Ein barocker Paukenschlag

Foto: Pascal Amos Rest/Konzerthaus Dor

Dortmund..  Uraufgeführt wurde Agostino Steffanis prachtvolle Oper in der Münchener Karnevalssaison 1688. Jetzt erschien beim Label Erato/Warner Music in Zusammenarbeit mit Radio Bremen und dem renommierten Boston Early Music Festival die erste Studio-Produktion der „Niobe“ - und das gleich in wahrer Luxusbesetzung. Die war jetzt auch - bis auf zwei Ausnahmen - im Dortmunder Konzerthaus bei einer konzertanten Aufführung dieses spannenden und musikalisch vielgestaltigen Werkes zu hören.

Star dieses barocken Paukenschlags - im überraschenderweise nicht voll besetzten Saal - war neben dem französischen Countertenor Philippe Jaroussky, der den tragisch endenden Gatten Anfione der ehrgeizigen Königin Niobe von Theben sang, das Boston Early Music Festival Orchestra unter der Doppelspitze Paul O’Dette und Stephen Stubbs. Sie hielten von ihren Instrumenten aus die Fäden dieser Musik zusammen, die Monteverdi und Cavalli bereits hinter sich gelassen hat, dem staatstragenden Lully die zahlreichen barocken Tänze stibitzt und die großen Arien und Fugato-Szenen eines Händel - zu dessen Lehrern Steffani übrigens zählte - eindrücklich vorwegnimmt.

Jaroussky und die individuell gestaltende Kanadierin Karina Gauvin als tragisches Ehepaar harmonierten vor allem in der makellosen lyrischen Linie exzellent. Der Franzose aber scheint auf seinem derzeitigen Höhepunkt. Seine Verzierungen, seine messa di voce bis ins zarte Piano, der schier endlose Atem: die Stimme gehorcht mühelos. Seine Todesarie - die mitten in der Musik abbricht - gehörte wohl zum Ergreifendsten dieses über dreistündigen Abends. Der war dennoch eine hochkarätige Ensembleleistung, die vor allem auch der Tenor Colin Balzer als eleganter Tiberino adelte.