Die große Lore hätte sich am meisten gefreut

Düsseldorf..  „Martin Zingsheim singt Lore Lorentz“ heißt das Kom(m)ödchen-Programm, das an dieser Stelle allen Freunden des gehobenen Kabaretts schärfstens empfohlen werden soll. Das Großartige daran: Es ist, anders als vielleicht erwartet, kein kollegialer Kniefall vor der unvergleichlichen Lore; es ist eine intelligente, selbstbewusste, absolut sehens- und hörenswerte Verbeugung vor großen deutschen Kabarett-Autoren wie Eckart Hachfeld, Martin Morlock oder Werner Wollenberger, über die sich die 1994 verstorbene Lore Lorentz wohl am allermeisten gefreut hätte.

Zingsheim (31), der Kölner Senkrechtstarter, der 2011 mit seinem ersten Soloprogramm drei Kleinkunstpreisen an drei Tagen abräumte, hat neu vertont, arrangiert und wiederbelebt, was die besten „Gebrauchslyriker“ der 50er bis 80er Jahre einst für die große Lore geschrieben haben: Texte in der Nachfolge und auf dem Niveau Kurt Tucholkys, fast vergessen und noch immer aktuell. Zingsheim wickelt sie in tagesfrische Conferencen und packt sie wieder aus: komisch-virtuose Kabinettstückchen wie Wollenbergers „An-Tick“, aber auch Wolfgang Frankes „Tagebuch eines Waffenhändlers“, bei dem auch Lore Lorentz damals keinen Spaß verstand. Die schlechte Nachricht: Die Welt ist seitdem nicht wesentlich besser oder klüger geworden. Die gute: „Martin Zingsheim singt Lore Lorentz“ (mindestens) noch einmal am 1. und 2. April im Kom(m)ödchen, jeweils ab 20 Uhr. Karten: Tel. 0211-329443.