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Die Offenbarung nach Florian David Fitz

18.12.2012 | 19:41 Uhr
Mit "Jesus liebt mich" liefert Florian David Fitz sein Regie-Debüt ab.Foto: Majestic-Filmverleih/dpa

Essen.   Der Shooting-Star des deutschen Films, bekannt aus dem Deutschen-Filmpreis-Sieger „Vincent will Meer“, im Gespräch sich, seine Selbstzweifel, die Christmette und über seinen neuen Film „Jesus liebt mich“, der jetzt in unseren Kinos anläuft.

Und wenn am Wochenende die Welt untergeht, dann möchte uns Florian David Fitz vorher noch einmal mit Charme und Humor das Herz wärmen. Mit „Jesus liebt mich“, der Kinoverfilmung des gleichnamigen Romans von David Safier, versucht sich der Shooting-Star des deutschen Films („Vincent will Meer“) dabei erstmals in der Dreifaltigkeit als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor. Mit Martina Schürmann unterhielt sich der 38-Jährige über Kino, Kirche und Komödie.

Herr Fitz, im Kino gehen Sie ab morgen über Wasser. Welche Qualifikationen braucht man noch, um den Messias zu spielen?

Florian David Fitz: Im Theater heißt es ja immer: Wer den König spielt, der muss sich darauf verlassen, dass die anderen das machen. Ich kann in meiner Jesus-Figur ja nur den Menschen suchen und seinen Konflikt: einerseits Sehnsucht nach menschlicher Nähe zu haben. Andererseits eine Ikone zu sein, die kein privates Leben mehr hat. Das kann sich jeder vorstellen, das kann ich spielen. Ich kann Jesus ja nicht als Lachnummer geben.

Fitz-Fans bei der Welturaufführung von „JESUS LIEBT MICH“ in der Essener Lichtburg.Foto: TIETZ, Remo

Der Konflikt muss Ihnen bekannt vorkommen. Sie gelten als jemand, dem sein Privatleben heilig ist. Andererseits werden sie von kreischenden Groupies als Sexsymbol verehrt. Ist Diskretion in dieser vertwitterten und youtubigen Welt nicht sehr anstrengend?

Fitz: Welches Image die Öffentlichkeit mir gibt, das entzieht sich ja weitgehend meiner Kontrolle. Ich habe eigentlich das Gefühl, mein Privatleben eignet sich gar nicht für Schlagzeilen. Das hat aber auch was mit meinem Sicherheitsbedürfnis zu tun. Es heißt ja: Wenn Du mit dem Aufzug hochfährst, fährst du auch wieder herunter. Deshalb möchte ich erst gar nicht hochfahren. Wenn ich erst mal Teil dieses Zirkus bin, habe ich vielleicht auch einen Auftritt, wenn es mir gar nicht lieb ist.

Momentan gehört Ihnen jedenfalls die ganze Manege. Bei „Jesus liebt mich“ haben Sie das Drehbuch geschrieben, die Hauptrolle übernommen und Regie geführt. Was hat Sie getrieben?

Fitz: Ich habe die Entscheidung erst mal gründlich überdacht, vorsichtig, wie ich halt so bin. Regie zu führen, das heißt ja nicht: acht Wochen die Arschbacken zusammenkneifen und dann ist die Sache gegessen. Aber der Produzent Nico Hofmann hat mich einfach überzeugt und gesagt: ,Jetzt mach dir doch nicht diese großen, weltbewegenden Gedanken, ob das der Film ist, den die Welt als erstes von dir sehen will. Frag dich, ob du Lust hast!’ Und ich hatte Lust.

War ja klar, dass sich Marie (Jessica Schwarz, vorn) wieder in den Falschen verliebt: Jeshua (Florian David Fitz). Szene aus dem Film „Jesus liebt mich“.Foto: Warner Bros.

Was hat Sie am Stoff gereizt?

Fitz: Dass ich mich über die Geschichte mit ein paar Fragen beschäftigen konnte, die ich mir lange nicht gestellt habe. Vor allem nicht in komödiantischer Form.

Zum Beispiel?

Fitz: Na, warum gibt’s sowas wie Religion? Was bedeutet es, menschlich zu sein? Warum braucht es diese höhere Instanz, an die man sich wenden kann? Und die einen dann doch nicht von der eigenen Verantwortung entbindet.

Gibt es für Sie diese Instanz?

Fitz: Ich glaube, sie ist ja nur ein Bild dafür, dass wir mit uns selber ins Gericht gehen müssen. Ich bin halt einer von diesen vielen Zweiflern.

