Eidingers Shakespeare-Triumph

Berlin..  Tosender Applaus bei der Premiere des frühen Königsdramas „Richard III.“ am Samstag. Lars Eidinger in der Titelrolle des monströsen Intriganten bot an Berlins Schaubühne eine furiose Leistung und zeigte sich am Ende sichtlich erschöpft. Ein bewundernswerter Kraftakt.

Die Zuschauer waren nah dran am blutigen Geschehen, auf Tuchfühlung mit einem Monster. Ausstattungsleiter Jan Pappelbaum hat eine vom Londoner „Globe Theatre“ inspirierte elisabethanische Bühne gebaut, ein Halbrund mit steil aufragenden Zuschauerrängen.

Eidinger spielt den verwachsenen Intriganten Richard mit Buckel und verdrehten Beinen. Er schleicht fast nur gebückt umher, ein hyänenhafter Ränkeschmied, der mit Frieden nichts am Hut hat. Er weiß, dass er ein Scheusal ist, moralisch und körperlich, „ums Aussehen betrogen“, wie es in der Übersetzung von Marius von Mayenburg heißt. Der Hausdramatiker der Schaubühne hat den Dramentext entstaubt, in die Gegenwart geholt, sich einige Flapsigkeiten erlaubt, aber die Poesie der Vorlage bewahrt.

In seiner Inszenierung vermeidet Intendant Thomas Ostermeier platte Aktualisierungen oder Analogien zu anderen Gewaltherrschern. Stattdessen entwirft er psychologisch schlüssig das Bild eines Außenseiters, der sich um seinen Lohn gebracht sieht und den Hofschranzen und Opportunisten um ihn herum immer einen Schritt voraus ist.

Nur die Frauen durchschauen diese grotesk-komische Figur: Wenn die alte Lady Margaret (Robert Beyer) von der Empore aus ihre bösen Prophezeiungen ausspricht, ist Richard ganz still. Auch die starke Queen Elizabeth (Eva Meckbach) scheint immun zu sein gegen die Einflüsterungen des Schmeichlers, bis er sie dann doch küssen darf. Als Richard dann endlich auf dem Thron sitzt, wundert er sich fast, wie leicht das vor sich ging. Erst wird ein wenig gemeuchelt, dann gibt es Pellkartoffeln mit Quark. Die Banalität des Bösen.

Keine Frage: Dieser „Richard III.“ hat, wie Eidingers Hamlet von 2008, das Zeug zum Dauerbrenner.