Die Schätze vom Silbersee
09.09.2008 | 08:57 Uhr 2008-09-09T08:57:00+0200Moers. Eine stillgelegte Dujardin-Fabrik am Niederrhein als Kunstplantage: Skulpturen von Irmin Kamp und mehr.
Himmelblaue Palmen schwingen sich vor der himmelhohen weißen Wand empor, in Reih und Glied und ohne Wipfel. Hinten, im Hof dieser stillgelegten Dujardinfabrik, warten schwarz gelackte "Pilze", bei denen man sich bei Regen getrost unterstellen kann, so sehr sind sie unter der künstlerischen Kultivierung von Irmin Kamp gesprossen. Und ein paar Schritte weiter unten schaukeln ihre "Zwiebeltürme" auf dem Silbersee.
So heißt das Gewässer, das dem "Seewerk" mit seinen Kreativen-Werkstätten von Fotostudio bis Künstleratelier zu seinem Namen verhalf, mitten in den niederreinischen Weiten an der südlichen Stadtgrenze von Moers, ein paar Meter weiter ist man schon in Krefeld.
Hier ist in den letzten Jahren mit dem Seewerk ein Biotop für Kunst entstanden, im wahrsten Wortsinne: Außenskulpturen verschmelzen mit der Landschaft und den alten Fabrikgebäuden, hier wird Kunst gelebt, hier ist sie Umwelt und um die Welt intensiver, spürbarer zu machen. Rechts der Einfahrt grüßen vier grellgrün lackierte "Bäume", links schlängeln sich kauzige Gewächshäuser im Zwergenformat über die Wiese. Dahinter 16 türkisfarbene Wellen in abstrakt, und am See wartet ein weiterer Palmenstamm, silberglänzend und aus einer Spiegelscherbeninsel wachsend.
Zwiebeltürme und Kunstvandalen
Er ist die stille Sensation dieser Werkschau von Irmin Kamp. Denn die Künstlerin, die in wenigen Wochen in den Ruhestand geht, ist eigens für diese Ausstellung doch noch mal schöpferisch tätig geworden. Eigentlich hatte Kamp, die 1974 mit gerade mal 33 als Professorin für Bildhauerei an die Düsseldorfer Kunstakademie berufen wurde (deren Direktorin sie von 1982 bis '87 war), zumindest mit der Skulptur weitgehend abgeschlossen: Ihre "Zwiebeltürme", die 1973 vor dem Duisburger Lehmbruck-Museum standen, sind genauso von Kunstvandalen beschädigt worden wie die Palmen in der Düsseldorfer Altstadt oder andere ihrer Werke irgendwo zwischen Op- und Pop und Minimalismus im dortigen Hofgarten. Irmin Kamps Werke, vorwiegend aus Polyester gearbeitet, wurden angesichts ihrer Verletzlichkeit auf dem Kunstmarkt unverkäuflich, die Professorin verlegte sich auf Foto-Arbeiten mit Doppelbelichtungen.
Nun aber sorgten Frank Merks und Angelika Petri, die Macher des Moerser "Seewerks" hingebungsvoll für die Restaurierung der alten Plastiken von Irmin Kamp, und der blickfangreiche Augenschein gibt ihnen recht - es hat sich gelohnt.
Erst recht lohnt sich ein Wochenend-Ausflug zum Seewerk, weil auch andere hier ausstellen: Die letzte Akademie-Klasse von Jörg Immendorff zeigt Malerei, Felix und Irmel Droese habe eine ganze Halle mit archaisierenden Skulpturen und Grafiken ausgestattet, der Kamp-Schüler Frank Göllmann schließlich hat eine Raum-Installation mit Video-Beamern und Wasserklängen eingerichtet. (NRZ)
Bis 30. November. Seewerk Moers, Silberseeweg 1a, Samstags sonntags 11-17 Uhr.
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