Bei Ihnen dürfte das Jüngste Gericht aber gnädig ausfallen. Sie wirken unglaublich positiv, geradezu erleuchtet.

Fitz: Ich habe das Glück, dass ich grundsätzlich positiv gestrickt bin. Aber ich habe wie viele andere das Problem, dass ich mir über zu viele Sachen einen Kopf mache. Gerade in dieser Situation, in der ich mich momentan befinde. Ich taste mich voran und das in einer exponierten Lage. Das ist neu, auch eine Form von Erwachsenwerden. Aber im Grunde bin ich schon jemand, der lieber tiefstapelt, die Erwartungen gerne flach hält. Man möchte sich ja nicht das Herz brechen.

Apropos Herzbrechen: Sie waren lange höchst erfolgreich der Macho-Arzt in „Doctor’s Diary“, zuletzt der Mathematiker Gauß in Kehlmanns „Vermessung der Welt“. Haben Sie sich in dem Denker und Grübler auch wiedererkennen können?

Fitz: Durchaus. Ich hab als Kind schon viel Zeit mit meinen Büchern verbracht. Ich hatte eine Sehschwäche, mir wurde eine Zeit lang ein Brillenglas abgeklebt. Bei den Pfadfindern kam das nicht so gut an. Aber ich hab schnell gelernt, mich zu wehren.

Jessica Schwarz und Florian David Fitz bei der Weltpremiere von „Jesus liebt mich“ in Essen.Foto: Remo Bodo Tietz

Stimmt. Jesus hat im Film einen ordentlichen Punch. Können Sie denn gut mit Kritik umgehen?

Fitz: Ich denke schon. Das heißt ja nicht, dass es mir nichts ausmacht. „Jesus liebt mich“ habe ich vorab Til Schweiger gezeigt. Der hat ein paar Sachen dazu gesagt, mit denen ich mich durchaus beschäftigen konnte.

Wenn man als Regie-Youngster eine gestandene Kollegin wie Hannelore Elsner dazu bewegen muss, ihr nacktes Hinterteil in die Kamera zu halten, ist das auch nicht gerade einfach.

Fitz: Das denkt man. Letzten Endes ist jeder Mensch eine Herausforderung. Und die Arbeit mit Hannelore Elsner und Henry Hübchen war eigentlich ganz easy. Mich hat das richtig fasziniert, mit welcher Neugier und Offenheit die beiden an ihre Rollen gegangen sind. Irgendwann habe ich gemerkt: Das sind Suchende genau wie ich.

Drehbücher schreiben, Regie führen – ist das auch eine Flucht vor schlechten Angeboten? Oder ist Ihnen einfach schnell langweilig?

Premiere in der Lichtburg

Fitz: Sehr schnell. An der Bushaltestelle fange ich sofort an, was zu spielen, was nachzuschlagen. Warten habe ich immer schon gehasst. Die Beschäftigung mit Jesus stößt einen aber mit der Nase drauf, dass man auch die andere Seite, das Innehalten braucht. Aber auf das Schreiben hatte ich eigentlich schon immer Lust. Für „Vincent will Meer“ habe ich mich extra bei der Drehbuchwerkstatt München beworben.

Sie haben auch eine Weile gemalt und Theater gespielt. Können Sie sich eine Rückkehr zu Bühne und Staffelei vorstellen?

Fitz: Das Theater wartet ja nicht auf einen. Und die Bilder hängen heute bei meinen Eltern. Nein, ich bin in einer Phase, in der ich mehr meinem Leben hinterher eile anstatt mir noch mehr Projekte aufzuladen. Wenn ich mich noch weiter zuplane, dann komme ich ja nie mehr dazu, etwas Neues zu schreiben.

Und wenn nun am 21. Dezember die Welt untergeht?

Fitz: Dann hoffe ich, dass ich meinen Flieger bekommen und das Ende der Welt nicht am Flughafen, sondern zuhause in München erleben kann.

Und Weihnachten geht’s mit der Familie in die Kirche?

Fitz: Ich bin tatsächlich immer gern in die Christmette gegangen, aber meist erst ins letzte Drittel, weil unser Pfarrer das so ausdehnt, um richtig auszukosten, dass die Kirche proppenvoll ist. Ich mag auch den letzten Moment um halb zwei, wenn die Lichter ausgehen und alle singen: „Stille Nacht“. Aber inzwischen wollen wir den Abend nicht mehr so auseinanderreißen und gehen mit den Kindern in den Familiengottesdienst.



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