Ein Museum wird zum Ausstellungsstück

Dortmund..  Heftig wurde um die Zukunft des alten Ostwallmuseums gerungen. Die Dortmunder haben entschieden: Das Haus wird nicht abgerissen. Als NRW-Baukunstarchiv soll es wieder eine kulturelle Zukunft haben. Grund genug, das Haus einmal selbst zum Ausstellungsstück zu machen.

Noch bis zum 1. Februar läuft die Ausstellung „Reduce/Reuse/Recycle Ostwall 7, Dortmund“ (Do 11-20, Fr-So 11-18 Uhr). Ein Muss für Ostwall- und Architektur-Fans. Denn die Schau mit raumhohen tapezierten Bildern lenkt den Blick auf bauliche Besonderheiten, Materialien und Details.

Was die wenigsten über den Klinkerbau wissen, den wir völlig selbstverständlich in den 1950ern verorten: Das Gebäude ist tatsächlich 140 Jahre alt, aus Altem wurde immer wieder Neues. Auch steht das Haus mit seiner wechselvollen Geschichte exemplarisch für einen ungebrochenen Wiederaufbauwillen der Dortmunder.

Nicht zuletzt auch das Buch von Sonja Hnilica „Das alte Museum am Ostwall“ in dem ebenso viel Wissen wie Leidenschaft für die Architektur steckt, hat das Gebäude wohl vor der Abrissbirne bewahrt. Denn plötzlich wurde klar, dass der Ostwall 7 mit den Kirchen zu den ältesten Bauten in der Innenstadt zählt.

Über seine Vergangenheit war bis dato nur wenig bekannt: 1875 wurde das Haus als Landesoberbergamt errichtet, damals noch ein viergeschossiger Verwaltungsbau. 1911 dann der erste moderne Umbau zum Kunst- und Gewerbemuseum - mit dem berühmten Lichthof. Der Bombenteppich über Dortmund im Zweiten Weltkrieg verwandelte das Museum in eine Ruine, das Kulturleben am Wall fand ein jähes Ende. Es waren Dortmunder Bürger, und eben das ist auch das Erstaunliche in der Geschichte des Hauses, die ihren kulturellen Treffpunkt wiederaufbauten. In den Mauern steckt viel Muskelhypothek von Menschen, die an dem Haus hingen. Und viel privates Geld spendeten.

Nach dem Krieg wurde das Museum um zwei Geschosse reduziert, architektonisch neu interpretiert und war eines der ersten Museen in Deutschland, die moderne Kunst wieder erlebbar machte. Nur wenige Jahre zuvor hatten die Nazis das Haus geplündert und „entartete“ Bilder konfisziert.

Die Ausstellung, von Muck Petzet als deutscher Beitrag zur Architekturbiennale in Venedig 2012 konzipiert und von der Landesinitiative StadtBauKultur NRW um Dortmund erweitert, geht davon aus: „Das ehemalige Museum am Ostwall ist ein außergewöhnliches Haus, aber kein Einzelfall.“ Jedes Gebäude binde wertvolle Baustoffe, Erinnerungen, Ideen und Entfaltungsmöglichkeiten – auch unentdeckte Schönheit. Mit dieser Ressource sorgsam umzugehen, sei ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Städte.

So geht es unter dem Titel „Reduce / Reuse / Recycle“ mit etlichen Beispielen aus Deutschland um die „Abfallhierarchie“ von Vermeidung, Weiterverwendung und Verwertung. Angewendet auf bestehende Architektur. Jetzt eben auch mit dem Beispiel Ostwall 7 in Dortmund.