Ein Beach Boy lässt es plätschern

Essen..  Man hat ja eine Vorstellung davon, wie und wo die magischen Momente des Brian Wilson entstanden sind; dass er irgendwo im halboffenen Hawaii-Hemd über den Strand schlendert, dass seine traurigen Teddybäraugen aufs Meer hinausblicken; dass es dann plötzlich Klick macht – und wieder eine ewig junge Gassenhauermelodie durch seinen Kopf schwirrt.

Bei seinem neuen Album „No Pier Pressure“ (Capitol Records) hat es selten Klick gemacht. Es ist nicht so, dass der Beach Boy brutal baden geht, aber er lässt es nur plätschern. Kein Gänsehautgefühl, kaum instrumentale Überraschungen, dafür jede Menge allenfalls niedlich zu nennende Songs – Musik, die aber letztlich vorbeirauscht.

Dabei fängt die 13 Titel umfassende Liedersammlung überaus Hoffnung machend an. „This Beautiful Day“ ist eine nicht mal anderthalbminütige Ouvertüre, aber was in diese Miniatur hineinkomponiert wurde, ist großartig: Streicher, gestopfte Trompete, eine Orgel, satte Chöre untermalen den (hörbar am Mischpult in die richtige Stimmung gebrachten) Leadgesang des Meisters. Tolles Ding. Um so erstaunlicher, wie heftig er die Stimmung kaputt macht. Mit „Runaway Dancer“ setzt Wilson brutalstmöglichen Elektropop hinterher. Das soll vermutlich modern und nach Tanzfläche klingen, aber muss ein Wilson auf dieser Welle surfen? Da passt schon besser die Bossa-Nova-Nummer „On The Island“ ins Bild. Der alte Beach-Boys-Recke Al Jardine veredelt zusammen mit David Marks die Ballade „Whatever Happened“, und wer die Chöre der Strandjungs schätzt, wird sich vermutlich über die Kostprobe bei „Our Special Love“ freuen. „The Last Song“ heißt die letzte Nummer. Trotz aller Meckerei: Wollen wir mal hoffen, dass Wilson das nur auf dieses Album bezieht. Vielleicht macht’s ja doch bald wieder Klick.