Die Kulturhauptstadt nach der Loveparade
19.08.2010 | 18:26 Uhr 2010-08-19T18:26:00+0200Essen.Die Kulturhauptstadt stellt ihr Programm für das zweite Halbjahr vor, aber sie spricht vor allem von der Loveparade. Die „nationale Tragödie“ habe einen „Schatten“ auf Ruhr2010 geworfen. Viele Veranstalter planen Gedenkminuten zu Ehren der Opfer.
„Bis zum 23. Juli waren wir außerordentlich zufrieden mit der Kulturhauptstadt“, sagt Fritz Pleitgen. Er will das Programm für die nächsten vier Monate vorstellen, aber ohne Zögern kommt er zu dem Thema, das ihn und alle umtreibt: „Auf der Kulturhauptstadt liegt ein Schatten“, sagt er, „er liegt auf dem Ruhrgebiet und auf Deutschland. Die Loveparade in Duisburg ist eine nationale Tragödie, wir werden daran nicht vorbeigehen.“
Die nächsten Veranstaltungen der Ruhr 2010 sind Ruhrlights - Lichtkunst auf der Ruhr von Hagen bis Duisburg (3.-26.9.), das MärchenErzählFestival in Gelsenkirchen (3.9. - 29.10.), das Jugendfestival See You in Dortmund (16.-19. 9.) und Nightprayer - Nachtgebete in zahlreichen Kirchen des Ruhrgebiets (21.9.)
Damit ist das Wichtigste ausgesprochen. Pleitgen, der noch in der Nacht des Unglücks den Mut hatte, moralische Mitverantwortung zu übernehmen, sagt sehr deutlich: Die Loveparade wurde nicht von der Kulturhauptstadt veranstaltet und nicht von ihr finanziert, aber sie hat ihr Label dafür hergegeben, und sie hat sie gewünscht.
„Es war ein Angebot an junge Menschen, wir wollten immer alle mitnehmen, und die Loveparade haben wir als gute Ergänzung betrachtet. Sie war nicht typisch für die Kulturhauptstadt und sie war kein Prestige-Objekt für uns, aber wir haben das mitgenommen.“ Pleitgen zögert kurz, dann sagt er: „Wir haben immer gesagt es wäre asozial, wenn wir ein Programm nur für ein Abo-Publikum bieten würden. Wir haben nicht nur Oper, wir haben nicht nur Henze, sondern auch ein Projekt mit Wiegenliedern, wir haben anspruchsvolle Veranstaltungen und große Gemeinschaftserlebnisse - das Eröffnungsfest auf Zollverein, das Stillleben auf der A 40, dazu dezentral Schachtzeichen und Day of Song. Aber das macht nur ein Prozent unserer Projekte aus.“
Gedenken statt Fest
Geändert hat sich nach dem Unglück vor allem die Stimmung in der Kulturhauptstadt, im Programm wurde nichts gestrichen. Über eine Ausstellung mit Video- und Foto-Dokumenten von der Loveparade wird nachgedacht. Aus einem Fest in Marxloh wurde eine Gedenkveranstaltung, das Migrations-Festival Melez im Herbst soll seinen fröhlichen Charakter behalten, aber die Eröffnung wird kein Fest. Und viele Veranstalter planen Gedenkminuten.
Artikel, Fotos, Videos und ausgewählte Beiträge zur Loveparade in Duisburg und den Folgen – etwa zur Abwahl von Adolf Sauerland als OB und dem politischen Neuanfang in Duisburg – finden Sie auf unseren fünf Spezialseiten.
Oliver Scheytt, wie PleitgenGeschäftsführer der Ruhr 2010, formuliert die Ziele für die kommenden Monate nachdrücklich: „Wir wollen noch stärker als bisher der Frage nachgehen: Was macht die Menschen hier aus? Wohin geht dieser Ballungsraum? Aber auch: Was haben wir erreicht, und wie geht es weiter?“ Und Pleitgen gibt dazu gleich Antworten: „Wir haben die Bevölkerung gewonnen - das war nicht abzusehen, dass die Menschen so viel Freude an der Kulturhauptstadt haben würden. Wir haben die Städte zusammengebracht, und wir haben ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass das Ruhrgebiet Kulturgebiet ist.“
Über die Nachhaltigkeit - darüber, was bleibt von 2010, werden derzeit Gespräche geführt, mit den Oberbürgermeistern, mit dem Land, mit dem Regionalverband. „Alle spüren die Verantwortung, etwas zu machen aus der Kulturhauptstadt,“ sagt Scheytt.
