Ein Versuch der Gesichtswahrung

Am Ende wird die NRW-Landesregierung womöglich behaupten, man habe die ganze Sache mit der einstigen WestLB-Sammlung von langer Hand genau so geplant: Erst mit dem Verkauf der beiden Warhol-Bilder aus dem Spielbanken-Besitz für maximale Alarmstimmung im Lande sorgen, dann die Nachricht vom „unausweichlichen“ Verkauf der einstigen WestLB-Werke lancieren – um so den denkbaren, erhofften Sponsoren, die einen Verbleib der heutigen Portigon-Kunst in NRW finanzieren könnten, den maximal möglichen Auftritt als hehrer Retter der Kunst vor dem hemmungslosen Markt zu ermöglichen.

Aber das hätte mit der Wahrheit wahrscheinlich genau so viel zu tun wie ein Investment-Banker mit bleibenden Werten. Die gesamte Behandlung der Kunst in Landesbesitz zeugt weder von Sinn für kulturelle Mindeststandards noch von Weitsicht. Einmal mehr rächt es sich, dass in Düsseldorf für die Kultur ein Ministerium zuständig ist, in dem es vor allem um Familie, Kinder, Jugend und Sport geht. Und dass dieses Haus am Kabinettstisch gegen das Finanzministerium offenbar zwangsläufig den Kürzeren zieht. Was dessen Chef gestern in Aussicht gestellt hat, war nicht mehr als ein Versuch der Gesichtswahrung.