Ein Brückenbauer zwischen den Kulturen

Essen..  Er sei der Würde jedes Einzelnen verpflichtet, so die Jury, und dem Miteinander der Kulturen: Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht in diesem Jahr an Navid Kermani. Damit wird ein Brückenbauer geehrt, der als deutscher Autor iranischer Herkunft, als Islamwissenschaftler und Romancier Traditionen und Denkweisen zu versöhnen sucht.

Im persönlichen Umgang freundlich und bescheiden, klug und schnell denkend – so erlebten auch viele Menschen im Ruhrgebiet den in Siegen geborenen, heute in Köln lebenden Autor: Als Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut, als Gastgeber des „Literarischen Salons“ oder Gesprächspartner auf den Bühnen der Region.

Ob in wörtlicher Rede, journalistischen oder literarischen Texten, stets bleibt der 47-Jährige seiner politischen, gesellschaftlichen Mission verpflichtet. Zuletzt ließen seine Reportagen aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens deutschen Lesern fremde Welten nahekommen; in seiner Festrede vor dem Bundestag zum 65. Geburtstag des Grundgesetzes rief er zu einer großzügigeren Flüchtlingspolitik auf. Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Kermani in einer ersten Reaktion auf den Preis als kritischen Denker und streitbaren Wissenschaftler.

Als Schriftsteller hatte sich Kermani 2011 in dem Epos „Dein Name“ ironisierend auch mit seiner Rolle als Medienmensch auseinandergesetzt, ließ seine Leser unmittelbar heran an die Geschichte seiner Familie, seine Herkunft und sein Leben. Für das 1200-Seiten-Werk wurde er mit dem Kleist-Preis geehrt.

Zuletzt spiegelte der kleine, feine Band „Große Liebe“ Kermanis große Kunst, Orient und Okzident zu verbinden, indem er persische Verse mit einer Liebesgeschichte aus den bundesdeutschen 80ern gegenschnitt: herzerwärmende Wollpulli-Mystik.