Duisburg - Pechmarie an Rhein und Ruhr
30.07.2010 | 11:42 Uhr 2010-07-30T11:42:00+0200
Essen.Immer noch beschäftigt viele Menschen die Tragödie der Loveparade. Es finden Trauermärsche statt und am Wochenende ein Gedenkgottesdienst in der Salvatorkirche. Wahrscheinlich schaut die ganze Welt auf Duisburg.
Die Stadt an Rhein und Ruhr wird gern als graue Maus hingestellt, die sich mit der Loveparade bunt aufhübschen wollte. Denn leider ist es immer noch in den Köpfen derer, die Duisburg nicht kennen. Über die Grenzen der Rhein/Ruhrgebietes hinaus wurde Duisburg in den 80er-Jahren bekannt. Horst Schimanski alias Götz George sorgte dafür, dass die gesamte Nation erfuhr, wie hässlich die Stadt ist. Die schlimmsten Ecken wurden gezeigt, industriekulissengrau und heruntergekommen.
„Wie kann man nur dort leben?“ fragten damals die, die in den vermeintlich schöneren Teilen Deutschlands lebten. 1987 erhielt dann der Stadtteil Rheinhausen eine große Medienpräsenz. Die geplante Schließung des Stahlwerks Krupp stieß auf heftigen Widerstand bei den Arbeitern. Die Kruppianer nahmen den Kampf um ihre Arbeitsplätze auf, die durch monatelangen Mahnwachen begleitet wurden. Rheinhausen wurde zum Synonym für „Stahlkrise“. Die Rheinbrücke zwischen Hochfeld und Rheinhausen wurde zuerst von den Arbeitnehmern und später offiziell in „Brücke der Solidarität“ umbenannt. Und wieder sah man Bilder vom Stahlwerk und frustierten Arbeitern.
„Bruckhausen ist der dreckigste Ort in NRW“ wurde jüngst in den Medien geschrieben.
Die Mafia-Morde, Bandidos-Krieg und Deutschlands größte Moschee in Marxloh sorgten immer wieder dafür, dass Duisburg unattraktiv wirkte.
Aufstehen, Mund abwischen, weitermachen
Trotz aller Krisen und Widerstände ist die Stadt immer wieder aufgestanden, hat sich den Mund abgewischt und weitergemacht.
Aus dem ehemaligen Krupp-Gelände in Rheihausen ist ein erfolgreicher Logport entstanden, und auch das stillgelegte Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich wurde als Landschaftspark Nord zum Zeichen des Strukturwandels.
Der vom britischen Architekten Lord Norman Foster gestaltete Innenhafen ist ein Musterbeispiel dafür, wie Arbeiten, Wohnen, Kultur und Freizeit verbindet.
Jetzt steht Duisburg wieder da, wo es nie hinwollte. In Lumpen, vernarbt und verdreckt und mit mehr als nur einer blutiger Nase. Mitverantwortlich für diese hässliche Bild muss sich der eigenen Stadtvater, Oberbürgermeister Adolf Sauerland, zeigen.
Und auch unsere Nutzer fragen sich, wie es weitergehen soll: Werden es bald 24 sein? fragt sich PW 2010. Duisburg in Sippenhaft? wird im Forum diskutiert. Ist Duisburg wirklich die Stadt am Ende der Loveparade?
„Die Sonne geht auch noch über Duisburg auf“ Community-Nutzer ditku zeigt ein wenig Hoffnung
Und auch Fritz Pleitgen, der Chef der Kulturhauptstadt 2010 meint „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
Denn, so hässlich ist Duisburg gar nicht.
Das alles hat Duisburg nicht verdient und wir wünschen ihr, dass sie eines Tages beweisen kann, dass sie mehr als nur eine Pechmarie ist.
04:53
Zitat: Die Mafia-Morde, Bandidos-Krieg und Deutschlands größte Moschee in Marxloh sorgten immer wieder dafür, dass Duisburg unattraktiv wirkte. Die Moschee? Gehts noch? Für die Menschen in Marxloh scheint das ja nicht zu gelten, hat eher geholfen so einige Häuser in der Nähe zu verkaufen. Die Moschee, die eine Stadt unattraktiv wirken ließ, da meinen sie wohl Köln? Oder hat etwa die Brautmodenschau mit Made in Marxloh-Aufklebern beim sogenannten Stillleben Duisburg auch unattraktiv wirken lassen?
14:49
@ 7 Patricia Vohwinkel :
sehr schön geschrieben !
14:28
Gastronomie im Citypalais????
da macht doch immer mehr zu ...
14:09
Auf Ditkus Foto geht die Sonne unter, nicht auf. Passt auch besser.
13:37
# 2 #
Ich habe daraus gelesen das sie in der Innenstadt leben. Denken sie mal darüber nach, wer hat dies alles Bezahlt. Die den großten batzen gegeben haben leben alle nicht in der Innenstadt. Vieles wurde auf Schulden gebaut.
Uns hat man aber viel weggenommen ohne für Ersatz zu sorgen.
13:37
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13:25
Loveparade
Ich schäme mich,
wenn ich allein in meinem Zimmer
Tränen vergieße über der Tageszeitung.
