"Echo"-Macher laden Frei.Wild wieder aus

Kein Echo für Frei.Wild: Die umstrittene Band wurde von der Nominierten-Liste für den Musikpreis geworfen.
Kein Echo für Frei.Wild: Die umstrittene Band wurde von der Nominierten-Liste für den Musikpreis geworfen.
Foto: Jan Dinter/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Erst hieß es, die Statuten verbieten einen Rauswurf, jetzt ist er doch gekommen: Die umstrittene Rechtsrockband Frei.Wild wird von der kommenden Verleihung des "Echo"-Musikpreises ausgeschlossen. Die Ausrichter reagieren damit auf Fanproteste und Boykott-Ankündigungen der Bands Kraftklub und Mia.

Berlin.. Erst hatten "Kraftklub" reagiert, dann waren "Mia" gefolgt: Die 22. Verleihung des deutschen Musikpreises "Echo" war durch die Nominierung der umstrittenen Deutschrockgruppe Frei.Wild zu einem Politikum geworden. Frei.Wild gilt wegen patriotischer Texte mit völkischem Gedankengut als Rechtsrock-Band. Während die Veranstalter des "Echo" in ersten Statements auf die Nominierung beharrten, haben sie jetzt überraschend Position bezogen - gegen Frei.Wild und gegen die bisherigen eigenen Statuten.

Der "Echo" gilt als deutscher "Grammy" und ist die renommierteste Musikauszeichnung des Landes. Die Kritierien der Nominierungen sind je nach Kategorie vergleichsweise schlicht. In Sachen Frei.Wild hieß das: Wer sich hierzulande besonders gut verkauft, hat Chancen auf einen "Echo". Frei.Wild zählte dabei im vergangenen Jahr zum Kreis der fünf bestverkauften Bands, die die Echo-Ausrichter in der Katagorie "Rock/Alternative National" einordneten. Neben Frei.Wild waren die Berliner Punkpop-Band "Die Ärzte", Kraftklub aus Chemnitz, Mia aus Berlin und Unheilig nominiert. Letztere wollte sich zu den Vorkommnissen um Frei.Wild nicht äußern.

"Echo"-Macher wollen keine Bühne für Debatte um politische Gesinnung von Frei.Wild

Das haben nun die "Echo"-Ausrichter getan und dabei Position bezogen. Noch am Mittwoch hatte der Verband erklärt: "Da keine offensichtlichen Gründe für einen Ausschluss von den Charts vorliegen, zum Beispiel eine Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, findet auch die Qualifizierung entsprechend den Echo-Regularien statt". Nun heißt es in einer Erklärung, der "Echo" solle nicht zum Schauplatz einer Debatte um das Thema der politischen Gesinnung dieser Band werden, teilten der Musikverband mit. Deshalb hätte der Vorstand "nach intensiven Diskussionen" sich entschlossen, in die Regularien des Preises einzugreifen und die Südtiroler Band von der Nominiertenliste zu streichen.

"Wir haben in den letzten Tagen heftige Kontroversen um die Nominierung von Frei.Wild, die auf Basis der Charts-Auswertung erfolgte, erlebt, die den gesamten Echo und damit auch alle anderen Künstler und Bands überschatten", erklärt Florian Dücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie. Die Regularien des "Echo" hätten sich "in den letzten 20 Jahren etabliert und bewährt", sagt Dücke. Man habe jedoch nun begonnen, "die Anpassung dieser Regularien anzugehen, was wir mit Blick auf den aktuellen Fall nun weiter forcieren werden".

Warum Frei.Wild in der Kategorie "Rock National" gewertet wurden

Viele Beobachter und Musikfans wunderten sich darüber, dass Frei.Wild von den "Echo"-Ausrichtern als "nationale" Band gewertet wurden, denn die Gruppe gibt an, in Südtirol beheimatet zu sein, also in Italien. Sänger Philipp "Fips" Burger stammt aus Brixen und war dort auch politisch aktiv - in der rechtsgerichteten Partei "Die Freiheitlichen".

Nach Auskunft der "Echo"-Ausrichter, "gibt es Bandmitglieder mit deutschen Pässen", wie Musikverbandssprecher Andreas Leisdon erklärt. Kontaktadressen und Konzertverlag der Band sind in Bayern bzw. im Schwarzwald. Die Gruppe würde ihre Produktionen in Deutschland aufnehmen, sagt Leisdon, und "die Band singt auf Deutsch" - damit seien "die wesentlichen Kriterien" für die Nominierung in der Kategorie "Rock/Alternative National" erfüllt gewesen.

"Diese Band darf das Podium nicht bekommen"

In der Musikbranche bewertet man die Entscheidung der "Echo"-Ausrichter mit Erleichterung: "Diese Band darf das Podium nicht bekommen", forderte etwa Denis Plauk, Chefredakteur des Dortmunder Musikmagazins "Visions", schon kurz nach Bekanntgabe der Frei.Wild-Nominierung.

Die Band selbst war für ein Statement am Freitag noch nicht zu erreichen. Auf ihrer Facebook-Seite kommentierten Frei.Wild die "Echo"-Entscheidung am Freitag mit Sarkasmus: "Zum Glück haben wir noch keine Flüge gebucht". Zudem teilt Frei.Wild einen Post von Ex-"Böhse-Onkelz"-Gitarrist Matthias "Gonzo" Roehr - der deutlich aussagekräftiger ist und der bisherigen Strategie von Frei.Wild entspricht, sich einer eigenen Positionierung zu entziehen: Roehr sieht in seinem Facebook-Post Frei.Wild als Opfer einer "Hexenverfolgung" durch "Kleingeister", "Gesinnungspolizisten" und "Musterdemokraten" und die Band nun in "Gesinnungshaft", was Roehr mit einem Appell an Frei.Wild-Fans verbindet: "wehrt euch".

Die Echo-Preise werden am 21. März verliehen. Die Show wird ab 20:15 Uhr in der ARD übertragen und hatte im vergangenen Jahr 2,6 Millionen Zuschauer. Nominiert sind in insgesamt 27 Kategorien Bands wie Die Toten Hosen, Silbermond oder BossHoss und Musiker wie Lena, Helene Fischer oder Heino. In Bezug auf Frei.Wild wäre es fraglich gewesen, ob die Band - die bereits 2011 beim "Echo" nominiert gewesen war - Chancen auf den Preis gehabt hätte. Laut Verband wird der Sieger von einer Jury ausgewählt, die sich aus etwa 300 Vertretern aus dem Musikverband und allen bisherigen "Echo"-Preisträgern zussammensetzt. Die Abstimmung, heißt es beim Verband, "erfolgt auf elektronischem Weg".