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Schlingensief

Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief

22.08.2010 | 16:39 Uhr
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief

Berlin. Der Tod von Christoph Schlingensief hat bei Politikern und Kulturfunktionären tiefe Trauer hinterlassen. Der Regisseur war am Samstag im Kreis seiner Familie an Lungenkrebs gestorben.

Der Tod des Theater-, Film- und Opernregisseurs Christoph Schlingensief hat bei Politikern und Kulturfunktionären tiefe Trauer hinterlassen. Mit Schlingensief verliere die Kulturszene einen ihrer vielseitigsten und innovativsten Künstler, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Berlinale-Chef Dieter Kosslick würdigte Schlingensief als großen Filmemacher. Tief betroffen vom Tod des 49-Jährigen zeigte sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Schlingensief war am Samstag in Berlin im Kreis seiner Familie an Lungenkrebs gestorben.

Neumann betonte, Schlingensief habe die deutschsprachige Film- und Theaterwelt stark beeinflusst. „Zu seinen Stilmitteln gehörte nicht selten die Provokation, mit der er ganz bewusst auch über den Kulturbereich hinaus Kontroversen auslösen und irritieren wollte.“ Seinem Schaffen und seiner Kreativität als Film-, Theater- und Opernregisseur habe der Respekt vieler Kritiker gegolten. „Sein im letzten Jahr erschienenes Tagebuch ist ein für mich besonders bewegendes Werk in seiner Auseinandersetzung mit seiner schweren Erkrankung“, sagte Neumann.

„Erlöst von schrecklichem Leiden“

Für den Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, Daniel Barenboim, und den Intendanten Jürgen Flimm ist für Schlingensief am Samstag ein „jahrelanger qualvoller Kampf“ zu Ende gegangen. „Unser Freund Christoph Schlingensief ist erlöst von schrecklichem Leiden“, teilten sie am Sonntag mit. „Wir können von ihm, von seinem tapferen Kampf so viel lernen: wieder, immer wieder zu beginnen; wenn möglich, wie er, nie aufzugeben, auch nicht im Angesicht eines schrecklichen Todes.“

Die Verantwortlichen der Bayreuther Festspiele nannten Schlingensief „einen der wichtigsten Protagonisten“ des deutschen Theaters. Seine „Parsifal“-Inszenierung, die von 2004 bis 2007 auf dem Spielplan der Wagner-Festspiele stand, habe „einen wesentlichen Akzent in der Aufführungsgeschichte des Werkes gesetzt, der weit über Bayreuth hinaus gewirkt hat“.

Ein politischer Künstler

Klaus Wowereit: Schlingensief verlässt die Bühne viel zu früh. (Foto: ddp)

Kosslick würdigte den Verstorbenen als großen Filmemacher und politischen Künstler. Schlingensief sei ein Mensch gewesen, der sich aus einer tiefen moralischen Überzeugung heraus über Ungerechtigkeiten aufgeregt habe. Bei Freunden und Bekannten werde von Schlingensief bleiben, dass er ein angenehmer und aufmerksamer Mensch gewesen sei. Anderen werde er in Erinnerung bleiben als sperriger Mensch, der sich gegen die Gesellschaft und den Lauf der Dinge gewehrt habe.

Wowereit sagte, ein großer Mann des deutschen Theaters verlasse die Bühne viel zu früh. Unter Schlingensief sei nicht nur die Berliner Volksbühne nach der Wende zu einem der führenden Theater des Landes geworden. „Mit seinem Namen verbindet sich auch der Ruf Berlins als deutsche Theaterhauptstadt“, sagte Wowereit.

RuhrTriennale war bereits abgesagt

Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geboren. Ab den 80er Jahren arbeitete er als Experimentalfilmer. An der Volksbühne in Berlin debütierte er 1993 unter der Leitung von Frank Castorf als Theaterregisseur. Später inszenierte er auch Opern. Überdies hatte er mit der Partei „Chance 2000“ für Aufsehen gesorgt.

Auf der am Freitag begonnenen Saison der Ruhrtriennale hatte Schlingensief ursprünglich das Stück „S.M.A.S.H“ inszenieren sollen. Aufgrund seiner Krebserkrankung hatte er das Projekt jedoch Anfang Juli abgesagt. Am 3. Oktober sollte unter seiner Regie die Uraufführung der Oper „Metanoia - Über das Denken hinaus“ die neue Spielzeit der Berliner Staatsoper Unter den Linden eröffnen. (ddp)

DerWesten



Kommentare
23.08.2010
03:08
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief
von Schalk im Nacken | #9

#7 @Karl Martell
nicht jeder verfügt über ausreichend Grips um das Niveau eines C.S. zu verstehen. Sie lachen vermutlich nur über Amerikanische Comedy, wo im Hintergrund vom Band ein lachendes Publikum vorgibt, wann es lustig wird. Ha, ha, ha.
Na gut, bei Helge ist das Publikum nicht vom Band, von daher, wissen Sie nicht wann es lustig wird Ha, ha, ha.

