Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Kultur

Ein Heimatloser

03.06.2007 | 13:02 Uhr

Zum Tod des Schriftstellers Wolfgang Hilbig

Nicht neu kann sein was du beginnst - denn immer nimmst du was dir längst gegeben und gibst es hin.

(Aus: Blätter und Schatten) Wolfgang Hilbig, der mit 65 Jahren an den Folgen seines Krebsleidens in Berlin gestorben ist, war ein wortgewaltiger Lyriker, der nicht von ungefähr 2002 den wichtigen Georg-Büchner-Preis erhielt.

Auf Hilbig, der aus Ostdeutschland stammte, hätte in der SED-Welt eine Musterkarriere gewartet: der Werkzeugmacher und Heizer, der nach der Arbeit im Dichterstübchen sitzt. Daraus wurde nichts, denn Hilbig suchte im Spannunsgverhältnis zwischen dem Ich und der Gesellschaft nach apokalyptischen Bildern. In seinem 1993 erschienenen Roman "Ich" erzählt er von einem Lyriker, der als Spitzel für die DDR-Staatssicherheit arbeitet. Momente aus einer Gesellschaft im Untergang.

Als im Westen 1979 Hilbigs Lyriksammlung "Abwesenheit" erschien, musste der Dichter ins Gefängnis. Wegen Devisenvergehens. So war das. Hilbig war kein Arbeiterdichter, auch nach seiner Übersiedlung in den Westen kein Angepasster. Als man ihm den Erwin-Strittmatter-Preis des Landes Brandenburg verlieh, sagte der Kollege Ingo Schulze: "So viel Wut und Hass hat selten einer gegen den Osten geschleudert - und selten wurde so viel Galle und Hohn über den Westen gekippt."

Wolfgang Hilbig, der in Meuselitz in eine Bergarbeiterfamilie hineingeboren wurde, galt manchen als "vermutlich letzter großer deutscher Dichter im ursprünglichen Schillerschen Sinne". Er verließ eine Heimat, die ihn nicht liebte, und kam an einen Ort, der ihm keine Heimat wurde. Ein radikaler Außenseiter.

Von Michael Stenger



Kommentare
Aus dem Ressort
Protestbrief - 1500 deutsche Autoren schießen gegen Amazon
Buchmarkt
"Nur zusammen sind wir stark" - nach dem Motto machen deutsche Autoren Front gegen Amazon. In einem Protestbrief werfen die 1500 Schriftsteller dem Onlinehändler "Erpressungsmethoden" vor. Unterzeichner sind etwa Juli Zeh, Amelie Fried und Doris Dörrie. Auch die deutschen Verlage werden gefordert.
„Clown mit der Trommel“ feiert Comeback
Trio
Die WP sprach mit Peter Behrens (67), Ex-„Trio“-Schlagzeuger, über sein Leben mit „Trio“, sein Comeback mit Ecki Schrader aus Marsberg und seine neue CD.
Gewinner können bei Zeltfestival Grafen von Unheilig treffen
Zeltfestival Ruhr
Am Freitag startet das Zeltfestival Ruhr. Die WAZ wartet mit einem tollen Gewinnspiel auf. Zwei Leser haben die Chance, den Grafen von der Nummer-1-Gruppe Unheilig persönlich kennenzulernen. Zudem winken Freikarten u.a. für Milow und Jamie Cullum.
Duisburger verkauft Statisten-Rollen in seinem Kurzfilm
Karrierestart
Nein, der Mann heißt nicht George mit Vornamen, sondern Martin, und der Nachname wird auch nicht mit C geschrieben, sondern mit K. Aber das hat ihn nicht daran gehindert, die Redaktion anzuschreiben und zu titeln „Duisburger Filmstudent sagt Hollywood den Kampf an“.
Archäologie-Schau der Superlative zeigt keltischen Salzabbau
Archäologie
Das Archäologie-Museum Herne präsentiert ab Samstag eine Schau der Superlative: "Das weiße Gold der Kelten" zeigt in einer klug reduzierten Ausstellung mit 250 Exponaten, wie im oberösterreichischen Hallstatt seit 7000 Jahren Salz abgebaut wird.
Umfrage
Düster, schmutzig, kein Service – Experten finden an Rhein und Ruhr einige der schlechstesten Bahnhöfe Deutschlands . Würden Sie den Vorwurf der

Düster, schmutzig, kein Service – Experten finden an Rhein und Ruhr einige der schlechstesten Bahnhöfe Deutschlands . Würden Sie den Vorwurf der "beispiellosen Verwahrlosung" unterschreiben?