Die Stimme der Vernunft
08.10.2008 | 17:51 Uhr 2008-10-08T17:51:00+0200
Dieser Mann kennt keine Stilgrenzen: Rock'n'Roll, Pop, Liebesschnulzen, Klassik – der Tausendsasa aus Flandern fühlt sich in jedem Genre heimisch. Jetzt hat der Belgier den Swing für sich entdeckt: „Time To Swing” heißt dann auch Lottis aktuelles Album, mit dem der Star demnächst wieder tourt.
Herr Lotti, Sie singen jetzt Songs aus der Swing-Ära – von „Mack The Knife” bis zu Bert Kämpferts „Danke schön”. Warum begeistern uns diese Lieder immer wieder, obwohl wir sie schon tausendmal gehört haben?
Lotti: Weil es Klassiker sind. Swing ist zeitlos und immer passend, genau wie die Songs der 60er-Jahre-Crooner, die ich auf meinem letzten Album („The Crooners”, die Red.) gesungen habe.
Wie wird ein Song denn ein Klassiker?
Lotti: (lacht) Würde ich das wissen, hätte ich schon längst ungefähr 100 Klassiker geschrieben! Das wird wohl ein Geheimnis bleiben. Ich weiß nur, dass ein Klassiker – egal ob ein Song, ein Kleidungsstück oder ein Film – zwar seine Entstehungszeit repräsentiert, aber trotzdem zu jeder Zeit frisch erscheint. Es ist eine große Kunst, so etwas zu erschaffen. Manche Klassiker wie zum Beispiel „Reet Petite”, das ich auf meiner Platte singe, haben auch ein Markenzeichen: (singt mit rollendem „r”) „Rrrrreeeeet Peteeeeete” – so eine lustige Stelle kann einen Song unsterblich machen.
Sie singen auf der neuen Platte in fünf Sprachen – und das fast akzentfrei. Wie viele Sprachen beherrschen Sie?
Lotti: Ich würde sagen, ich spreche nur Niederländisch perfekt.
Sie sind sehr bescheiden. Sie sprechen gerade tadelloses Deutsch.
27.11. Münster (Halle M'land)
17.12. Dortmund (Westfalenhalle)
26.12. Wuppertal (Stadthalle)
13.1.09 Oberhausen (KöPi-Arena)
18.1.09 Düsseldorf (Philipshalle)
12.3.09 Siegen (Siegerlandhalle).
Karten (ca. 35-74 €) gibt's in unseren TICKET-SHOPs, unter 01805/280123 oder www.DerWesten.de/tickets
Lotti: Naja, finden Sie? Okay, dann spreche ich auch noch einigermaßen Englisch und Französisch, Italienisch und Spanisch. Verständigen kann ich mich auch in einigen anderen Sprachen.
In welcher Sprache liegt Ihrer Meinung nach denn die meiste Musik?
Lotti: Auf jeden Fall im Italienischen. Schon gesprochen klingt die Sprache wie Gesang, dadurch bekommt sie etwas Frivoles. Ich habe soeben den neuen Mafia-Film „Gomorrha” im Kino gesehen, da fiel mir das wieder auf: Selbst die Männer sprechen so blumig und emotional, dass es fast schon schwul wirkt (lacht). Italienisch ist einfach die ausdrucksstärkste Sprache.
Sie haben nie Sprachen studiert und sind auch in der Musik ein Autodidakt: Sie können keine Noten lesen...
Lotti: Stimmt. Das beschämt mich auch sehr. Ich bin eher jemand, der zuhört und beobachtet, sich alles merkt und es dann ausprobiert. Aber jetzt ist es zu spät, noch Noten zu lernen. Oder sagen wir so: Ich bin viel zu faul.
Wirklich? Kokettieren Sie nur oder haben Sie einen zu hohen Anspruch an sich selbst?
Lotti: Es hat etwas mit Perfektionismus zu tun. Ich kann lieber etwas gar nicht als nicht perfekt. Einmal sollte ich bei einer Band-Probe zu einem Lied Gitarre spielen. Ich war unsicher, weil ich nicht so gut spiele, aber habe mir ein Herz gefasst und legte los. Als das Stück vorbei war, herrschte totale Stille im Saal, die Orchestermusiker guckten auf den Boden. Nach einer schrecklich langen Minute fragte der Soundmixer durchs Mikro „Okay, wer sagt's ihm?”. Seitdem habe ich nie mehr eine Gitarre angerührt! (lacht)
Sie sagten einmal, wenn Sie kein Musiker wären, wären Sie gern ein Profi-Radfahrer geworden. Träumen Sie manchmal davon, alles hinzuschmeißen und sich aufs Rad zu schwingen?
Lotti: Oh ja, oft! Besonders, wenn mir all die Arbeit zu viel wird, die außerhalb der Musik zu erledigen ist. Aber ich würde höchstens für drei Monate aufs Rad steigen, danach würde ich wieder auf die Bühne wollen. Und auf dem Fahrrad würde ich bestimmt die ganze Zeit singen. Ganz ohne hielte ich es keine drei Tage aus.
Haben Sie ansonsten auch gern Musik um sich herum?
Lotti: Bei uns zu Hause läuft immer Musik. Meine Freundin hört gern Radio, ich lege meist etwas Ruhiges auf – Chet Baker oder klassische Musik. Ichsinge auch den ganzen Tag irgendetwas, das merke ich aber schon gar nicht mehr.
Was machen Sie eigentlich nach einem Konzert, um zu entspannen?
Lotti: Ich muss mich gar nicht erholen, ich bin gern auf der Bühne. Die ersten zwei Stunden nach einem Konzert bin ich noch sehr aufgedreht, aber dann werde ich schlagartig müde und gehe ins Hotel. (lacht) Ich bin ein langweiliger Star, was? Keine Diva.
Können Sie denn Diva-Allüren nachempfinden?
Lotti: Nein. Ich habe nie verstanden, wie sich Menschen so verändern können, nur weil sich die Lebensumstände verändern. Das ist traurig.
Aber das ist ja eine Entwicklung, die man durchaus häufig beobachten kann.
Lotti: Ich bin da jedenfalls anders. Ich kann mir nicht vorstellen, je den Boden unter den Füßen zu verlieren.
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