Das könnte hoffnungsvoll klingen, aber für Hoffnung ist jetzt noch wenig Raum. Sehr ruhig sagt Fritz Pleitgen: „Dies ist ein schwerer Schlag, aber er entbindet uns nicht von der Verpflichtung, die Kulturhauptstadt weiter zu führen. Wir sind sehr betroffen, aber wir werden damit umgehen. Und die Kulturhauptstadt wird am Ende ein Erfolg sein, ich bin davon überzeugt.“
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16:06
Zur Sinfonie der Tausend (Gustav Mahler) hat man in großkotziger Weise Plätze für die Angehörigen der Opfer reserviert. Also wer glaubt denn allen Ernstes, daß diese Menschen kein anderes Bedürfnis haben, als sich neben die Hocharroganz der Hochkulturliebhaber zu setzen? In welcher Vorstellungswelt leben eigentlich Pleitgen, Scheytt etc. Bei allem Respekt, diese Angehörigen haben möglicherweise in ihrem bisherigen Leben nichts mit Klassik zu tun gehabt. Jetzt sollen sie im genußvoll erlebten Konzert die Staffage für Pleitgens heuchlerischen Hochmut hergeben. Ich wünsche mir sehr die kritischen Journalisten der WAZ aus früheren Jahren zurück.
14:24
#17 @K.S.
Ich hab hier im Ruhrgebiet so viele sog. kleine Leute kennengelernt (bin selber kleiner Leut), die kulturell sehr interessiert und aufgeschlossen sind und erwartungsvoll der Ruhr.2010 entgegenblickten.
Die Ruhr.2010 hat kommunikativ versagt (s. beispielsweise Homepage) und viele potentielle kleine Kultur-Enthusiaten durch Schweigen, Übergehen und Arroganz enttäuscht.
23:47
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21:20
ruhr2010 ist war und ist eine grandiose veranstaltung.
eine ganze region wurde und wird lebenswerter sein bis jetzt und noch lange danach.
die loveparade ist ein schlimmes unglück ausgelöst durch eine ganze kette von ereignissen.
den EINEN schuldigen gibt es wahrscheinlich nicht.
(damit müssen sich auch die sauerland-hetzer abfinden).
fehler werden immer gemacht werden.
man darf aber über sie nicht die vielen positiven effekte vergessen.
ähnlich grauenvolles hätte auch beim kirchentag in köln oder beim public viewing in berlin passieren können.
außerdem habe ich seit dem großartigen a40stilleben den eindruck das es besser ist wenn das ruhrgebiet näher zusammen rückt und gerade auch großveranstaltungen lieber zusammen druchzieht.
16:55
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16:54
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16:50
wieso wird hier ein kommentar editiert? ich schrieb ja nur, dass ich zum **klo übergeben** finde, das wie anni2010 schrieb, es immernoch auf deren homepage steht. hallo? freie meinungsäusserung liebe waz? ich hab keinen beleidigt noch fäkalsprache geschrieben. tz tz dasi ch über sowasm ich aufregen muss als jahrzehntelager abo kunde ihrer zeitung. wahnsinn.
16:41
ziemlich perfide das sowas noch auf deren page steht. zum kot**** ;((
buuuhhh pfui!!!!!
15:21
Fritz Pleitgen, Dieter Gorny!
Das steht heute noch auf der Homeseite Ihrer Homepage:
Die Loveparade verwandelt Duisburg mit DJs auf zwei Bühnen und 16 Floats in die Hauptstadt der elektronischen Beats.
Und genau darauf wart Ihr alle geil: auf Duisburg, Eure Hauptstadt der elektronischen Beats.
Was habt Ihr bekommen? Verachtung, Schmach und Schande.
Eure unmenaschliche, abgezockte Haltung kam ans Licht!
12:10
Ruhr 2010 ist ein tolles Projekt mit vielen Initiativen, die sich der Verbindung der Menschen untereinender und mit der Region verschrieben haben ... wenn dieser Geist wegen der Geldgeilheit eines (privaten) Veranstalters und der Kiritikunfähigkeit einer Stadt scheitern sollte, dann haben wir mehr verloren als nur die Love-Parade !!!!!!!!!!!!!!