Die Kaiserin der Herzen
06.10.2011 | 15:25 Uhr 2011-10-06T15:25:00+0200
Das Musical „Elisabeth“ kommt auf Tournee - wir wandelten in Wien auf Sissis Spuren.
Das strahlend schöne Schloss Schönbrunn im 13. Wiener Bezirk zieht bei Regen und Sonne die Touristen an. Hier wurde Kaiser Franz Joseph I. geboren, hier starb er. Und hier lebte er mit seiner Gemahlin, Elisabeth Amalie Eugenie – Kaiserin Sissi. Das ist mehr als 100 Jahre her, doch die Vergangenheit wird im Schloss lebendig gehalten. Für einen Streifzug durch die Stadt auf Sissis Spuren ist es der ideale Ausgangspunkt.
Durch Nebeneingänge, vorbei an Warteschlangen, über breite Aufgänge und durch enge Flure muss Sylvester Levay gehen, bis er unter den 1441 Zimmern im Schloss die richtigen gefunden hat. Er lebt in diesem spektakulären Denkmal. Wenn Levay an seinem schwarzen Flügel sitzt, kann er aus dem Fenster die Gloriette im Garten sehen. Maria Theresia ordnete den Bau des Pavillons an. Hier ist der Mann, der das Musical „Elisabeth“ komponierte, richtig aufgehoben.
Mehr als vier Jahre arbeitete Levay daran. Inzwischen haben 8,5 Millionen Menschen auf der Welt das Stück gesehen, das ab Dienstag in Köln und im kommenden Jahr in Essen gastieren wird. In Wien prallten die Musical-Macher zunächst gegen eine Wand: „Die Kritiken waren schlecht bis furchtbar, sie haben uns gelyncht“, sagt Levay. Doch heute kann er darüber lachen, denn der Erfolg gibt ihm recht.
Vor allem Frauen sitzen im Publikum, wenn die Geschichte auf der Bühne erzählt wird. „Dabei geht es nur vordergründig um die Probleme einer Frau, die sich verwirklichen möchte“, erzählt Michael Kunze, der die Texte zu Levays Melodien schrieb. „Es handelt vielmehr vom Verlust von Sicherheiten. Und deshalb ist es so aktuell.“ Der Untergang des Habsburger Reiches sei die Generalprobe für den Weltuntergang gewesen, erzählt Kunze.
Wenn die beiden vom Musical „Elisabeth“ sprechen, leuchten ihre Augen, auch wenn Levay und Kunze schon lange im Geschäft sind. Und sie leuchten noch ein bisschen mehr, als Annemieke van Dam das Arbeitszimmer betritt. Die Darstellerin der Sissi ist gekommen, um Levays Gästen das Lied „Ich gehör’ nur mir“ zu singen – einer der bekanntesten Songs aus dem Musical. In den unteren Etagen schieben sich gerade die Besucher durch die Gänge. Sie sehen die prunkvollen Säle und Zimmer, in denen Franz Joseph und Sissi feierten oder Gäste begrüßten. Und sie besichtigen die – für kaiserliche Verhältnisse – beinahe sparsam ausgestatteten Privatgemächer. Im Speisesaal ist der Tisch noch gedeckt, an dem Franz Josef saß und der Überlieferung nach immer sehr schnell aß. Dann geht es wieder vorbei an Fresken, riesigen Gemälden und unter Kronleuchtern hindurch.
Im Schatten dieser schicken Szenerie – trotz der Nähe zum Schloss fernab des Besucherstroms – steht die Wagenburg. Das kleine Museum beherbergt die prächtigsten Kutschen aus dem Fuhrpark des Kaiserhauses. Auf wenigen Metern kann man hier zwischen Aufstieg und Tod der Kaiserin wandeln. Ihr Einzugswagen als kaiserliche Braut ist ausgestellt, die kleinen Kutschen ihrer Kinder und schließlich der düstere, in mattem Schwarz lackierte Leichenwagen, der sie auf ihrer letzten Fahrt zur Kapuzinergruft, dem Kaisergrab am Neuen Markt, brachte.
Im kühlen Gewölbe könnte Fremdenführerin Irene Koller die Besucher stundenlang mit Geschichten füttern. Zum Beispiel mit der von Sissis Beisetzung: Wie es die Tradition forderte, wurde am 17. September 1898 an das Holzportal geklopft und dem Mönch dahinter mitgeteilt, wessen Leichnam begraben werden sollte. Im Fall der Kaiserin geschah das mit zahlreichen Adelstiteln. Der Mönch öffnete nicht. Also wurde der Name wieder genannt, allerdings nur mit den wichtigsten Titeln. Noch immer blieb die Tür verschlossen. Erst als man rief, eine „arme Sünderin“ begehre Einlass, öffnete sich das Portal.
Ihr Sarkophag ist klein, nur wenig verziert und steht in einem schmucklosen Raum. Mal wieder fehlt der Prunk, wenn man Sissi begegnet. Und doch ist sie noch immer eine schillernde Persönlichkeit.
Elisabeth“ auf Tournee:
11.10.-27.11. Köln (Musical Dome), 8.2.-4.3.2012 Essen (Colosseum); Karten (48,50 bis 99,90 €) gibt’s in unserem TICKET-SHOP unter Tel. 01805 / 280 123 sowie www.DerWesten.de/tickets
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