23.08.2010
00:37
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief
von McGyver | #8

@ 5
Schläft der Moderator schon? Haste Glück gehabt.
Ich mochte C.S., eben wegen seiner Provokationen. socursus Kommentar hätte ein müdes Lächeln in seinem Gesicht hinterlassen.
Ich hätte CS sogar erst zugetraut, sein Tod sei inszeniert. Soo gut war er!
Ruhe in Frieden möchte er bestimmt nicht hören, er, der Getriebene und Ruhelose.
Christof, Du wirst mir fehlen!

23.08.2010
00:24
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief
von Karl Martell | #7

Meiner Meinung hatte der Schlingensief echt einen an der Waffel und hat damit richtig schön seinen Lebensunterhalt bestritten, ich kann nur sagen, ein Bekloppter weniger auf der Welt. Auch sein Kumpel Helge ist doch genau so bescheuert wie er, obwohl ich seinen Hitler-Film genial fand. That`s life oder was life! Die einen mögen die Bekloppten die anderen eben nicht. Ich fand ihn halt bescheuert.

23.08.2010
00:05
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief
von zynankarlie | #6

Deutschland hat einen seiner wichtigsten Künstler verloren

22.08.2010
23:16
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief
von Manche leiden unter starker Psychose | #5

@socursu
dass Sie über den Tod Ihrer Frau nach 13 Jahren noch nicht drüber sind, zeigt Ihr menschenverachtender Kommentar. Sie spucken auf das Grab eines Toten, egal wer er für Sie war, Respekt hat jeder Mensch verdient. Ich glaube, Sie würden amok laufen, würde jemand so einen selten dämlichen Kommentar, wie Ihrer, über Ihre Frau ein Tag nach ihrem Tod verfasst hätte. Es ist dabei unerheblich, ob jemand in der Öffentlichkeit steht oder nicht.
Hätte die Menschheit keine Querdenker, wie Christoph Schlingensief, würde wir heute noch mit der Steinzeitkeule rumrennen, weil sich durch Stagnation eine Gesellschaft nicht verändert. Ich erwarte jetzt nicht, dass Sie @socursu, das verstehen. Nach Ihrem Kommentar kann ich so etwas von Ihnen nicht erwarten.
Wer provoziert denn hier???
Fassen Sie sich mal an Ihre eigene pietätslose Nase.

22.08.2010
22:34
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief
von Tenrix | #4

Hi Christoph Schlingensief.

Das Leben und die Kultur geht weiter. Mach´s gut, wir tun was für Dich weiter.

Alles Gute auf der Wolke und Pass gut auf!

http://jakobswege.wordpress.com/2010/08/19/non-return-to-zero-nrz/

Christoph Schlingensief. Danke das Du bei uns warst. In Ewigkeit Amen.
.

22.08.2010
21:56
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief
von Fehlerquote | #3

Was für überaus überflüssige Kommentare.

22.08.2010
20:29
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief
von socursu | #2

Entlarvender kann ein header kaum geraten: die Kulturszene trauert ... und wer sonst ?

Das Projekt Oper in Afrika in allen Ehren - das fand dann auch ein Bausparer wie ich gelungen - bleibt aber für mich ganz persönlich, dass ich dem Mann nun keine Lorbeerkränze flechten werde, wo ich ihn zu Lebzeiten nur - wie meine Oma sagte - schmörmelig fand.

Meine Frau no.1 hat noch 16 Jahre weniger geschafft aus gleichem Grund, von daher mein Mitgefühl, da ich weiss, wie diese Krankheit Kranken und Umfeld zerstört- nachts neben diesem Geräusch des Kampfes um Sauerstoff wachzuliegen ist ein Gefühl, dass auch 13 Jahre später immer wieder hochgespült wird.

Dennoch: als normal Kulturinteressierter Schlingensief vermissen? Definitiv nein: aus dieser Provokateur- e.a. Blut- Sperma- Kotze- Fraktion gibt es noch genug andere.

22.08.2010
18:54
Die Kulturszene trauert um Christoph Schlingensief
von Schorsch Klunie | #1

Schlingensief letzte Inszenierung: Der Marlboro-Man

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