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Die rheinische Antwort auf den „Schwanensee“

03.02.2013 | 17:48 Uhr
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Die rheinische Antwort auf den „Schwanensee“
Ballett am Rhein „b_14“: Tanz auf Johannes Brahms’ „Symphonie Nr.2“. Choreografie: Martin Schläpfer.Foto: Gert Weigelt

Duisburg.   Lange Ovationen für Martin Schläpfers 14. Ballettabend auf den Wogen des Wörthersees – im Theater Duisburg. Brahms’ Zweite Symphonie D-Dur, getanzt. Den Auftakt machen drei Miniaturen aus den 30er- und 70er-Jahren, kreiert von Antony Tudor und Frederik Ashton.

Nun haben ihn die Romantik und Brahms vollends eingeholt: Martin Schläpfer nutzt seinen vierteiligen 14. Ballettabend an der Rheinoper („b.14“), um abzutauchen in wogenden Wellen des Wörthersees – dort, wo 1877 Johannes Brahms seine Zweite Symphonie komponierte. Klar, dass darauf neben Enten und anderen Wasservögeln auch Schwäne ihre Bahnen ziehen. Nicht in gesteiftem Tutu, sondern in hautengen schwarz-weiß gezackten Trikots suchen liebliche Ungeheuer nach Liebe und Geborgenheit. Eine märchenhafte Erlösung jedoch verweigert Schläpfer in seiner Deutung von Brahms’ D-Dur Symphonie; dafür beschert er, neben aufwühlenden Emotionen, ein nüchternes Ende: Die Schwäne rudern seelenruhig davon. Und wurden, wie auch ihr Schöpfer, nach der Uraufführung im Theater Duisburg mit Ovationen gefeiert.

Mal bäumt sich Schläpfer gegen den romantischen Melodien-Fluss auf, entwirft kantige Tanz-Tableaus. Dann wieder schwimmen seine Athleten mit dem Strom, trippeln, drehen Köpfe, lehnen an der Schulter der Partner, flattern mit den Armen. Damit formuliert er eine eigenwillige Antwort auf den klassischen „Schwanensee“, zertrümmert ihn aber nicht. Vielmehr benutzt er Zitate, zeigt schwerelos gleitende Tiere, die plötzlich in sich zusammenfallen. Eben noch in ätherischer Ballerinen-Höhe, rudern sie jetzt tief unten in erdigem Grund.

Foto: Gert Weigelt

Die Schläpfer typische Mischung aus Überspitzung und archaischen Bewegungen machen den Reiz dieser Kreation aus, mit dem sich auch Freunde des Handlungsballetts anfreunden dürften. Zumal Opern-GMD Axel Kober und die Duisburger Philharmoniker in 40 Minuten Brahms als silbrig glänzenden Romantik-Sog zelebrieren und damit Tänzer und Zuschauer mitnehmen.

Ein Blick ins lebendige Tanzmuseum

Während in den Ecksätzen Paare und Gruppen in rasantem Tempo mit zahlreichen Pas-de-deux in einen romantischen Dschungel entführen, besticht der Star der Kompanie, Márlucia do Amaral, in einem Solo. Im Allegro Grazioso erforscht sie ihren Körper, baut sich in großer Spitzen-Pose auf, setzt an zum Befreiungssprung, sinkt aber jäh zusammen. Erst am Ende findet sie zu Brahms zurück, zieht einsam in gleitenden Trippelschritten ihre Bahnen. In diesen Momenten hebt das D-Dur-Opus ab und macht das Genius Schläpfers und seiner Solistin sichtbar.

Brahms-Walzer in der Art von Isadora Duncan. Choreografie: Frederick Ashton Foto: Gert Weigelt

Auf das Erlebnis eingestimmt wird man zu Beginn von drei Miniaturen aus den 30er und 70er Jahren. Kreiert wurden sie von Antony Tudor und Frederik Ashton,  die den jungen Schläpfer einst auf seinem Weg ins 21. Jahrhundert prägten. Neben einem kurzen neoklassischen Pas-de-deux, zelebriert die Tänzerin Camille Andriot (zu Fünf Brahms-Walzern) ein Ausdruckstanz-Solo im Stil von Isadora Duncan. Barfuss ringt der Rotschopf Andriot in wallendem Gewand, mit wehenden Tüchern und fliegenden Rosenblättern mit sich und ihren Gefühlen. Ein Blick ins lebendige Tanzmuseum. Ebenso: Tudors „Fliedergarten“ von 1936. Hier wird eine Frau am Vorabend ihrer Hochzeit zerrieben von den Gefühlen zu zwei Männern. Erstaunlich, wie Tänzer in einer 10-Minuten-Sequenz eine Liebes-Tragödie vorführen, für die Filmemacher mindest anderthalb Stunden benötigen.

Termine: 5. u. 16. Feb., 30. März, 9. u. 15. Mai, 2. u. 8. Juni. 0203/ 9407777, www.operamrhein.de

Michael-Georg Müller

Kommentare
05.02.2013
07:42
Die rheinische Antwort auf den „Schwanensee“
von klazi | #1

Es ist schon schade, dass der Rezensent den Auftritt der excellenten Geigerin Natasha Korsakova mit dem Poème Es-Dur op. 25 von Ernest Chausson unerwähnt gelassen hat. Aber vielleicht hebt sich dies Herr Michael-Georg Müller für einen gesonderten Bericht auf, denn die Aufführung erfährt einige Wiederholungen und über Natasha Korsakova zu schreiben ist immer lohnenswert.

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