Die Protzerei von Rapper Kay One ist noch Untertreibung

Rapper Kay One posiert in Lederjacke im Düssledorfer Hyatt Hotel.
Rapper Kay One posiert in Lederjacke im Düssledorfer Hyatt Hotel.
Foto: Kai Kitschenberg / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Rapper Kay One hat das exzessive Luxusleben genossen. Nach dem Ausflug in die DSDS-Jury will er mit harten Raps auf seinem neuen Album überzeugen.

Düsseldorf.. Kay One kennt man. Weil er in der DSDS-Jury neben Dieter Bohlen saß. Weil er Streit mit Bushido hat. Weil er eine Zeit lang mit Sängerin Mandy Capristo liiert war. Und vielleicht auch weil er mal seine Zukünftige bei RTL II casten wollte. Auch wenn sein letztes Album auf Platz eins chartete, ist es weniger die Musik des Rappers, der er seinen Bekanntheitsgrad zu verdanken hat.

Doch für den 30-Jährigen, der im bürgerlichen Leben Kenneth Glöckler heißt, hat es sich buchstäblich ausgezahlt: Er fährt jetzt Porsche, trägt Gucci und macht Urlaub in St. Tropez. Standesgemäß lädt er zum Pressegespräch über seine vierte Soloplatte ins noble Hyatt Hotel am Düsseldorfer Medienhafen ein. Zwar nicht die Präsidentensuite, aber immerhin schaut er aus dem chicen Meetingraum durch die riesige Fensterwand direkt auf den Rhein.

Info Kay One trägt eine ausgefallene Lederjacke, seine weißen Turnschuhe sehen aus wie frisch aus dem Karton. Er wartet an einem kleinen, schwarzen Tisch mitten im Zimmer. Sein PR-Betreuer stellt uns vor. Zur Begrüßung steht er auf. Sein Blick ist scharf, der Händedruck fest. Ein kurzes Lächeln. „Möchtest du was trinken?“, fragt er. Dann setzt er sich wieder und gießt zuerst mir, danach sich selbst ein Glas Wasser ein.

Kein C-Promi, der ins Dschungelcamp muss

Der PR-Mann geht wieder, und Glöckler lehnt sich entspannt zurück. Er spricht offen über seinen Reichtum, Erfolg und sein Luxusleben. Er sei eben kein C-Promi, der ins Dschungelcamp gehen muss, wie es ihm Medien angedichtet hätten. Der Rapper gibt sich selbstbewusst und ernsthaft: „Ich bin alt genug, um es besser zu wissen und jung genug, um drauf zu scheißen“, sagt er. „Jung genug um drauf zu scheißen“ ist der Titel seines neuen Albums.

Polizei Auf Bushido, Deutschrap, Kritiker und Sponsorenverträge. Auf alles. „Ich bin ein Typ, der viel Ärger macht. Einer, der sich nichts sagen lässt und seine eigenen Regeln aufstellt“, macht er klar. Also pöbelt Kay One auf der Platte gegen Journalisten und andere Rapper. Am häufigsten gegen Erzfeind Bushido. Gleich zwei Sponsoren hätten sich wegen des Albums von ihm abgewandt. „Es ging da um viel Kohle, aber ich stehe zu meiner Musik.“

Drogen und Oberflächlichkeiten

Er habe wieder Lust gehabt, zu fluchen und zu seinen Rap-Wurzeln zurückzukehren. Rappen kann der gebürtige Baden-Württemberger. Schon als 17-Jähriger machte er sich mit komplexen Reimen einen Namen bei Freestyle-Turnieren. Verwurzelt war er lange Zeit bei seinem ehemaligen Mentor Bushido. Bis es 2012 zum Zerwürfnis kam, das ein Jahr später darin gipfelte, dass Kay One bei Stern TV über Bushidos Mafiakontakte plauderte – kurz bevor ihn Dieter Bohlen in die DSDS-Jury berief. In dieser Zeit stand Glöckler sogar unter Polizeischutz.

DSDS Er habe keine Angst, nehme auf dem neuen Album kein Blatt mehr vor den Mund. In mehreren Songs glorifizert Kay One Gewalt, Drogenkonsum und Oberflächlichkeiten. „Das ist Entertainment. Aber kein gelogenes Entertainment. Ich habe das alles gelebt. Wenn ich übertreibe“, erzählt er, holt Luft und beugt sich nach vorne, „dann untertreibe ich in Wirklichkeit.“

Kay One spielt mit Widersprüchen. Sie bringen kontroverse Diskussionen um seine Person, sichern ihm Medienpräsenz. Der Rapper kehrt die Dinge gerne nach außen. Er spricht auf seinem Album übers Geldverprassen und schreibt auf seiner Facebook-Seite, welcher Hilfsorganisation er wie viel Geld gespendet hat. In Liedern rechnet er mit Journalisten ab, lässt aber keine Gelegenheit aus, den Klatschblättern Rede und Antwort zu stehen, wenn es um seine Ex-Freundin Mandy Capristo geht.

Die Regeln des Geschäfts

Auf den anderen, weichen Album-Songs spricht er über die Liebe zu seiner Familie, seinen Glauben und seine Bodenständigkeit. „Ich bin reifer geworden. Ich weiß jetzt, dass es egal ist, wie teuer deine Uhr oder dein Auto ist. Das ist nichts, worauf du stolz sein kannst. Das ist alles vergängliches Zeug. Aber deine Familie bleibt immer", erklärt er. Das Album sei in diesem Reifeprozess entstanden.

Er habe trotzdem noch Spaß daran, über Partys und das Luxusleben zu rappen. „Das gehört auch irgendwie dazu“, sagt Glöckler. Außerdem wolle er auch seine Klientel bedienen. „Ich kann ja nicht nur über Tiefsinniges rappen, wenn die Fans Party machen wollen.“

Die Regeln des Geschäfts kann also auch Kay One nicht neu schreiben.