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CD-Kritik

„Unorthodox Jukebox“ - Die schönen Lügen des Bruno Mars

14.12.2012 | 06:15 Uhr
„Unorthodox Jukebox“ - Die schönen Lügen des Bruno Mars
Ein unverschämter Charmebolzen: Bruno Mars (M.) erobert die Herzen der Frauen.

Essen.  Woher nimmt der Sänger nur das Selbstvertrauen für die Balzgesänge auf seinem neuen Album „Unorthodox Jukebox“? Er wirft sich mit seinen Texten an die weibliche Hörerschaft, die nur allzu empfänglich auf die rückhaltlosen Schmeicheleien reagiert.

Bruno Mars ist nach Barack Obama wohl der prominenteste lebende Hawaiianer, hat aber ungleich mehr Tonträger verkauft. Er ist ein Phänomen, nicht nur musikalisch: Er ist weder sonderlich groß, muskulös oder maskulin – noch sieht er sonstwie herausragend aus. Aber er hat, neben einer leicht überdurchschnittlichen Begabung, auf der Klaviatur von R’n’B und Soul herumzuhüpfen, ein gewaltiges Talent: Er meistert die meisten Arten, einer Frau zu sagen, wie schön, sexy und begehrenswert sie ist. Präziser: jeder Frau. Dem verdankt er seinen Durchbruch mit „Just The Way You Are“.

Geradewegs ins Paradies

Das setzt er auf dem neuen Album „Unorthodox Jukebox“ mit der Single-Auskopplung „Locked Out Of Heaven“ fort, indem er in höchsten Tönen besingt, dass der Sex mit der jeweiligen Angebeteten ihn geradezu ins Paradies befördert. Er findet -zig Wege zu sagen, dass die Dame des Herzens am Morgen danach sogar noch besser aussieht als in der Nacht zuvor. Solch unverhohlene Anbalzerei mögen manche Frauen schleimig finden. Aber die scheinen angesichts der millionenfachen Verkäufe eher in der Minderheit zu sein.

Was frau gern verzeiht

Einen kleinen Schmeichler wie Mars hätte man früher einen Filou genannt. Aber er ist einer, dem frau sogar verzeiht, wenn er wie in „Gorilla“ in Aussicht stellt, sich auf Primatenart mit der Herzdame zu paaren bis sie ruft „Gib’s mir, Motherfucker“. Wahrscheinlich trifft auch das auf offene Ohren.

Wie Michael Jackson in den späten 70ern

Seine Stärken entfaltet die Musik, wenn Mars sich von Plattitüden entfernt und im textlich harmlosen „Treasure“ einen funkig-fröhlichen Hopser macht, der an Michael Jackson Ende der 70er-Jahre erinnert. Oder wenn er einer Liebe hinterherschmachtet wie in der Pianoballade „When I Was Your Man“. Oder im dann wieder anzüglichen Reggae-Song „Show Me“: Musik, die sich in Mädchenherzen schleicht, auch wenn sie nur eine schöne Lüge ist.

  • Bruno Mars: Unorthodox Jukebox (Atlantic/Warner)

Georg Howahl

Kommentare
13.12.2012
11:35
„Unorthodox Jukebox“ - Die schönen Lügen des Bruno Mars
von MKVertreter | #1

Ich denke nicht, dass Bruno Mars in erster Linie wegen seiner Texte Erfolg hat. Es ist die eingängige Musik, die gefällt, weil sie sofort ins Ohr geht...
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2012-12-14 06:15
Kultur