Niemanden hab ich verloren,
noch war ich dort, als es geschah.
Ich schäme mich,
wenn im Fernsehen stammelnde Figuren
mit den Fingern aufeinander zeigen.
Drei Finger weisen immer auf sie selbst zurück.
Ich schäme mich,
wenn wir mit Freunden am Tisch sitzen,
den immer gleichen Satz wie zwanghaft wiederholen:
„Mein Gott, der Tunnel! Das hab ich nicht gewusst!“
Jeder kennt das entsetzliche Echo.
Ich schäme mich der Trauer,
die mir nicht zuzustehen scheint.
Ich schäme mich der Wut,
die Unterlassung war und jetzt zu spät kommt.
Doch deiner, Duisburg,
grüne Stadt, graue Stadt,
triste Stadt, bunte Stadt,
harte Stadt, gute Stadt –
Stadt meiner Heimat,
die lange Trauer tragen wird,
deiner, Duisburg, schäme ich mich nicht.
(Patricia Vohwinkel)
13:20
# 4#
Bin völlig ihrer Meinung. Duisburg hat uns mehr genommen als gegeben.
30Mil.€ für unseren Bezirk, aber 240 Mil.€ für die Innenstadt. Dies ist ein großer Unterschied. Darüber denken manche Duisburger nicht nach.
Meckern aber wenn wir nach Krefeld oder Moers fahren.
Die Duisburger sollen uns die Heimat wieder geben.
12:41
@ Beatrix Gutmann
Angesichts der Tragödie ist die Überschrift erst einmal ein Aufreger.
Aber vielen Dank, Frau Gutmann,
- auch wenn ich mich Ruhrorterin und nicht Duisburger nenne (ich bin in der Stadtmitte aufgewachsen! wohne aber bereits über 33 Jahre in Ruhrort),
- auch wenn sich am Samstag das Unfassbare ereignet hat - was ich, trotzdem, dass ich nicht direkt persönlich betroffen war ebenfalls erst einmal verarbeiten muss
- ich war bisher immer stolz auf meine Heimatstadt,
stolz auf die letzten Ereignisse, wie die Local Heroes Woche, die Duisburger Akzente, das Hafenfest und vieles mehr, weil hier etwas für das Image der Stadt getan wurde, zum großen Teil auch von den jetzt in der Verantwortung stehenden Personen.
Es fällt mir schwer die richtigen Worte zu finden. Mein Beileid und tiefes Mitgefühl habe ich in verschiedenen Kondolenzbücher bereits ausgedrückt.
Ich kann nur sagen, die Bürger unserer Stadt sollten sich für sich stark machen, zusammenhalten und daran arbeiten, das die Tragödie NIE, NIE, NIE vergessen, aber bewältigt wird.
Und ich hoffe, dass ich eines Tages sagen kann:
Ich bin doch wieder stolz Duisburger zu sein.
12:30
@2
Dein Kommentar liest sich wie ein Marketingplan…
Leider hast Du vergessen die übrigen Bezirke mit ein zu beziehen…
Der Stadtbezirk in dem ich lebe... und das seit Jahren… und trotz alledem gerne..
• Stadtbezirk 600:
Rheinhausen (78.564)
• 601 Rheinhausen-Mitte (8.681)
• 602 Hochemmerich (17.808)
• 603 Bergheim (21.505)
• 604 Friemersheim (12.845)
• 605 Rumeln-Kaldenhausen (17.725)
wird leider immer wieder gerne vergessen…
Auch von den Stadtoberen…
Dabei haben wir hier sehenswerte und liebenswerte Ecken…
Erwähnen möchte ich unseren Töppersee. Hier im besonderen die Tegge. Sehr idyllisch und ein Sportmagnet für Surfer.
Leider ist uns unser schönes Wellenbad genommen worden. Zu renovierungsbedürftig… Dafür haben wir jetzt ein neues schönes Hallenbad. Von innen eine Perle…
Das allgemein genutzte Hallenbad an der Schwarzenberger Str. soll abgerissen werden. Zu renovierungsbedürftig…
Dann haben wir noch einen großen Sportverein. Auf der Gartenstraße in Rheinhausen-Mitte gelegen. Das haben die lieben Stadtoberen auch „vergessen“… Zu renovierungsbedürftig…
Große Leuchtturmprojekte, wie Du sie beschrieben hast, für die Innenstadt… besser für die Kaufkraft… Unser Leuchtturmprojekt (Gesundheitszentrum)… kein Geld aus dem Konjunkturpaket II… Das wäre eine große Investition in die Zukunft gewesen… (demagogischer Wandel)
Die Fußgängerzone in Hochemmerich… Kaum noch Fachgeschäfte… zu wenig Kaufkraft…
Für unser Marktforum wurde der größte Wochenmarkt im Ruhrgebiet um die Hälfte reduziert… zu wenig Kaufkraft???…
Seit Krupp seine Tore in Rheinhausen geschlossen hat haben wir nun mal kaum noch Arbeitsplätze.
Nichts desdo trotz wohne ich gerne hier.