Ein Taum von einem Park – in Mönchengladbach

Keine schräge Parkbank, sondern Kunst: Christian Odzucks Skulptur mit dem Titel „The rising of the milky way“ (Der Aufgang der Milchstraße).
Keine schräge Parkbank, sondern Kunst: Christian Odzucks Skulptur mit dem Titel „The rising of the milky way“ (Der Aufgang der Milchstraße).
Foto: Eva Caroline Eickl
Was wir bereits wissen
Rund um das Mönchengladbacher Museum Abteiberg wächst ein innerstädtischer Kunstort – der auch den Stadtpark einbezieht.

Mönchengladbach.. Der Titel des Parkprojekts ist weitgehend wörtlich zu nehmen. Der Park existiert derzeit noch mehr in den Köpfen denn in der Realität. Aber diese ungewöhnliche innerstädtische Parkidee kann sich auf Vorhandenes stützen: Ausgangspunkt ist das renommierte Museum Abteiberg oben auf dem historischen, aber vom Stadtgeschehen distanzierten Kern der Stadt, ein postmoderner Musterbau aus den 1980er Jahren, der Architekturgeschichte geschrieben hat.

Zu ihm gehörte immer schon ein Skulpturenpark, der sich unterhalb des Baus eine steilen und terrassierten Hang in Richtung Stadtzentrum hinabzieht, ein von Treppen und Wegen strukturierter öffentliches Areal, dessen skulpturale „Bespielung“ den Geist der 1980er Jahre verrät. Kunst im öffentlichen Raum hieß damals das Stichwort.

Städtebaulich und optisch spannend

Er wurde 2012 durch neue Arbeiten sowie durch Veranstaltungen „revitalisiert“ und damit als innerstädtischer Kunstort wieder neu ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.

In einem zweiten Schritt hat man in diesem Jahr die Idee erweitert: In eine Art poetischer Verfremdungsstrategie wurden die umliegende Straßen und Plätze künstlerisch-poetisch bespielt: ein steiler Hohlweg zum Beispiel durch farbige, chinesisch anmutende Lampen in eine „Traumstraße“ verwandelt, der Vorplatz des Museums durch mehrere, an markanten Punkten aufgestellte, auf Siebdruckplatten gedruckte Figuren (Jakob Kolding) belebt.

Kunst Einbezogen in diese urbanistische Kunstaktion – das macht die Aktion sowohl städtebaulich wie optisch spannend – ist vor allem der nur wenig entfernte, nach dem Philosophen Hans Jonas benannte, fast verwildert wirkende Stadtpark, der heute gerade noch Hundebesitzern und den Schülern des nahen Gymnasiums als Fluchtpunkt dient und mit seinem dunklem Buchenbestand eher schön-schaurige Assoziationen weckt.

Ein graffitübersätes Säulenrondell erhebt sich dort noch unvermittelt, dahinter ragt aus einer Wiese eine teils vergrabene Wippschaukel (Ulrike Möschel); etwas tiefer begegnet man auf einer terrassierten, dunkelgrün umrankten Lichtung, den merkwürdig arrangierten Platten eines Schwimmbeckens, davor im Abstand einem Hydranten, der tatsächlich einmal wöchentlich („temporäre Abkühlung“ nennt sich die Freitagsaktion) in Betrieb gesetzt wird. Es handelt sich um eine künstlerische Fürsprache (Christian Odzuck), die daran erinnert, dass hier am ehemaligen Berggarten einmal eine nie zustande gekommene klassische gartenkünstlerische Komposition aus Brunnen und Grotte errichtet werden sollte.

14 urbane Kunstaktionen

14 neue urbane Kunstaktionen sind im Umfeld installiert, die auch auf die Potenziale eines topografisch vernetzten Stadtgrüns aufmerksam machen. „Vielleicht schaffen wir damit“, sagt Museumsdirektorin Susanne Titz, die das Projekt gemeinsam mit Markus Ambach (MAP) organisiert hat, „was in über 30 Jahren nicht gelungen ist: das Museum Abteiberg und die umgebenden Bereiche am Abteiberg aus dem Abseits an der Gladbacher Innenstadt heraus und ins Blickfeld von Stadtplanern und Stadtnutzern zu rücken“.

Serie: Typisch Gladbeck In Kooperation mit den Investoren eines 2014 eröffnenden Einkaufszentrum unterhalb des Abteibergs wird hier Kunst zum Ideengeber eventueller Stadtentwicklung, eine Idee, die Sympathie erzeugt, wenn sie denn von den letztlich maßgeblichen Investoreninteressen wieder in die „Halbwelt“ des nur Spielerischen gerückt wird.

INFO: Die Ausstellung „Ein (ahnungsloser) Traum von Park“ ist noch bis zum 1.9. zu sehen. Regelmäßig gibt es Führungen. Zum Abschluss am 31. August zeigt eine Open-Air-Kino-Veranstaltung im Skulpturenpark den beliebtesten Film der Mönchengladbacher. Städtisches Museum Abteiberg, Abteistr. 27, 41061 Mönchengladbach. Infos im Internet: www.museum-abteiberg.de.