Ein Augenschmaus für Schlemmer

Düsseldorf..  Das Publikum im Düsseldorfer Forum Freies Theater ist begeistert - ähnlich wie vor fast 100 Jahren, als Oskar Schlemmer sein „Triadisches Ballett“ aus der Taufe hob. Die Figurinen mit Tellertutu oder Tauchermaske, Zylindern oder Kugeln gleiten über die leere Bühne, entfachen tiefsinnigen Ernst oder Heiterkeit. Zwei von den Original-Teilen des Bauhaus-Künstlers Schlemmer rekonstruierte das Theater der Klänge und präsentiert sie jetzt unter dem Titel „Trias“ in Düsseldorf und Dortmund.

Tiefsinnige Clownerien

Musikalische und szenische Clownerien, die überwiegend durch die 18 grotesk surrealen Kostüme entstehen und mit zweiter und dritter Dimension spielen, ziehen in knapp 90 Minuten vorüber. Inszenierung (Jörg U. Lensing) und Choreografie (Jacqueline Fischer) orientieren sich am Original und an der Ästhetik der 20er-Jahre, wie auch die farbenfrohen Kostüme von Caterina di Fiore und die musikalische Begleitung von Thomas Wansing. Cello, Klavier, Perkussion und Schlagzeug treiben zwölf skurrile Szenen an, die bis heute als Meilensteine der Kunst gelten.

Da trippelt, wie eine flache Schale bemalt, die Tänzerin Phaedra Pisimisi. Sie verbeugt sich, dreht sich mit dem Rundrock im Kreis und beginnt einen Dialog mit einem Taucher (Kai Bettermann). Sein Kopf steckt in einem großen Kugelhelm, der uns heute an Raumfahrer-Kleidung erinnert, seine Beine in dick wattierten Röhrenhosen. Er hüpft und rutscht hin und her.

Mechanische Bewegungen bieten dann ein Zylindermann und eine Glockenpuppe. So steif wie Marionetten bewegen sie sich, bis sie in weichen Bewegungen kreisen. Die Athleten bewahren meist ein Augenzwinkern. Ebenso, wenn sie als weißes Tanzpaar (Elisa Marshall und Darwin Diaz) klassisches Ballett parodieren. Die Ballerina in weißem Tutu ergeht sich in akademischen Posen, flattert wie im ‚Schwanensee’ mit den Armen, bis sie plötzlich mit ihrem Partner (in stark wattiertem Ballett-Trikot) swingt und die lockeren Schultern schlottern lässt.

Humorvolle Szenen, wie auch ein kunterbunter Harlekin, der sich aufplustert und wieder zusammensackt, stehen im Kontrast zu düsteren Miniaturen. So verweisen die ‚Scheibentänzer’, deren Körper durch eine Scheibe wie geteilt und unbeweglich wirken, auf das Unheil des Ersten Weltkriegs – auch wegen der römischen Kriegshelme auf ihrem Kopf.

Blau, Gelb, Rot

Am Ende drehen und rauschen die Tänzer in Glockenkostümen in den drei Grundfarben Blau, Gelb und Rot – bis sie die Gewänder ablegen und in einfachen Trikots langsam entschwinden. Fazit: Wenn diese tänzerisch reduzierte Performance auch eher ins Museum passt, so kann man sie doch Freunden des Balletts und der Bildenden Kunst empfehlen.

Bis zum 17. Januar (Sa. zwei Vorstellungen) im FFT Düsseldorf. TEL: 0211/ 87 67 87 18, www.fft-duesseldorf.de, 7. und 8. Feb. Theater im Depot Dortmund, www.depotdortmund.de