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Ein Magier der Bühne

06.03.2013 | 00:20 Uhr

Waren das noch Zeiten in Bochum, damals in den Siebzigern. Peter Zadek regierte im Schauspielhaus und schleppte wunderliches Volk in die Stadt. Ganz wild trieb es Jérôme Savary mit seinem 1968 gegründeten „Grand Magic Circus“. Dort wurde das Theater noch als Fest begriffen, gleichzeitig aber auch als ein Ort, reif für die Zertrümmerung. Savary, der „Circus“ und Bochum, das war über längere Zeit eine Liebesheirat.

Eine gewisse Wildheit, Neugier und Schaffenskraft haben Savary sein Leben lang ausgezeichnet. Mit der Zigarre im Mundwinkel gab der französisch-argentinische Theatermacher das Enfant terrible der Bühnenwelt. Die hehre Kunst war ihm reichlich egal, er buhlte mit seinen grellen Interpretationen etwa von Offenbach-Operetten ganz unverhohlen um die Gunst des Publikums. Er sei eigentlich kein Regisseur, schrieb Peter Iden einmal über ihn, seine Fähigkeiten seien eher magischer denn ästhetischer Natur.

Zufrieden war der Meister immer dann, wenn er den Schauspielern das Angelernte austreiben konnte, um ihre kindlichen Kräfte zu aktivieren. Mit solcher Haltung inszenierte er später an vielen Bühnen und machte aus Stoffen wie „Carmen“ oder „Der blaue Engel“ wahre Feuerwerke – bunt, spritzig, ironisch und voller Tempo. Seine „Cabaret“-Einrichtung mit Ute Lemper ist in Düsseldorf bis heute unvergessen.

Gestern ist Jérôme Savary im Alter von 70 Jahren an Krebs gestorben. Ein Verlust, kaum zu beschreiben.

Von Arnold Hohmann


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