Ein Schrumpfungsprozess in Wellen

Hagen/Medebach..  Auf den ersten Blick scheint die (Kirchen)-Welt im Bereich des Amtsgerichts Medebach eigentlich einigermaßen in Ordnung zu sein. Die Behörde, die auch für die Städte Winterberg und Hallenberg zuständig ist, meldet für das erste Halbjahr 2015 lediglich zehn Austritte aus der evangelischen und 26 aus der katholischen Kirche. „Aber wir sind ja hier auch eine überwiegend katholische Gegend“, interpretiert eine Gerichtsangestellte die Zahlen gleich fachkundig. Bis zum Jahresende darf man wohl mit einer Verdopplung der Zahlen rechnen - und wäre dann beim etwa gleichen Stand wie im Vorjahr. 76 zählte man in 2014 - so viel wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren.

Gleicher Trend in der ganzen Region

Die Statistik lässt sich bei anderen Amtsgerichten in Südwestfalen beliebig und praktisch mit dem immer gleichen Trend fortsetzen. Addiert man die Austritte der westfälischen Landeskirche und des Paderborner Erzbistums, dann schlagen diese seit 2004 mit immerhin 162 709 abgängiger Christen zu Buche.

Ägidius Engel, Leiter der Informationsstelle des Erzbischöflichen Generalvikariats in Paderborn, merkt dazu an: „Die Kirchenaustrittszahlen gingen eigentlich 20 Jahre - bis 2007 - kontinuierlich zurück. Dann kam im November 2008 die Holocaust-Leugnung des ehemaligen Pius-Brüder-Bischofs Williamson, 2010 der Missbrauchsskandal, 2013 die Finanzaffäre des Bistums Limburg. So sind die ,Wellen’ meines Erachtens gut verständlich zu erklären. Aber wir bedauern natürlich jeden Kirchenaustritt.“

Tatsächlich ist ein gewisses Auf- und Abschwingen der Austrittszahlen im direkten Jahresvergleich auf derartige Ereignisse auch zurückzuführen. Gleichwohl aber bleibt eine deutliche Negativ-Tendenz, die praktisch in gleicher Weise auch die Zahlenkurve für die evangelischen Kirche begleitet.

Nach einer Studie des Allensbacher Demoskopie-Instituts sind die drei häufigsten Gründe für einen Kirchenaustritt: 1. die Kirchensteuer; 2. Ich kann auch ohne Kirche christlich sein; 3. Ich kann mit dem Glauben nichts mehr anfangen. Hinzu kommt dann auch noch, dass junge Menschen mit den Angeboten der Kirchen nichts mehr anfangen können und aus dem Elternhaus ebenfalls kaum noch entsprechende Impulse oder christliche Vorbildungen bestehen.

Lieber Jesus als Zeitgeist

Die christlich-konservative Nachrichtenagentur idea schrieb dazu vor wenigen Tagen: „Honoriert wird es der evangelischen Kirche nicht, wenn sie sich wie eine zivilgesellschaftliche Organisation unter vielen gebärdet: Dann kann man sich auch gleich Greenpeace oder Amnesty anschließen. Bei der Kirche sollte wieder öfter von Jesus statt von Gender, CO2 und TTIP die Rede sein.“