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Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise

02.06.2009 | 08:41 Uhr
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise

Essen. Die Finanzkrise setzt die Macher von Ruhr.2010 weiter unter Druck. Ein kleiner Hoffnungsschimmer kommt aus Brüssel. Am Dienstag will die EU Finanzmittel für die europäische Kulturhauptstadt 2010 freigeben. Oliver Scheytt beklagt die teilweise fehlende Begeisterung in der Bevölkerung

Das Dachmarken-Logo der Kulturhauptstadt. (c) Berthold Stadler/ddp

Am Dienstag will die Europäische Union die Finanzmittel für die europäische Kulturhauptstadt 2010 in Essen und dem Ruhrgebiet freigeben. Mit 1,5 Millionen Euro will die EU das Kulturhauptstadt-Jahr in der Region fördern. "Wir rechnen fest mit dem Zuschuss", sagt Ruhr.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt. Immerhin ist das Geld schon fest im Etat von 65,5 Millionen Euro verbucht. Auf das Geld aus Brüssel sind die Organisatoren des Kulturhauptstadt-Jahres dringend angewiesen - klafft doch knapp ein halbes Jahr vor Beginn des Veranstaltungsreigens immer noch eine Finanzierungslücke von rund sieben Millionen Euro.

Die Eröffnungsparty in der Schalker Fußballarena wurde abgesagt. Und die Aktion "Schachtzeichen", bei der Ballons über ehemalige Bergbauschächte aufsteigen sollen, ist auf das private Engagement der Bürger angewiesen, die eine Partnerschaft in Höhe von 5000 Euro pro Ballon übernehmen sollen - ansonsten muss das Vorhaben abgesagt werden.

Sparen beim Marketing

Die Ruhr.2010-Organisatoren arbeiten - neben den täglichen Terminen zur Planung des Programms - mit Hochdruck weiter an der Akquise. Am 7. Juli soll ein weiterer Hauptsponsor präsentiert werden, der das Kulturhauptstadt-Jahr mit mindestens zwei Millionen Euro als Bar- oder Sachmittel unterstützt. Und die Essener Firma ISTA, die für das Ablesen von Heizungen verantwortlich ist, wurde als Sponsor gewonnen. Das bringt noch einmal mindestens 250 000 Euro.

"Die Finanzkrise macht sich bei uns schon bemerkbar", sagt Scheytt. Allerdings sei der Programmkern des Veranstaltungsjahres gesichert und nicht von der aktuellen Entwicklung betroffen. Nach Angaben von Scheytt soll bis zum Herbst Klarheit herrschen, welche der rund 150 Projekte stattfinden können - und ob eventuell Programmpunkte gestrichen werden müssten. Laut Scheytt könnte zudem gegebenenfalls bei dem Posten für Marketing in Höhe von rund zwölf Millionen Euro gespart werden.

Wo ist der "Ruck" in der Bevölkerung

Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH (c) Ruhr.2010

Unabhängig von der finanziellen Debatte verweist Scheytt jedoch darauf, dass es bei den Planungen für das Kulturhauptstadt-Jahr gelungen sei, alle 53 Städte und Gemeinden der Region hinter einem gemeinsamen Konzept zu vereinbaren. Durch die Landesmittel in Höhe von 10,5 Millionen Euro stünden zudem jeder Kommune zwei Euro pro Einwohner zur Realisierung der Projekte zur Verfügung. "Das hat die finanziellen Probleme vor Ort schon gelindert", sagt Scheytt.

Allerdings vermisst der Ruhr.2010-Geschäftsführer teilweise noch die rechte Begeisterung oder den "Ruck" bei Bevölkerung und Geschäftswelt. "Die Chance, die wir durch das Kulturhauptstadt-Jahr haben, ist noch nicht bei allen angekommen", meint er. Das europäische Kulturhauptstadt-Jahr sei "das größte Gemeinschaftsprojekt zwischen Politik, Kommunen, Regionalverband Ruhr, Wirtschaft und Bürgern", das jemals angegangen worden sei. Deshalb müsse jeder Bürger erkennen, dass er "Botschafter" für die Region ist.

