Drei zauberhafte Tage in der Oper

Düsseldorf..  „Endlich wieder schönes romantisches Ballett mit schwebenden Ballerinen!“ Oder: „Da geht einem das Herz auf!“ Begeisterung und Lobeshymnen hörte man häufig am Wochenende im Opernhaus. Genauso wie johlenden Applaus nach der knapp dreistündigen Vorstellung von „Manon“, die wie im Flug verging. Das Moskauer Stanislawski-Ballett verzauberte drei Tage lang die Ballettfans im nahezu ausverkauften Musentempel mit einer märchenhaften Choreographie, die der Brite Kenneth MacMillan bereits vor 40 Jahren schuf. Und die in der russischen Tanz-Metropole erst im Juli 2014 Premiere feierte.

Gottlob funktioniert der Kulturaustausch in Sachen Tanz mit Moskau (2007 erstmals organisiert durch Ex-Ballettchef Youri Vámos und Ex-Intendant Tobias Richter) auch weiterhin. Und das trotz politischer Spannungen, im Rahmen der Ukraine-Krise, zwischen Deutschland und Russland. Der stürmische Applaus am Ende bewies jedenfalls, dass es im Publikum weder Voreingenommenheiten gibt noch eine Eiszeit droht. Im Gegenteil: Die Primaballerinen, Gruppentänzer und Tanzakrobaten beherrschen nicht nur die hohe russische Ballett-Schule und entsprechen als ausdruckstarke Darsteller längst westlichem Standard. Sie wirken außerdem auf unserer Bühne wie die besten Botschafter ihres Landes. Ein deutsches Orchester (Duisburger Philharmoniker) unter dem Russen Anton Grishanin, schwelgerische Musik des Franzosen Massenet, russische Tänzer und eine englische Choreografie. Europäischer geht’s nimmer. Im Juni fungiert dann, im Gegenzug, das Ballett von Martin Schläpfer in Moskau als Botschafter, mit Schläpfers Choreografie zu Mahlers Siebter Symphonie.

Die Bühne ist dekoriert mit aparten Stoffen in bronzierten Pastelltönen. Darin entwickelt sich die Liebes-Tragödie zwischen dem ‚leichten Mädchen’ Manon, das den trügerischen Reizen von Reichtum und Luxus erliegt, und dem Adligen Des Grieux. In Samt, Seide und Brokat gleiten sie in schwerelosen Pas-de-deux über die Bretter. Und bezaubern. Natalia Somova als Manon und Ivan Mikhalev als Des Grieux bestechen durch Virtuosentum – Doppel- und Dreifach-Sprünge, Pirouetten und raffinierte Hebefiguren – durch elegischen Stil, den sie aber dem emotionalen Spiel unterordnen. Dass sie bei aller Tragik auch zur pointierten Komödie fähig sind, beweist Georgi Smilevski als Lescaut. Als betrunkener Salonlöwe wankt und schwankt er, fällt hin, bewahrt dabei aber die Contenance eines Danseur Noble.

Ansteckend wirkt immer wieder die Leichtigkeit und selbstverständliche Eleganz der Moskauer Solisten, die durch ihre Ballettmagie sicherlich eine neue Fangemeinde gewonnen haben. „Hoffentlich kommen die bald wieder!“ wünschten sich viele Zuschauer beim Verlassen des Opernhauses. Einige eilten zum Bühnenausgang, um noch ein Autogramm zu ergattern.