "Elbphilharmonie"

"Wir hoffen, auch das Projekt der Elbphilharmonie mit unserem Konzert unterstützen zu können", fügt Häflinger hinzu. Er habe sich schon immer gefragt, ob es überhaupt möglich sei, ein solches Projekt fertigzustellen. Aber dass es sich alles so verzögere, damit habe er nicht gerechnet. Dennoch erwarte er das Ergebnis und die Eröffnung mit Spannung. "Der Saal der Elbphilharmonie wird sicherlich einer der bedeutendsten Deutschlands, wenn er fertig ist", sagt Häflinger.

"Ich hoffe, dass Claudio Abbado, wenn die Eröffnung wirklich kommt, noch einmal Zeit hat, nach Hamburg zu kommen", sagt Lieben-Seutter. Da es ja auch die Laeiszhalle weiter gebe, könnte zum Beispiel bei einem erneuten Besuch des Lucerne Festival Orchestra das große Konzert in der Elbphilharmonie und ein kleineres Kammerkonzert in der Laeiszhalle gegeben werden. Für dieses Jahr sei der Besuch aus der Schweiz auf alle Fälle der Höhepunkt der Saison. "Der Auftakt mit dem Lucerne Festival ist ziemlich schwer zu toppen", sagt Lieben-Seutter mit einem Schmunzeln.

dapd

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