Die Perle der Wüste ist in Gefahr

Kairo..  Palmyra gehört zu den bekanntesten Attraktionen Syriens. Bis heute lässt sein atemberaubendes Säulenpanorama den einstigen Glanz der Oasenmetropole und den sagenhaften Reichtum seiner antiken Bewohner erahnen. „Die Stadt ist ein Wunder“, schrieb bereits im 13. Jahrhundert der syrische Geograph Yakut, als er in Palmyra eintraf. „Manche behaupten gar, sie sei von den Dämonen des Salomo errichtet worden“.

Besiedelt wurde der Ort, den orientalische Dichter stets als „Perle der Wüste“ priesen, seit der Bronzezeit. Erstmals in Texten erwähnt wird Palmyra im 2. Jahrtausend vor Christus als Zwischenstopp für Karawanen auf der orientalischen Seidenstraße vom Mittelmeer zum Golf und nach Jemen. Der große Aufschwung begann mit dem Ende des Seleukidenreiches in Mesopotamien 130 v. Chr., als sich die Parther ins Zweistromland ausdehnten und die Römer Syrien besetzten. Plötzlich fand sich Palmyra zwischen den beiden neuen antiken Weltmächten – und wurde zur Brücke zwischen dem römisch-griechischen und persischen Kulturraum. Die Siedlung entwickelte sich zur blühenden Handelsmetropole. Ihr goldenes Zeitalter begann in den letzten Jahrzehnten vor Christi Geburt unter Kaiser Augustus und endete abrupt 273 n. Chr., als ein römisches Heer die Stadt plünderte und für immer zerstörte.

300 Jahre oder zehn Generationen dauerte die historische Glückssträhne Palmyras. In der letzten Schlacht gelang es der legendären Königin Zenobia, die in Syrien ähnlichen Kultstatus genießt wie Kleopatra in Ägypten, zunächst, durch die feindlichen Linien zu fliehen. Später wurde sie am Euphrat festgenommen und im Triumphzug durch Rom geführt.

Als erster Europäer entdeckte 1691 der Engländer William Halifax das versunkene Juwel. 1980 wurde Palmyra, das auch ein kleines Museum besitzt, zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Mit dem Baal-Tempel und den Festtoren, seinem 1952 freigelegten römischen Amphitheater und seinen ausgedehnten Kolonnaden-Straßen sowie reich verzierten unterirdischen Nekropolen gehört das Ensemble zu den imposantesten antiken Zeugnissen des Nahen Ostens.

In den Jahren 2012 und 2013 wurden nach Angaben der syrischen Antikenverwaltung aus den Gräbern bereits zwei Dutzend antike Büsten von Verstorbenen geplündert, die auf dem internationalen Schwarzmarkt sehr gefragt sind.

Nachdem der Islamische Staat nun das berühmte Gelände mit den 1000 Säulen in seine Gewalt gebracht hat, droht Palmyra das gleiche Schicksal wie den assyrischen Königsstädten Nimrud, Hatra und Niniveh in der Umgebung von Mosul, die die Dschihadisten dem Erdboden gleich machten.

Noch einmal appellierte Unesco-Chefin Irina Bokova an die Angreifer, Palmyra zu schonen. „Die Stadt ist ein unwiederbringlicher Schatz – für das syrische Volk und für die gesamte Welt“. Doch die Zerstörung des antiken Kleinods ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Und dann werden von ihm nur Fotos bleiben.