Die neuen Sterne im Anhimmel-All

Oberhausen..  Hat sich im Boyband-Kosmos irgend etwas verändert? Als die erste Kreischwelle die König-Pilsener-Arena am Montagabend erfasst, ist eine Antwort überflüssig: Man hätte sie eh nicht verstanden.

„5 Seconds of Summer“, vier Australier zwischen 18 und 20 Jahren, schicken vor 10 000 meist weiblichen Fans „Tokio Hotel“ in Rente und pochen mit klirrenden Gitarren und reichlich Schlagzeugsoli auf die Nachfolge auf dem Thron der Jungspund-Lieblinge.

Die neuen Sterne im Anhimmel-All haben mit den auf Cocktailstühlen schmachtenden Schönling-Großvätern „Backstreet Boys“ (1993) und „’N Sync“ (1995) kaum noch etwas zu tun. Die Jungs muten rockiger und punkiger an und begannen ihre Karriere vor vier Jahren: als die Schulfreunde private Wohnzimmervideos mit Coversongs von Vorbildern wie „Blink 182“ ins Netz stellten, die millionenfach angeklickt wurden. Heute sind ihre Konzerte ausverkauft.

Die Fans hören ihre Songs „End Up Here“ oder „She Looks So Perfect“. Süßlicher Punk-Rock. Dazu gibt es Gutes von gestern, wie „American Idiot“ der Punk-Oldies von „Green Day“. Der Tourname „Rock Out With Your Socks Out“ ist Programm, wenn da nicht ein Mitarbeiter der Gruppe wäre. Einige Fans zeigen doppeldeutige Plakate, doch frivole Sprüche der Kategorie „Zieht euch aus, ich habe dafür bezahlt“ sind nicht gerne gesehen. Mehrfach nimmt der aufmerksame Mitarbeiter den Fans ihre Plakate weg und verstaut sie hinter der Absperrung. Betreuter Rock’n’Roll.

Die Band bekommt von alledem nichts mit: Luke Hemmings, Michael Clifford, Calum Hood und Ashton Irwin teilen die Halle, lassen die linke und rechte Hälfte mit „Ober“ und „Hausen“ einen Wechselgesang anstimmen, obwohl viele Fans in der Arena nicht mal aus Deutschland stammen. Ganze Busladungen rollten am Montag aus Frankreich und den Niederlanden an, sogar aus der Türkei flogen Fans ein.