Das aktuelle Wetter NRW 1°C
Reise-Literatur

Ein Deutscher in Warschau - Steffen Möller erklärt uns Polen

29.05.2012 | 19:23 Uhr
Ein Deutscher in Warschau - Steffen Möller erklärt uns Polen
An der Grenze in Frankfurt/Oder: Auch hier macht der Berlin-Warszawa-Express Station.

Essen.   Steffen Möller startete als Deutschlehrer in Warschau, wurde Seriendarsteller auf TVP 2 und pendelt ständig zwischen Deutschland und Polen. Von so einem lässt man sich das Land gerne erklären. Seine „Expedition zu den Polen“ spielt dort, wo man ihn am ehesten trifft: im Speisewagen des Berlin-Warszawa-Express.

Man muss der letzten Eiszeit danken, denn die Gletscher schoben manches Hindernis aus dem Weg und planierten zwischen Berlin Hauptbahnhof und Warszawa Centralna das Warschau-Berlin-Urstromtal. Durch diese breite Ebene fährt heute fünfmal am Tag ein Eurocity von Berlin nach Warschau, eine verkehrstechnologisch mühelose Reise von nicht einmal sechs Stunden. Doch der Mensch errichtete auf dieser Strecke seine eigenen Hürden. Er erfand unterschiedliche Sprachen und gegensätzliche Sitten – und so kam es, dass ihm das jeweils andere Ende des Urstromtales heute mindestens als das Ende der Welt erscheint.

Steffen Möller lebt schon seit 1994 von diesen Unterschieden. Er arbeitete als Deutschlehrer in Polen, spielte dort den Deutschen im Fernsehen und auf der Kabarettbühne und verkaufte bei uns 2008 den Bestseller „Viva Polonia“. Jetzt kommt er, rechtzeitig vor dem Anstoß der Fußball-EM in Warschau, mit einem weiteren deutsch-polnischen Buch: „Expedition zu den Polen. Eine Reise mit dem Berlin-Warszawa-Express“. Eine Reisereportage, die zur Länderkunde geriet. Und eine Länderkunde, aus der ein Ratgeberbuch wurde: Der deutsche Leser wird in Improvisation, Selbstironie und negatives Denken eingeführt. Er lernt galant zu sein mit den Damen. Und ihm wird Mut gemacht für den Kampf mit einer Sprache, die Wörter wie „Przepraszam“ hervorgebracht hat.

Sympathie fürs andere Volk und Sympathie fürs eigene

Möller schreibt dabei voller Sympathie über ein anderes Volk, ohne die Sympathie für das eigene zu verlieren. Wer hat die größere emotionale Intelligenz? Die Polen, denn sie sehen dir immer an, wie es dir geht und was du willst. Und wer hat die romantischere Liebe? Die Deutschen, ob man es glaubt oder nicht.

Noch neun Tage sind es bis zur Fußball-Europameisterschaft, mancher Deutsche wird jetzt vielleicht zum ersten Mal nach Polen reisen. Ist Möllers Buch etwas für Fußball-Fans? Sagen wir so: Selbst wenn der Fan mit dem Zug fährt, wird er unterwegs andere Beschäftigung finden als ein Buch zu lesen. Ihm reicht die Dos-and-Don’ts-Liste im Reiseführer. Sollte es sich aber ergeben, dass er mit einer polnischen Telefonnummer nach Deutschland zurückkehrt, und zwar egal ob es die von Jola ist oder die von Marek, dann sei ihm das Buch wirklich ans Herz gelegt.

Steffen Möller: „Expedition zu den Polen. Eine Reise mit dem Berlin-Warszawa-Express“. Malik-Verlag, 275 Seiten, 14,99 Euro.

Achim Beer



Kommentare
Aus dem Ressort
Erste Vorschau auf neuen "Star Wars"-Film veröffentlicht
Star Wars
Über 30 Jahre mussten die Fans auf eine Fortsetzung der ersten drei Star-Wars-Filme warten. 2015 wird es endlich soweit sein. Am Freitag wurde der Spannung erwartete Trailer zum neuen Film veröffentlicht. Der Trailer zeigt einige Film-Fragmente, über die Story erfährt man aber wenig.
Ana Moura begeistert in Mülheim mit Fado-Musik
Konzertkritik
Fado ist Portugal pur: Diese leidenschaftlich-wehmütige Musik ist vorwiegend in Lissabon und Coimbra beheimatet. Ana Moura ist eine junge, moderne Interpretin des Fado. Nun trat sie bei den Klanglandschaften in der Mülheimer Stadthalle auf.
Peter Bursch mit den All Stars im Steinhof
Konzert
Bei der ersten von vier „Acoustic Nights“ war ein Streichquartett der Duisburger Philharmoniker der Überraschungsgast. Und die Party ist wieder einmal gelungen.
Nacktbilder dürfen nicht zurück ins Sterkrader Rathaus
Kunst
Trotz vieler Proteste von Bürgern in Oberhausen und darüber hinaus bleibt das Oberhausener Gebäudemanagement hart: Die Künstlerin Maria Mancini darf die vier Nackbilder, die sie nach Beschwerden im Technischen Rathaus Sterkrade abhängen musste, dort nicht wieder ausstellen.
Fördert endlich literarisches Leben im Ruhrgebiet!
Literaturhaus Ruhr
Dass es bis heute kein Literaturhaus Ruhr gibt, ist ein Armutszeugnis für die Kulturhauptstadt, für die Feuerwerke und Events wichtiger waren. Dabei könnte ein Literaturhaus Ruhr die zersplitterten Szenen vernetzen und wäre mit Hilfe von Spenden und Stiftungen ins Werk zu setzen. Ein Plädoyer
Umfrage
Der deutsche Beitrag zum Spenden-Song