Die Moni kocht

Der Mann, Herr möchten wir ihn lieber nicht nennen, betritt das Pressehaus, betrachtet die anwesende Sekretärin und die anwesende Journalistin und sagt: „Ist ja keiner da.“ Dann geht er wieder.

Das Telefon des Kollegen klingelt. Die Redakteurin nimmt ab, weil man bei der Zeitung die Telefone nicht klingeln lässt. Könnte wichtig sein. Wichtig fühlt sich auch der Anrufer. „Sind Sie die Sekretärin?“

Es gibt Leute, die behaupten, dass die Gleichberechtigung inzwischen kein Thema mehr wäre, siehe Bundeskanzlerin, und dass im Gegenteil jetzt mal wieder die Männer an der Reihe sein sollten.

Nur die Sekretärin

Diese Mitmenschen können nicht berufstätig sein. Denn eine kleine Umfrage im Kolleginnenkreis ergibt: Alle kennen die oben beschriebenen Situationen und erleben sie regelmäßig – egal ob sie Sachbearbeiterinnen oder Abteilungsleiterinnen sind.

Wenn eine Frau ans Telefon geht, kann das nur die Sekretärin sein.

Wenn ein Mann ein Büro betritt und kein Geschlechtsgenosse in Sicht kommt, ist eben „keiner da“.

Den Vogel schoss seinerzeit jener Volontär ab, der mit einem betonfesten Rollenmodell seine Ausbildung antrat. Aufgrund des kleinen Unterschieds sah er sich schon am ersten Tag in der Führungsposition: „Bist Du die Moni, die uns hier den Kaffee kocht?“, begrüßte er mich jovial. Moni kocht nach dieser Ansage. Aber bestimmt keinen Kaffee. „Nein“, musste die Antwort leider lauten. „Ich bin die Frau Dr. Willer, die Ihnen in den nächsten Wochen sagt, wo es lang geht.“

Unter Alpha-Tieren

Ältere Damen wie unsereins können solche Übergriffe mit Humor und spitzer Zunge parieren. Erklären können wir sie allerdings nicht. Privat wissen Männer doch längst, wozu ein Trockner gut ist und wie man den „Start“-Knopf an der Spülmaschine findet. Alles andere würde sie wohl auch sehr einsam machen. Die meisten Paare haben ihre Arbeitsteilung friedlich und einvernehmlich geregelt. Es muss also der Beruf sein, der das Alpha-Tier im Mannsbild weckt.

Diese Konditionierung ist so allumfassend, dass man als Frau sogar selbst darauf hereinfällt. Zum Beispiel im Gespräch mit einer kompetenten und klugen Bankmitarbeiterin. „Machen Sie in Ihrem Haus das Marketing?“, frage ich. „Nein“, kommt die Replik. „Ich bin die Vorstandsvorsitzende.“ Mann! Ist das peinlich!