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Kommissar Erlendur umweht die „Eiseskälte“

02.01.2013 | 17:41 Uhr
Kommissar Erlendur umweht die „Eiseskälte“
Der isländiche Autor Arnaldur Indriðason führt den Leser in "Eiseskälte" in eine ganz persönliche Tragödie.

Essen.  Der neue Roman von Arnaldur Indriðason lässt den Liebling aller Leser von Island-Krimis noch einmal Witterung aufnehmen. Diesmal führt eine vermeintlich kalte Spur zu Erlendur Sveinssons eigener Kindheit. Der Titel des neuen Romans: "Eiseskälte".

Mit Vorliebe hat Islands derzeit erfolgreichster Autor Arnaldur Indriðason seinen Ermittler auf Spuren angesetzt, die man gemeinhin kalt nennt. Alte Fälle, Gras über Geschichten oder Täter, die schon die Beine hochgelegt hatten – auf Erlendur übten diese Verbrechen einer vergessene Welt ganz besondere Anziehungskraft aus. „Eiseskälte“ ist das schlüssige Finale dieser Hassliebe zum alten Bösen.

Fans wissen: Der Kommissar ist Privatier, in den letzten Fällen war er nur als weises Echo gegenwärtig. Denn zu den Ostfjorden zog es Erlendur Sveinsson vor geraumer Zeit, den Vorhang für eine alte Tragödie aufzuziehen. Es ist seine ganz persönliche.

Erlendurs Bruder: als Kind verschollen

Sie waren noch Kinder, Erlendur und sein Bruder. Da gingen sie hinaus in die Berge. Ein Schneesturm kam, der kleine Bergur verirrte sich mit seinem roten Spielzeugauto, das er so liebte, und nie mehr kehrte er zurück. Erlendur quälen Ungewissheit und Schuld. Er sucht sogar im Fuchsbau.

Es ist in mehr als einer Hinsicht ein Abschiedsroman, den Indriðason da geschrieben hat. Seinem stillen, beharrlichen Reykjaviker Polizisten ist das Gestern die treueste Gefährtin. Wie wundervoll langsam (mutig!) davon erzählt wird: Wir treffen lauter aussterbende Arten, Trockenfischklopfer und Fuchsjäger, Menschen, die mit einem Bein im Grab stehen. Erlendurs Spurensuche, die auch der schönen, 1942 verschollenen Matthildur gilt, geht einen einschüchternd chronologischen Gang, er führt von isländischen Altenheimen geradewegs zu wildverwucherten Gräbern.

Verluste – Wunden, die nie heilen.

Traurigkeit ist ein anderes stilles Motiv dieses Buches. Natürlich geht es um jene Verluste, die Wunden nie heilen lassen. Aber Trauer gibt es auch über den Hochmut alles Neuen: Erlendur und die, denen er begegnet, fassen sie nicht, diese Welt, die Aluminiumfabriken gegen Gletscherschönheit siegen lässt. Ein schöner Roman für die dunkle Zeit.

Lars von der Gönna

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2013-01-02 17:41
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