Ein Ermittler mit struppigem Charakter

..  Als schreibender Polizist mit geradezu phantasieschädigend großer Sachkenntnis ist Norbert Horst die große Ausnahme unter den deutschen Krimi-Autoren. Deshalb blieb der Glauser-Preis für sein Debüt 2004 nicht die letzte Auszeichnung. Und bis heute hält sich Horst nicht wenig auf die Authentizität seiner mittlerweile sechs Kriminalromane zugute, wie man dem Nachwort seines neuen entnehmen kann – „Mädchenware“. Das Buch greift kein gänzlich neues Verbrechensfeld auf, im Gegenteil. Die gewerbsmäßige Verschleppung von jungen Frauen aus Osteuropa und den Gebieten der alten Sowjetunion setzte schon mit dem Fall der Mauer ein, und der Skandal dieses Rotlicht-Marktes ist ja nicht das Angebot, sondern die Nachfrage.

Genau da aber setzt Horsts Roman geschickt ein, noch bevor man die Chance hat, zu Schwarz-Weiß-Urteilen zu kommen. Sein stets „Steiger“ genannter und trotzdem weitgehend klischeefreier Dortmunder Kommissar Thomas Adam ist nämlich selbst Kunde des Milieus, wenn auch auf etwas andere Art als andere Männer.

Horsts eigentliche Stärke aber liegt, neben der geschickten, bis zuletzt spannenden Handlungsführung, in seinem Erzählton. Sehr lakonisch, sehr knapp und jedes denkbare Detail auslassend, das sich Leser selbst ausmalen können. „Steiger“ ist kein cooler Cop, sondern ein eher zufällig beamteter Wahrheitssucher, der hin und wieder mal kifft, ein Kerl mit einem etwas struppigen Charakter, der einem nicht durchweg sympathisch sein muss, aber ein echter Typ, für den man sich interessiert. Nicht zuletzt, weil so sehr Seelenkenner ist, dass er ein Bierchen in der Kneipe jedem Gespräch mit Polizeipsychologen vorzieht.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE