Die Verleihung des Theodor-Wolff-Preis jährt sich zum 50. Mal
12.09.2012 | 14:45 Uhr 2012-09-12T14:45:00+0200
Berlin. In Berlin verleiht der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger zum 50. Mal die Theodor-Wolff-Preise für ausgezeichnete journalistische Leistungen auf den Feldern Reportage, Kommentar und Serie. Der Namenspatron leitete 26 Jahre lang das Berliner Tagblatt und war ein freiheitlich demokratischer Geist.
Heute Abend wird Bundespräsident Joachim Gauck die Festrede anlässlich einer Ehrung in Berlin halten, die sich zum 50. Mal jährt: Der Theodor-Wolff-Preis wird verliehen, eine Auszeichnung für Journalisten. Ein Journalistenpreis? In Ordnung. Aber was geht der die Öffentlichkeit an?
Zum Beispiel dies: Der Journalismus, so scheint es, hat nicht mehr jene besondere Position, die er zu der Väter und Großväter Zeiten hatte. Er ist dabei, seine „Gatekeeper“-Funktion zu verlieren. Dieses fachlich korrekte, leider neudeutsche Sprachsprengsel besagt, dass Journalisten wie „Filter“ wirken, die aus der Unmenge von Ereignissen und Informationen diejenigen zur Weitergabe an Leser, Hörer und Zuschauer auswählten, die ihnen wichtig, interessant, nützlich oder unterhaltsam erscheinen. Diese Funktion schwindet dahin.
Sie schwindet dahin, seit es das Internet gibt. Dieses an sich weiße, unbeschriebene Blatt, das aber inzwischen gefüllt und gefüllt wird mit Informationen, Nachrichten und Texten jedweder Art. Ein Blatt, das gefüllt werden kann von jedem, der will. Und: Fast jeder will. Entsprechend ist die Flut von Texten und Bildern, die sich aus dem weltweiten Netz ergibt.
Wahrheit oder Werbung?
Das ist okay. Bloß: Wer sortiert, wer bewertet die Informationen? Wer prüft den Wahrheitsgehalt? Ist man sicher, dass der Text, den man gerade liest, nicht eine schleichende Werbung für ein Unternehmen, eine Partei oder sonstige Organisation ist? – Man sieht: Professioneller, seriöser Journalismus tut Not. Und den im Interesse der Leser, im Interesse einer demokratisch verfassten Gesellschaft auch aufrecht zu erhalten, ist das Anliegen dieser traditionsreichen Ehrung.
Der Theodor-Wolff-Preis, den der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verleiht, ist benannt nach dem jüdischen Journalisten und Schriftsteller Theodor Wolff, der, 1868 in Berlin geboren, sich den Ruf eines Leitbildes des journalistischen und publizistischen Liberalismus erwarb. Wolff, im Kaiserreich bei Kanzler von Bülow und Entourage unbeliebt, weil Gegner deutscher Großmachtbestrebungen. Wolff, bei Kommunisten und Nationalsozialisten verfemt, wegen seiner freiheitlich-demokratischen Überzeugung. 26 Jahre lang blieb er als Chefredakteur beim Berliner Tageblatt, machte es zu einem Hort liberaler Gesinnung. Große Namen schrieben für ihn, Kurt Tucholsky und Alfred Kerr seien als Beispiele genannt. Im Mai 1943 fiel der Journalist in Italien in die Hände der Gestapo, er starb im gleichen Jahr in einem Krankenhaus in Berlin.
In diesem, seinem freiheitlich-demokratischen Geist wird der Theodor-Wolff-Preis alljährlich verliehen. Die Bedeutung der Auszeichnung mag man auch daran messen, dass der Bundespräsident heute der Festredner ist. Joachim Gauck wird über Presse und Pressefreiheit sprechen.
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