Metropolencharakter der Region

Einer der Höhepunkte der Kulturhauptstadt: das Tetraeder in Bottrop. (c) imago

In der Programmplanung für das Kulturhauptstadt-Jahr sollen zudem noch stärker die Punkte "Mythos Ruhr", "Metropole gestalten" und "Europa bewegen" herausgearbeitet und thematische Verknüpfungen hergestellt werden. Exemplarisch soll der Metropolencharakter der Region zum Beispiel durch das Projekt "Twins" deutlich gemacht werden. Gemeinsam mit knapp 200 Partnerstädten des Ruhrgebiets sollen in den Städten und Gemeinden rund 100 Kulturprojekte mit zahlreichen Beteiligten aus den Partnerstädten angeschoben werden.

"Von diesem Projekt war die EU sehr beeindruckt", erklärt Scheytt. Geplant ist unter anderem ein Vorhaben, bei dem junge Menschen aus Europa zu "Ruhr-Scouts" ausgebildet werden. Auch eine Jugendbegegnung mit 200 bis 300 Teilnehmern aus mindestens sieben Städten Europas und Israels steht auf dem Programm. "Wir möchten, dass Bürger und Gruppen auf lokaler Ebene zusammenarbeiten" - dadurch könne die besondere Bedeutung der Region und der "Mythos Ruhr" auch für auswärtige Besucher lebendig gemacht werden. (ddp)

DerWesten

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Kommentare
02.06.2009
15:23
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von hampelwalter | #17

Der Beitrag von 16 ist einfach hervorragend! Warum merken die Redakteure der WAZ das nicht.? Hier scheint bei der WAZ der Berlusconi-Effekt zu existieren. Wie auch bei den Geschäftsführern der Initiativkreis Ruhr wird alles unter den Teppich gekehrt.

02.06.2009
15:00
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von RogerRabbit | #16



1 Vorsitzender der Geschäftsführung
+1 Geschäftsführer
+4 Künstlerische Direktoren
+diverse Assistenten der GF und der Künstlerischen Direktoren
+ Assistenten der Assistenten
+ diverse Volontäre, Praktikanten, etc.

Dieses... bürgernahe? Projekt verschlingt allein Unsummen für die ganzen Jobs und Pöstchen, die Scheytt & Co. da unters Volk gejubelt haben.

Da muss man sich nicht fragen WO die Kohle bleibt!

02.06.2009
11:35
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von derSAMMY | #15

Also das Auftaktfest fürs Volk wurde abgesagt, das VIP-Fest findet wie geplant statt.
Damit hat sich meine Begeisterung dann auch gegen 0 genähert.

Ich soll 5000Eur spenden für son Ballon????
Wer bitte hat die in der Ecke rumliegen?

ja ne, is klar.

schon lange nicht mehr son blöden bericht gelesen wie den.

der SAMMY

02.06.2009
10:02
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von Essener Kulturmist 2010 | #14

