„Die Odyssee“ als Ballett am Aalto-Theater Essen

Tomáš Ottych (Odysseus) und Elisa Fraschetti (Penelope) in "Die Odyssee" (Uraufführung) von Patrick Delcroix.
Tomáš Ottych (Odysseus) und Elisa Fraschetti (Penelope) in "Die Odyssee" (Uraufführung) von Patrick Delcroix.
Foto: Bettina Stöß
Was wir bereits wissen
Es ist eine der ganz großen Geschichten der Menschheit. Nun ist Homers „Odyssee“ als Ballett am Aalto-Theater Essen uraufgeführt worden.

Essen.. Er lässt Penelope und ihren gemeinsamen Sohn Telemachos zurück und irrt über die Meere. An allen Gestaden trifft Odysseus auf Frauen, die ihn betören oder beschützen. Athene, die Zauberin Kirke, die Nymphe Kalypso. Und kehrt am Ende doch zurück zu Frau, Heim und Herd.

Auf die Stationen der Versuchung eines Abenteurers reduziert Patrick Delcroix das große Epos von Homer und bringt es in knapp 80 Minuten auf die Bühne des Aalto-Theaters. Nach der Uraufführung dieses leisen, modernen Handlungsballetts wurden der französische Choreograf wie auch Solisten und Gruppentänzer des Aalto-Balletts herzlich gefeiert.

Zu einem Mix aus fließender U- und E-, manchmal auch Filmmusik zieht Odysseus (athletisch und doch emotional: Tomás Ottych) seine Bahnen. Mit seinen Gefährten de­monstriert er Modern Dance und brillante neoklassische Technik.

Ein Riesensegel schwebt über allem

Stimmungen und Farben wechseln auf dem Riesensegel, das über den Irrfahrern schwebt. Immer, wenn die Mannschaft an Bord geht, erscheint ein Schiffsdeck mit Fässern und Seilen. Während der ganzen Zeit sieht man auf der linken Seite ein Haus, in dem Penelope (zuerst mädchenhaft, dann als reife Frau: Elisa Fraschetti) auf ihren Geliebten wartet und eine Schar von drängenden Freiern abwehrt. So spiegelt der ästhetische, zweigeteilte Bühnenraum von Kees Tjebbes die parallelen Welten des liebenden Paares.

Theater In Penelopes Haus gibt es nur wenig Veränderung, es dominieren sanfte, bisweilen monotone Schrittfolgen. Meeresrauschen und Stürme begleiten die Männergruppe um Odysseus, der mit den verschiedenen Frauen gleitende Pas-de-deux tanzt, danach aber stets zu seinen Gefährten zurückkehrt. Die meist ruhige Musik bricht nur einmal richtig auf, sobald das Meerungeheuer Skylla auftaucht. Mit sechs Köpfen und zwölf Beinen: sechs Tänzerinnen in blau-grünen Röcken und mit roten Teufelshörnchen auf dem Kopf. Zu peitschendem Techno-Sound greifen sie die Männer an, versuchen sie zu umschlingen, ziehen aber doch den Kürzeren. Eine Szene, in der Essens Startänzer Ottych als Virtuose überzeugt. Im finalen Liebestanz mit Penelope de­monstrieren er und Fraschetti nicht nur anmutige, raffinierte Hebefiguren, sondern vermitteln ihr Liebesglück authentisch. Kein Wunder, sind die beiden doch seit einiger Zeit privat ebenfalls ein Paar.

23., 25., 29. April, 13., 17. Mai., 11., 27. Juni.

Kartentelefon: 0201/ 8122200 / www.theater-essen.de