Die tödliche Wiederkehr einer vedrängten Liebe

Oberhausen..  Durch den bekannten Versprecher-Sketch von Loriot bekommt das Pendeln zwischen Thrushcross Grange und Wuthering Heights etwas unfreiwillig Komisches. Aber die Bühnenfassung von Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“, die Lily Sykes am Theater Oberhausen eingerichtet hat, konzentriert sich ganz auf die seelenverwandten Patchwork-Geschwister Cathy und Heathcliff, auf die Tragik einer unterdrückten, verdrängten Liebe, deren unverhoffte Wiederkehr tödliche Folgen hat.

Die junge britische Regisseurin erzählt das Geschehen genau wie der Roman im Rückblick, spart aber ein Gutteil der späten Kapitel aus und lichtet das Verwandtschafts- und Beziehungsgestrüpp. Die zurückhaltend, aber effizient möblierte Bühne von Christian Mrosek ist geprägt vom himmelhohen Wolkenwirbel im Hintergrund, davor entwickeln historische Kostüme (Ines Koehler) zusammen mit dem ausgeprägten Licht- und Schattenspiel sowie der gespenstischen Live-Musik von David Schwarz schauerromantische Züge, die eingeblendeten Zeitansagen („Eine Woche später“) haben etwas Stummfilmhaftes.

Die tragische Geschichte von Cathy, Heathcliff und ihrem (Stief-)Vater Hindley ergibt allemal ein abgründiges Seelendrama, das vor allem von Angela Falkenhan als Cathy getragen wird – Peter Waros gibt den Heathcliff exakt so gefühlsversteinert, wie er als früh vernachlässigter, tief enttäuschter und aus Rache reich gewordener Aufsteiger sein muss. Den beeindruckendsten Moment des Drei-Stunden-Abends hat Henry Meyer als Hindley, der beim Verlust seiner Frau so flehentlich „Frances!“ brüllt, dass für einen Moment der ganze Saal vor lauter existenzieller Einsamkeit vibriert. – Langer Premierenbeifall.