Durchs wilde Kopetzkystan

Was wir bereits wissen
Steffen Kopetzky spielt „Risiko“ und schreibt mit einem großen Abenteuerroman die Geschichte des Ersten Weltkrieges um

Unterwegs war Steffen Kopetzky eigentlich immer: Im wirklichen Leben als Philosophiestudent in Paris und München, später als dandyhafter Popautor in Berlin. Im neuen Werk, einem opulenten Abenteuerroman, zieht es ihn mit einer Karawane ins wilde Afghanistan.

Weil der Erste Weltkrieg sich in den Schützengräben der Westfront festgefahren hat, wird ein Trupp tapferer Männer an den Hindukusch gesandt. Dort sollen sie einen Plan des Orientkenners Freiherr Max von Oppenheim umsetzen und die Stämme der Paschtunen zu einem heiligen Krieg gegen die britischen Besatzer in Indien vereinen, um so für Entlastung auf den Schlachtfeldern Europas zu sorgen.

Mit von der Partie ist der Marinefunker Sebastian Stichnote. Auf ihn gestoßen sei Kopetzky in den „Briefen eines Toten an eine Taube“, die Lucien Camus, der Vater von Albert Camus, während des Ersten Weltkrieges an seine Familie in Algier geschrieben habe. So auf jeden Fall schreibt Kopetzky im Epilog. Doch Vorsicht! Fiktion und Wirklichkeit zerfließen ein ums andere Mal in diesem postmodernen Roman.

In Istanbul bricht die Expedition auf. 5000 Kilometer liegen vor ihr. Durch unzählige Wüsten und über ausgetrocknete Salzseen kämpft sich die Karawane mit Maultieren und Kamelen voran. Von Nomadenstämmen werden die Reisenden festgenommen, können sich freikaufen und haben bald weder Geld noch Waffen. Auch die schwere Funkanlage müssen sie zurücklassen, so dass Stichnote seine Botschaften bald mit Brieftauben senden muss. Nur Opium und die Gedanken an seine Geliebte Arjona lassen ihn die Strapazen überstehen.

Kopetzky betreibt ein dekonstruktivistisches Spiel, das ausufert und sich verliert. Ein erfundener Kosmos. Ein Ritt durchs wilde Kopetzkystan. Am Ende kommt es gar zum „Frieden von Verdun“. Wenn nur die reale Weltgeschichte sich auch auf diese Weise schön schreiben ließe.