Das aktuelle Wetter NRW -6°C

Humor

Die Echse begeisterte beim Comedy Arts Festival

30.08.2010 | 12:31 Uhr
Die Echse begeisterte beim Comedy Arts Festival
Die Echse - gespielt von Michael Hatzius. Foto: Olaf Fuhrmann / WAZ FotoPool

Moers.Michael Hatzius gab die großkotzig daherkommende Echse, Gregor Wollny blödelte sinnfrei, aber dafür charmant, und Raymond Crowe aus Australien wurde beim Comedy Arts Festival in Moers zum diesjährigen Comedy-Preisträger gekürt.

La Signora moderierte mit ihrem unwiderstehlichen Charme beim Comedy Arts Festival. Foto: Olaf Fuhrmann / WAZ FotoPool

Sie kennen sie, diese Typen, die sich betont langsam gaaaanz weit im Stuhl zurücklehnen, den Wohlstandsbauch präsentieren, die Beine übereinanderschlagen und dann – ganz selbstbewusst – anderen die Welt erklären. Und natürlich ihren Anteil am Lauf der Dinge. So eine Type ist „die Echse“. Schließlich hat sie mit Ari, also Aristoteles, vor 2000 Jahren das Theater erfunden, und mit Membranen aus dem Baumarkt die Zellteilung. Ja, dies ist der älteste Newcomer in der 34-jährigen Geschichte des Comedy Arts Festivals Moers. Und dieses großkotzige Wesen mit dem unmissverständlichen Befehlston hat das Publikum total verechst.

Michael Hatzius und sein wechselwarmer Teufelskerl sind eine weitere Sensation aus der Puppenschauspiel-Schule, aus der auch Rene Marik und sein sprachfehlernder Maulwurf kommen. Mit unbeirrbarer Präzision in Körpersprache und Duktus führt Hatzius seine Zigarre qualmende Handpuppe, die schließlich – der Gipfel – dem staunenden Publikum mit einem Drachen auf der Faust erklärt, wie Handpuppenspiel geht.

Comedy on Ice

Und das Publikum erklärte seine Hochachtung vor dieser Kunst mit stehendem Beifall. Und die NRZ mit dem Förderpreis, den diese Zeitung alljährlich vergibt. Dies war sicher einer der Höhepunkte des dreitägigen Open Air Gipfeltreffens des Humors, das heuer beinahe zu komödiantischen Winterspielen geriet: Comedy on Ice sozusagen. Auch drei Lagen Fleece halfen nicht recht gegen die Kälte. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Raymond Crowe aus Australien zeigte ein Programm aus Schattenspiel, Bauchreden, Zauberei und Pantomime. Foto: Olaf Fuhrmann / WAZ FotoPool

Dazu gab es reichlich Gelegenheit für all jene, die es abseits des TV-Comedy-Mainstreams lustiger finden. Gregor Wollny etwa braucht dafür keine Worte. Er blödelt sich sinnfrei, aber charmant, durch misslungene Zaubertricks und verpatzte Jonglagen. Nils Heinrich, frisch gekürtes Schwarzes Schaf, verlässt sich dagegen komplett auf seinen Wortwitz. „iNtrmzzo“, die holländische A-cappella-Antwort auf „Basta“ groovte sich mit Hits von „Tick, Trick und Track Gibb“ sowie seltsamen Instrumenten wie Klobürste und Kaffeebecher-Bassdrum in die Ohren. „La Signora“ aus Oberhausen zeigte uns die erotische Seite des Ruhri-Humors. Raymond Crowe aus Australien, der – ganz Hüter der alten Variete-Künste – mit Frack und Fliege auf die Bühne kam, bauchredete einem Zuschauer eine Donald-Duck-Stimme und verzauberte durch wunderschönes Schattenspiel. Er wurde mit seinen traditionsbewussten, aber frisch aufgepeppten Späßen der diesjährige Moerser Comedy-Preisträger.

Den Gürtel bitte eng schnallen

All das hat traditionell beim Comedy Arts genauso Platz wie krachende Schenkelklopfer. Die servierten „Emmi und Willnowski“, das verhassteste Ehepaar unter der Sonne. Bei den Witzen und Zoten musste man sich zuweilen den Gürtel in die Knie schnallen, damit es nicht unter diese Linie ging. Aber wer dermaßen schlechte Witze so servieren kann, dass das nicht gerade anspruchslose Moerser Publikum johlt, hat sich wohl auch stehende Ovationen verdient.

Karen Kliem

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3626167/create

Umfrage
In einem spanischen Museum ist eine zeitgenössische Kopie der Mona Lisa von Leonardo Da Vinci aufgetaucht. Glauben Sie, damit büßt das berühmteste Gemälde der Welt an Bedeutung ein?

In einem spanischen Museum ist eine zeitgenössische Kopie der Mona Lisa von Leonardo Da Vinci aufgetaucht. Glauben Sie, damit büßt das berühmteste Gemälde der Welt an Bedeutung ein?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Whitney Houston tot - Königin des Pops hatte Drogenprobleme
Trauer
Die amerikanische Sängerin Whitney Houston ist tot. Die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Königin des Pops gefeierte Musikdiva starb nach Angaben von Sprecherin Kristen Foster im Alter von 48 Jahren. Eine Ursache wurde zunächst nicht genannt.
Foto 9 Kommentare 9
Andrea Berg mit knappem Glitzer-Outfit und Show-Effekten
Konzert
Schlager-Star Andrea Berg führte 11.000 Besucher bei ihrem Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle auf eine virtuelle Seereise. In knappen Glitzer-Outfits machte die 45-Jährige eine gute Figur. Andrea Berg schwebte durch die Halle und wechselte zwischen Balladen und Party-Modus.
Foto 10 Kommentare 10