Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Musical

Dortmund feiert Premiere von „Funny Girl“

22.10.2012 | 16:58 Uhr
Dortmund feiert Premiere von „Funny Girl“
„Funny Girl“ im Opernhaus Dortmund.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Eine sensationelle Hauptdarstellerin adelt die aktuelle Neuinszenierung des Musicals „Funny Girl“ an Dortmunds Opernhaus. Das Energiebündel Katharine Mehrling ist in der Titelrolle ein Ereignis. Aber nicht alles um sie herum ist Gold, was an diesem Abend glänzen möchte.

Der letzte gesamtdeutsche Spielplanauftritt von „Funny Girl“ liegt acht Jahre zurück. Daran ließe sich vielleicht ablesen, warum das Musical nicht zu den Großen seiner Zunft zählt. Abgeschreckt hat das Dortmunds Opernintendanten nicht.

Jens-Daniel Herzog nimmt das Stück übers hässliche Entlein, das der ruppige Schwan des Broadway wird, ins Programm. Und landet einen Erfolg! Das Premierenpublikum, es schien regelrecht aus dem Opern-Häuschen.

Musikalisch gibt es manche plumpe Revuenummer

Das kann man nachvollziehen oder auch nicht. Es lauert in diesem Stück reichlich musikalisches Mittelmaß. Ein Großteil der Komposition bedient sich plumper Revue-Effekte. Manches biedert sich äußerst unraffiniert an, am schlimmsten der schunkelnde Nachbarschaftschor, der gut in Heinz Schenks „Blauen Bock“ passen könnte. Die Sendung wurde allerdings vor 25 Jahren eingestellt.

Fragt man sich, wer oder was an diesem Dortmunder Abend bedingungslos elektrisiert, ist die Antwort sechssilbig: Katherine Mehrling. Wie dieses kleine Kraftpaket als Fanny den Riesenraum des Dortmunder Hauses im Griff hat, wie sie Gosse und Grande Dame immer mit doppeltem Boden ausstattet, das ist zum Süchtigwerden gut. Mehrling hat diese besondere Stimme, in der das Verletzliche wie die raue Röhre ohne Widerspruch nebeneinander zu Hause sind: ein Timbre, das die besten Interpretinnen einer Sally Bowles („Cabaret“), einer Annie Oakley („...get your gun“) auszeichnet.

Magersüchtige Dialoge

Man hätte dieser sensationellen Titelheldin eine Umgebung auf Augenhöhe gewünscht. So aber, sieht man Fanny: halb und halb. Mag Bernhard Bettermann ein Frackträger aus dem Bilderbuch sein: An diesem Abend bietet der Smarte (als Fannys glückloser Gatte) kaum mehr als Text auf zwei Beinen. Harald Thors Bühne ist ein Sparprogramm mit Fotoprospekt. Stefan Hubers Regie haucht den größtenteils magersüchtigen Dialogen deutlich zu wenig Leben ein.

Die Zuschauer jauchzen über engagierte (wenn auch nicht sonderlich synchrone) Tanzeinlagen. Dortmunds Philharmoniker (aufgestockt durch Gäste an Saxophon, Bass etc.) bereiten unter Jürgen Grimms Dirigat hemdsärmeliges Vergnügen.

Jule Stynes „Funny Girl“ erzählt vom Sein im Schein. Für solche Abgründe nimmt sich in Dortmund niemand Zeit. Ein Spaß also, an den man sich nicht lange erinnert

Termine: 26., 27., 31.10; 3., 4., 16., 24., 25.11. Tel. 0231-5027222

Lars von der Gönna



Kommentare
Aus dem Ressort
Venedig, Cannes, Lünen - Filmfestival wird 25
Film
Das Kinofest in Lünen feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Vom Mauerblümchen hat es sich längst zum viel beachteten Filmfestival entwickelt, auf dem sich sogar spätere Oscar-Gewinner ihre ersten Meriten verdienen. Der Etat liegt in diesem Jahr bei 380 000 Euro.
Casino-Betreiber Westspiel hält an Warhol-Versteigerung fest
Warhol
Kunstverkauf zur Sanierung eines landeseigenen Unternehmens: Die Empörung in Kunst und Politik in NRW über die geplante Versteigerung von zwei Warhol-Bildern ist groß. Der Duisburger Casino-Betreiber Westspiel will seinen Plan trotzdem durchziehen.
Krimiautor Martin Walker beschreibt die Küche des Périgord
Kochbuch
Der Schriftsteller Martin Walker hat seinem Kommissar Bruno nun auch ein Kochbuch gewidmet. Die Küche des Périgord – einer historisch bedeutsamen Region im Südwesten Frankreichs – ist etwas für Genießer: Fernab von jedem Diätwahn geht es um Lebensart.
Neues Buch von Nobelpreisträger Modiano schon im November
Nobelpreisträger
Der französische Autor Patrick Modiano wurde am 9. Oktober von der Schwedischen Akademie als Literaturnobelpreisträger 2014 gekürt - jetzt bringt er seinen neuen Roman "Gräser der Nacht" schon am 10. November heraus. Zunächst war das neue Buch für das Frühjahr 2015 geplant.
"Klinghoffer"-Oper trotz Protesten in New York gestartet
Antisemitismus-Vorwurf
Die Premiere der Oper "Death of Klinghoffer" hat in New York für großen Protest gesorgt. Die reale Ermordung des jüdischen Rollstuhlfahrers aus dem Jahr 1985 auf die Bühne zu bringen, verherrliche den Terror - erklären die Demonstranten.
Umfrage
Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?