Die Extremisten wollen ja nur, dass wir sie ausgrenzen

1 Werden Sie als Kabarettist sich jetzt wegen des Anschlags in Paris anders verhalten?

Nein, auf keinen Fall. Ich muss mich da gar nicht neu orientieren. Ich stehe seit 40 Jahren auf der Bühne, so lange bin ich „Charlie Hebdo“ – mit dem Riesenunterschied, dass wir es bei dem, was dort passiert ist, natürlich mit der höchsten Stufe der Brutalität und geistigen Verwirrung zu tun haben.

2 Gibt es Tabu-Themen für Kabarettisten?

Sie dürfen niemals Opfer beleidigen, egal woher die kommen. Über Tote sollte man nichts Schlechtes sprechen und über Randgruppen keine Witze machen. Wobei das alles auch so ein Grenzbereich ist. Man darf sich erstmal generell den Mund nicht verbieten lassen. Man muss sich politisch hart und klar äußern, damit es im Publikum auch mal Widerspruch gibt.

3 Über die Kirche wird ja viel gewitzelt. Aber darf man auch Satiren über den Islam machen?

Das habe ich schon häufig gemacht. Im Moment frage ich mich allerdings oft, ob ich Extremisten damit nicht ein Forum liefere. Was die jetzt in Frankreich gemacht haben, da wollen die ja, dass sich der Hass der Europäer auf die Muslime verlegt, so dass daraus die Konstruktion entsteht: Siehste mal, die greifen uns an, dadurch stehen wir am Rande der Gesellschaft und dann gehen wir in den Dschihad. Im Moment stehen noch alle zusammen, aber ich weiß nicht, was in einigen Wochen los ist.