Ein Neandertaler namens Gaston

Düsseldorf..  Um es als erstes zu sagen, weil diese Leistungen traditionell in Nebensätzen versinken: Das Bühnenbild und die Kostüme dieser Aufführung sind großartig. Sie setzen gegen die allgegenwärtigen Disney-Bilder des „Die Schöne und das Biest“-Klassikers in den Köpfen der Zuschauer neue Maßstäbe. Das Spektakel wird von einem Orchester begleitet, das macht den Besuch ebenfalls zum Erlebnis.

Ein Zuhause für Fabelwesen

Der Schauplatz im Düsseldorfer Opernhaus verwandelt sich via Lichteffekte, Projektionen, phantasievoller Aufbauten und einer Drehbühne zu einer imaginären Welt, in der ganz selbstverständlich Fabelwesen und skurrile Figuren ihr Zuhause haben. Unterstrichen wird dieser verzaubernde Effekt durch die herausragend konzipierte Ausstattung der Figuren. Beides zusammen vermittelt die Fiktion, versonnen durch ein originell gezeichnetes Märchenbuch zu blättern.

Aber in welche Geschichte verliert sich der Zuschauer eigentlich? Das französische Volksmärchen „Die Schöne und das Biest“ handelt davon, dass alles ein gutes Ende nimmt, wenn man sich selbst treu bleibt. Belle, Tochter eines glücklosen Erfinders, ist Außenseiterin der skurrilen Dorfgemeinschaft. Sie liebt Bücher, flüchtet so in bereichernde Welten. Doch ausgerechnet des zu hundert Prozent aus Testosteron bestehende Gaston begeht Belle zur Gemahlin.

Die junge Frau lehnt seinen Antrag ab: „Du bist wie ein Neandertaler,“ gibt sie ihm den Laufpass. Das verschmähte Großmaul, diese Rolle wird zum Vergnügen der Premierenzuschauer sehr überzeugend dargestellt, ersinnt einen hinterlistigen Plan, um Belle trotzdem zum Weib nehmen zu können. Doch die, ganz Heldin, errettet zunächst ihren zauseligen Vater und erlöst am Ende der Geschichte den verzauberten Prinzen. Der hat nicht alle Teller im Schrank - die tanzen nämlich nebst Besteck und Gläsern hinreißend komisch durch den Speisesaal.

In Sachen Charme hat das royale Biest ebenfalls Potenzial. „Sag etwas Nettes über ihr Kleid“, souffliert ihm die Dienerschaft, die dringend vom unseligen Fluch erlöst werden will. „Es ist rosa“, kommt es ihm ungelenk über die Lippen. Letztendlich verlieben sie sich ineinander. Belle macht durch ihren Kuss aus einem zotteligen Biest einen gefühlvollen Mann. Es handelt sich um ein Märchen, wie gesagt.