Ein Masochist liebt die Arbeit

Dortmund..  Herr M. ist bekennender Masochist und fühlt sich als solcher gegängelt in einer Gesellschaft, die stets auf Sicherheit bedacht ist. Selbst bei einer Domina findet er keine Befriedigung seiner Wünsche mehr, dafür aber Fragebögen und die Absprache von Code-Wörtern für alle Fälle. Wie schließlich die Erkenntnis in Herrn M. wächst, dass man wirkliche Demütigung nur noch in der freien Wirtschaft finden kann, das erzählt der tschechische Dramatiker Roman Sikora in seiner Farce „Das Bekenntnis eines Masochisten“. „Erniedrigung durch Verausgabung“ lautet die Devise, mit der Sikora die gewinnorientierte Arbeitsmoral schamlos ad absurdum führt.

Regisseur Carlos Manuel, der das Stück jetzt mit drei Schauspielern im Studio des Schauspiel Dortmund inszeniert hat, beginnt langsam, forciert das Tempo dann aber ungemein zu einem wahren Leidens-Crescendo, bei dem der in drei Gestalten aufgefächerte M. (Björn Gabriel, Sebastian Graf, Marlena Keil) endlich wahre Befriedigung findet. Er nimmt mehrere Jobs gleichzeitig an, pfeift auf jede Sozialversicherung, fordert öffentlich Mehrarbeit bei geringerer Bezahlung sowie die Abschaffung von Freizeit. Er selbst lässt sich am liebsten wie Dreck behandeln, beseitigt kontaminierten Müll ohne Schutzkleidung und fühlt sich dabei dem Paradies nahe.

Die Inszenierung glänzt mit Akteuren, die bei ihrem Spiel unter Hochdruck geraten und in bewundernswerter Präzision agieren. Wenn man glaubt, dass Sikoras Stück absurder nicht mehr werden könne, mündet alles in eine Olympiade der Selbstausbeutung, bei der M. einen extrem leidensfähigen Chinesen besiegt. Da steht dann die Kanzlerin vor der Tür und will ein Selfie. Doch ist das offenbar selbst für hartgesottene Masochisten eine zu große Prüfung. Ein Abend, alles andere als quälend.