Die Zeit der Zertrümmerung ist vorbei
18.02.2010 | 21:12 Uhr 2010-02-18T21:12:00+0100
Duisburg/Düsseldorf. Alles redet fast nur noch über das neue Ballett der Rheinoper, kaum jemand über die Produktionen des Musiktheaters. Furore machen in der ersten Saison des neuen Intendanten Christoph Meyer die Kreationen von Martin Schläpfer. Die Ballettabende, die der Schweizer knapp „b.01“ und „b.02“ nennt, verbreiten Aufbruchsstimmung – durch eine innovative Verknüpfung von hoher Danse d’école mit eigenwilligem Tanzdrama.
In „b.03“ zeigen Sie auch den Balanchine-Klassiker „Serenade“ in Spitzenschuhen und Tutu. Warum?
Jede bedeutende Kompanie braucht Aufgaben, muss alles tanzen können und ist stolz, diese Hommage an die Schönheit klassischen Tanzes im Repertoire zu haben. Kunst braucht Erhöhung und Noblesse und keinen realistischen Alltag. Deshalb lehne ich persönliche Empfindungen und therapeutischen Tanz auf der Bühne ab.
Was reizte Sie an der Reformationssymphonie?
Mein Vater war Atheist, meine Mutter erzog mich und meine Brüder aber streng protestantisch. Jeden Sonntag die gleiche Frage: Wer geht mit zum Gottesdienst? Als Jüngster musste ich meist die Mutter begleiten. Die Symphonie mit dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ hat mich interessiert, weil ich verstehen wollte, warum Mendelssohn dem Judentum abschwor und Protestant wurde.
Werden Sie in Zukunft auch solche Klassiker wie „Schwanensee“ herausbringen?
Ja. Das braucht aber Zeit. Ich mache sie nicht nur, weil ich sie verkaufen will. Was ich produziere, ist auf die Tänzer zugeschnitten, manchmal auf extreme Talente. Denn der Tanz braucht Stars. Die Zeit der Zertrümmerung ist vorbei.
0mitdiskutieren