Die Kunst als reines Konzept

Leverkusen..  Die Idee des Künstlers war super, der Aufwand riesig: Ein kleines Trinkglas soll Mineralwässer aus allen 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union enthalten. Da steht das Glas nun im Leverkusener Museum Morsbroich.

Das Glas des jungen libanesischen Künstlers Charbel-joseph H. Boutros ist Konzeptkunst. Das ist eine in den 60er-Jahren entstandene Kunstrichtung, die ein Kritiker einmal als „Nervenzusammenbruch der Moderne“ beschrieben hat. Denn bei der Konzeptkunst ist die Idee wichtiger als das Objekt. Manchmal gibt der Künstler nur Handlungsanweisungen, die andere ausführen müssen. In diesem Fall waren es Museumsmitarbeiter, die wochenlang quer durch Europa telefonierten, um in jedem Land ein Mineralwasser zu finden und nach Leverkusen liefern zu lassen.

Das Museum Morsbroich nähert sich der Konzeptkunst in der Schau „more Konzeption Conception now“ (bis 19.4.) auf humorige Weise. Das Museum erinnerte sich an das Jahr 1969, die Zeit der Studentenrevolten, als in Morsbroich eine der ersten Museumsausstellungen konzeptueller Kunst in Europa überhaupt gezeigt wurde. Nun zeigen 23 Künstler die Idee von Kunst heute. Zum Beispiel Bildbeschriftungen ohne Bilder. Oder eine Büste mit abgeschlagener Nase - der Vorschlaghammer hängt daneben an der Wand.

David Horvitz lädt dazu ein, einen Euro in ein Glas zu werfen. Er werde dafür eine Minute an den Spender denken. Den genauen Zeitpunkt werde er per Mail mitteilen. Adresse bitte beim Museumspersonal hinterlassen.