Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Kultur

"Die Kulturen müssen sich organisieren"

16.04.2008 | 19:15 Uhr

Duisburgs ehemaliger Kulturdezernent Konrad Schilling hat mit Blick auf 2010 einen umfangreichen "Perspektivplan Kulturmetropole" erstellt

Im Vorfeld des Kulturhaupt-stadtjahres 2010 arbeitet Konrad Schilling, Ex-Kulturdezernent von Duisburg, mit Experten an seinem "Perspektivplan Kulturmetropole".

Auf 570 Seiten listet er Schwerpunkte, Defizite und Möglichkeiten auf. Die Titel der einzelnen Kapitel lesen sich wie ein Almanach kultu-reller Bestandsaufnahme: von den Medien zur Fotografie, vom Ballett zu Museen, von Theatern zur Sportbewegung, von der Industrie- zur Hochkultur, vom Marketing zur Nachhaltigkeit, von der Musik zum Ruhr-Tourismus. . . Fast überall wird deutlich, was zu tun ist, wo politische Weichenstellungen gefragt sind.

Immer wieder Fragen: Es gibt überraschend viel im Angebot - wer koordiniert das Ganze? Wie wird Kultur überregional präsentiert? Schilling fordert "den Lenker", "den Repräsentanten" für den Metropolraum zwischen Duisburg und Dortmund ein.

Wünsche werden angemeldet, die über "Ruhr2010" hinausreichen. Eine Theaterakademie, eine Kunsthochschule mit internationalen Künstler-Dozenten, Ruhr-Philharmonie, international ausstrahlendes Revierballett, Design-Schmiede als Schnittstelle zwischen freier und angewandter Kunst - Themen, die schön früher angesprochen wurden. Mangelt es an Geld oder an geeigneten Persönlichkeiten, dass diese Forderungen "unerhört" blieben?

Einer der spannendsten Bereiche gilt der "interkulturellen Verständigung einschließlich religiöser Dimension". Hier wird auf den Sprengsatz einer Nebengesellschaft, die sich kaum integrieren lässt, hingewiesen. Nationale Eigenarten, ethnische Wurzeln, gemeinsame Feste, das Miteinander der Traditionen auf der Theaterbühne, die Entdeckerfreude an fremden Kulturen im Kindergarten oder in der Schule - all das müsse mit dem Sinn für tägliche Anwendungen angepackt werden. "Kulturen sollen sich organisieren" heißt es. Schwäche des Buches: Man schaut zu oft auf Duisburger Verhältnisse. Über andere Gedanken ist die Zeit hinweggegangen (Gelsenkirchen als Ballettzentrum).

Beste Beispiele, wie ein neuer kultureller Geist in die Region einzieht, werden in dem Kompendium übergangen: das modellhafte, interkulturelle "Opera School"-Projekt von Chris Seidler zum Beispiel, das Kulturwirtschaftsprogramm in Dortmund oder die Arbeit des Gelsenkirchener Consol Theaters.

Kultur muss als aktives Mittel bei Jugend- und Sozialpolitik angewandt werden. Die junge Generation sei der Humus, auf dem Inspiration und Fantasie gefördert werden.

Von Hans-Jörg Loskill

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1818492/create

Aktuelle Fotos und Videos
Das 10. Rock Hard
Bildgalerie
Festival
Tanzhommage an Queen
Bildgalerie
Kultur Pur 2012
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Tanz-Queen Magdalena Brzeska
Bildgalerie
Let's Dance
Aus dem Ressort
Künstler wirft der Documenta-Leitung Zensur vor
Ausstellung
Streit um die Documenta in Kassel: Die evangelische Kirche wollte zur Documenta-Zeit vor einer Kirche ebenfalls Kunst zeigen. Dagegen wehrte sich die Documenta-Leitung - und muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, Zensur zu betreiben.
Türkischem Pianisten Fazil Say droht Haftstrafe
Regierungskritiker
Dem bekanntem türkischen Pianisten Fazil Say drohen eineinhalb Jahre Haft. Say soll auf Twitter den Islam beleidigt haben. Die türkische Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Say hat auch eine Verbindung nach NRW.