Wenn die sog. MACHER dieses Kulturfestivals sich erst einmal selbst die eigenen Hosentaschen voll machen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn plötzlich kein Geld mehr da ist. Wenn ich mir jedoch die heutige Stadt Essen einmal genauer ansehe, kriege ich ständig Bauchschmerzen, diese Stadt mit wirklicher KULTUR in Verbindung zu bringen ! Der ganze peinliche Sponsorenrummel und der
K(r)ampf um spektakuläre medienwirksame öffentliche Volks-Verblödungs-Veranstaltungen, lässt diesen Termin 2010 inzwischen zu einer Subkultur-Veranstaltung verkommen !!! Dieses wiederum passt m.E. viel besser zum wirklichen Bild dieser Ruhrmetropole 2009. Interessant ist hierbei, dass diese Stadt vor Jahren mit einem völlig anderen Image und einem anderen Stadtbild um diese Veranstaltung geworben hatte, als sie sich im kommenden Jahr der Welt präsentieren wird. Warum hat man z.B. nicht einfach alles so gelassen (z.B. Drogen- und Pissecken im Bahnhofsbereich etc.) wie es vor Jahren war, dann hätte man von Essener Kultur sprechen können. Was sich jedoch jetzt und im kommenden Jahr abspielt, kann nur als Sponsorenkacke 2010 bezeichnet werden und hat übehaupt nichts mehr mit KULTUR zu tun !!!!! Das Schlimmste jedoch ist dass die Macher für ihren produzierten Kulturmist auch noch viel Geld erhalten !!!

02.06.2009
08:23
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von Landes | #13

Was war mit den Aliens in Bottrop? Volkskunst?
Jetzt sollen die Bürger die Ideen von einer weltabgewanten Klüngelkaste fördern, verstehen und Finanzieren, aber nur das was die Leitung will, für eigene Ideen ist da kein Platz!

01.06.2009
22:20
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von vrenegor | #12

Essen und Kultur passt schon gut zusammen, nur hat die Bevölkerung allzu schnell begriffen, das sich erst allzu viele Macher bereichern mussten, bevor die Kultur in Angriff genommen wurde. Weder das Bewerben noch das Ausführen um die Hauptstadt -Essen-, die auf einmal zu einer -Region- wurde, geschah in Einklang mit der Bevölkerung. Bei uns bleiben nur wieder Kosten und Schulden hängen. Der/die Verursacher ziehen mit Abfindung und Fleißkärtchen weiter!

01.06.2009
21:23
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von DerUmDieEcke | #11

*************************************************************
Essen und Kultur - das beißt sich wohl ???? Oder ??
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01.06.2009
20:27
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von sprichdichaus | #10

Wer die Musik bestellt , der sollte auch genug Geld in der Tasche haben sie zu bezahlen.
Die Gäste stehen schon quasi vor den Toren und die Kulturhaupstadt kann den Tisch nicht decken.
Besser können sich die Verantwortlichen nicht Blamieren.

01.06.2009
20:00
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von Interceptor | #9

@ Leser26
Kulturhauptstadt zu sein ist erstmal eine Ehre.
Die paar kleinen Unannehmlichkeiten nimmst du nicht gerne in Kauf, damit deine Stadt/Region weltweit bekannt wird?
Wieviel wunderbarer kultureller und menschenübergreifender Schöngeist liegt denn in der Luft? Riechst du das denn nicht?
Nicht zu vergessen, das viele Geld, das die Besucher mitbringen und ausgeben.
Das Geld alleine beschert uns doch den ultimativen Durchhaltefaktor.
Das ist wie Super Plus.
Du musst unbedingt daran glauben, dass es toll wird.
Sonst wird es nichts.
Das möchtest du doch nicht, oder?

01.06.2009
19:15
Die Kulturhauptstadt spürt die Finanzkrise
von Leser26 | #8

Was für ein Gelaber der Initiatoren. Mich interessiert dieses ganze Kulturgehabe nicht. Die Reichen haben die Zeit und die Lust sich das ganze anzusehen, ich und viele andere kleine Bürger, müssen den Spass der Hohen wieder mal finanzieren, damit andere sich darstellen und hervortun können. Der kleine Mann muss wahrscheinlich noch Eintritt zahlen, die Reichen werden natürlich wieder mal eingeladen. Und was bitte habe ich von der Kulturhauptstadt? Mehr Feinstaub, weniger Parkplätze, Sperren und ein paar Bekloppte mehr im Ruhrgebiet. Was soll da bitte beim Bürger ankommen? Ich denke eher, es ist Zeit zu gehen.

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