Duisburger Stargeiger Frank Peter Zimmermann wird 50

Hat allmählich das Gefühl, immer mehr üben zu müssen: Stargeiger Frank-Peter Zimmermann.
Hat allmählich das Gefühl, immer mehr üben zu müssen: Stargeiger Frank-Peter Zimmermann.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der Duisburger Stargeiger feiert am Freitag seinen 50 Geburtstag. Ein Gespräch über das Altern, die Liebe zur Kammermusik – und zu edlem Wein

Köln.. Freitag, am 27. Februar, feiert Frank Peter Zimmermann, der allürenfreie Stargeiger aus Duisburg, seinen 50. Geburtstag. Obwohl er alles erreicht hat, was sich ein Musikerherz wünschen kann, war er nie ein Freund dicker Schlagzeilen.

Dass sein Name in letzter Zeit wiederholt mit dem Verkauf landeseigener Kulturgüter durch die Portigon AG in den Medien auftaucht, trübt die Freude über den runden Geburtstag. Die „Lady Inchiquin“, eine Stradivari aus dem Jahre 1711, gab seiner Karriere in den letzten 13 Jahren einen zusätzlichen Schub. Mittlerweile hat er das als Leihgabe zur Verfügung gestellte Instrument zurückgegeben. Ob dauerhaft oder nur vorübergehend, darüber wird verhandelt. Zimmermann wird seinen Geburtstag in New York ohne sein geliebtes Instrument verbringen – und sich derzeit zu den laufenden Verhandlungen nicht äußern.

Wie feiert ein Stargeiger seinen 50. Geburtstag?

Frank Peter Zimmermann: Ich hatte die Wahl zwischen Auftritten in Berlin, dem Bayerischen Rundfunk und New York. Ich habe mich für New York entschieden, um dem hiesigen Trubel zu entgehen. Ich werde dort mit den New Yorker Philharmonikern das Violinkonzert von Jean Sibelius aufführen, das ich in der letzten Zeit nach 18-jähriger Abstinenz häufig gespielt habe.

Unter anderem auch in Duisburg und Köln. Im März reisen Sie damit nach Taipeh, Seoul und Tokyo. Ihr Umgang mit dem Repertoire hat sich wesentlich geändert.

Zimmermann: Ich konzentriere mich pro Saison auf höchstens vier große Konzert-Werke und gebe nie mehr als 80 Konzerte. Früher ging es wesentlich turbulenter zu. Schostakowitschs 2. Konzert, das ich seit dem Schostakowitsch-Festival in Duisburg vor 30 Jahren nicht mehr gespielt habe, wird im Zentrum der kommenden Saison stehen. Im September spiele ich es auch in Duisburg.

Wie wirkt sich der 50. Geburtstag sonst noch auf Ihr Leben und Wirken aus?

Zimmermann: Es deutet schon einen neuen Lebensabschnitt an. Ich spüre den Jetlag stärker. Man wird kritischer und hat das Gefühl, immer mehr üben zu müssen. Es wird einem weniger geschenkt als einem 30-Jährigen.

Auch wenn Sie die Begeisterung des Publikums in einer großen Konzerthalle genießen: Ihre größte Liebe gilt der Kammermusik.

Stradivari Zimmermann: Die Arbeit mit meinem Streichtrio beschert mir immer wieder besondere Glückserlebnisse. Der größte Traum wäre natürlich das Quartettspiel. Aber da braucht man Jahre, um sich richtig aufeinander einspielen zu können. Das schaffe ich in diesem Leben nicht mehr. Außerdem gibt es so viele erstklassige Quartette, denen ich nicht unnötig Konkurrenz machen möchte.

Duo-Abende mit Klavier werden auch immer seltener.

Zimmermann: Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass Klavier und Violine nicht zueinander passen. Reizen würde mich allenfalls eine Einspielung der Violinsonaten von Beethoven. Aber einen passenden Partner zu finden, ist schwer. Entweder haben sie die gleichen Vorbehalte wie ich oder sind zeitlich zu sehr eingeschränkt für diese Mammutaufgabe. Und an meiner Vision, das alles genau so perfekt machen zu wollen wie mit meinem Streichtrio, halte ich eisern fest. Vielleicht warte ich, bis Artur soweit ist.

Artur ist ihr 12-jähriger Sohn, der als Jungstudent an der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule studiert.

Zimmermann: Zum Glück Klavier und nicht, wie alle meine musizierenden Verwandten, Geige. Mein älterer Sohn Serge hat sein Studium mittlerweile abgeschlossen, ist ja als Geiger auch in Duisburg schon mehrmals aufgetreten und wird in diesem Jahr beim Marlboro Festival bei Boston debütieren.

Es gibt noch ein Leben außerhalb des Konzertsaals. Beherbergt Ihr Weinkeller immer noch 2000 Flaschen edlen Bordeaux‘ und Burgunders?

Zimmermann: Ich ersteigere, so oft ich kann, interessante Weine. Mein Motto: Gutes Essen und Trinken sind nicht von der Musik zu trennen.