Die deutsche Sprache - 1200 Jahre alt und kerngesund
31.08.2009 | 11:35 Uhr 2009-08-31T11:35:00+0200
Essen. Das Jammern über den Verfall der deutschen Sprache ist nicht neu. Dabei geht es dem in der Geschichte schon häufig zu Grabe getragenen Patienten gut. Wandel in der Sprache ist normal, führt aber zu Verunsicherung. Die Rufe nach einem "Sprachschutzgesetz" werden lauter.
Optimisten
Die Sprachwissenschaft verbreitet Optimismus, was den Zustand der deutschen Sprache angeht. Die neueste Ausgabe des Fachblattes „Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes" (Heft 1/2009, Aisthesis Verlag) trifft schon im Titel die Feststellung: „Name: Deutsch, Alter: 1200, Befund: Gesund!"
„Retourbillet?” Der preußische Bahnbeamte raunzt den Fahrgast an: „Hier gibt es nur Rückfahrkarten!” Und aus dem Perron wurde der Bahnsteig, aus Coupe´ das Abteil und eine Barriere hieß gefälligst Schranke! Gründlich wurde die deutsche Sprache auf Betreiben des „Allgemeinen Deutschen Sprachvereins” von den schändlichen Spuren des damals modischen Französisch gereinigt, das in seine Rede einflocht, wer gebildet und weltläufig erscheinen wollte. Das war gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Heute sehen viele erneut die deutsche Sprache bedroht, diesmal durch Amerika.
Unsere Sprache geht vor die Hunde, davon sind nach einer Umfrage des Allensbach-Instituts 65 Prozent der Deutschen überzeugt. Vor allem die Jugend beherrsche weder eine korrekte Grammatik noch die Rechtschreibung, und überhaupt verhunze sie die Sprache mit ihrem geistlosen Kauderwelsch.
Wer dagegen meint, der Sprache gehe es gut und Wandel sei normal, erntet mindestens Unmut, nicht selten Wut, wird als dumm und unsensibel verunglimpft – und sei es der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache: Prof. Rudolf Hoberg. Der Sprachwissenschaftler hat dies bei seinen Vorträgen oft genug erleben müssen.
Einen Sprachverfall gibt es nicht
Seinen Artikel in den neuen „Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes” hat er dennoch mit der Überschrift versehen: „Die deutsche Sprache wächst, blüht und gedeiht”. Gegen die allgemeine Überzeugung ist sein wissenschaftlicher Befund: „Einen Sprachverfall gibt es nicht.” Im Gegenteil, „noch nie war der Wortschatz so groß und differenziert wie heute”.
Klagen über den Sprachverfall seien typisch für die ältere Generation, so Hoberg. Man wisse zwar, dass sich Sprache verändere, doch soll dies bitteschön nicht während der eigenen Lebenszeit passieren. Veränderungen stören halt. Als Idealbild gelte dieser Generation jeweils das Deutsch, das sie einst in der Schule lernte – danach ging es bergab. Jüngere haben damit weniger Probleme. Mit 14 weiß man ja nicht, dass es „cool” früher nicht gab.
Der Autor Hermann Unterstöger rät in seinem Beitrag in den „Mitteilungen” zu mehr Gelassenheit im Wind des Wandels. Unterstöger erinnert an die Worte Humboldts, wonach Sprache „etwas beständig und in jedem Augenblick Vorübergehendes” sei, kein fertiges Werk, „sondern eine Tätigkeit”. Unterstöger: „Im Gegensatz dazu hängen die Sprachwahrer und Wortwarte der Vorstellung an, die Sprache habe irgendwann den besten aller möglichen Zustände erreicht und könne von da an durch Neuerungen nur noch verlieren.” Für diese Kritiker sei es typisch, dass dieses Ideal meist mit dem eigenen Sprachvermögen übereinstimme.
Suche nach Sicherheit
Doch woraus speist sich die verbreitete Auffassung, das Deutsche würde verkommen? Dr. Falco Pfalzgraf beobachtet die Debatte aus dem Ausland. Der Sprachwissenschaftler forscht am Queen Mary College an der University of London und stellte fest, dass sich um die deutsche Wendezeit 1989 zahlreiche Sprachvereine gründeten. Der größte ist mit heute 30 000 Mitgliedern der Verein Deutsche Sprache (VDS) in Dortmund. Pfalzgraf erkennt einen „Neo-Purismus” in Deutschland nach der Wende mit einem stark nationalen Zungenschlag. „Die Angst vor dem Verlust der Sprache ist Teil der Furcht vor dem Verlust eigener Werte und Kultur”, sagt Pfalzgraf.
Der Zerfall der bekannten Ordnung durch den Fall der Mauer, das Ende des Ost-West-Konflikts, die neue Vorherrschaft der USA – all das habe zu einer kulturellen Verunsicherung geführt. Hinzu kam eine schlechtere Wirtschaftslage und eine wachsende soziale Unsicherheit. Kurz: Deutschland rutschte in eine Identitätskrise. „Die Rückbesinnung auf die eigene Kultur und Sprache ist der Versuch, wieder sicheres Terrain zu gewinnen.” Auch deshalb habe es ernsthafte Bestrebungen gegeben, Deutsch als Staatssprache ins Grundgesetz aufzunehmen und ein „Sprachschutzgesetz” auf den Weg zu bringen
Schon Plato habe den Sprachverfall bejammert, sagt Pfalzgraf. Dabei seien Veränderungen weder schlecht noch gut. „Es ist eben so. Und es muss so sein. Wie ein Baum wächst.”
19:21
Meine Frau spricht Englisch und muß im Integrationskurs Deutsch lernen. Ich mußte ihr übersetzen aus dem Lehrbuch Berliner Platz.
Ein Auszug:
Dachkante, Ölteppich, Wortigel, ,Rosinen im Kopf haben, Tucholsky, Satzakzent, Leihstation, Brothof, Wahlbereich, Plusquamperfekt, Präteritum, Frauenurteil usw.
So einen Quatsch müssen Anfänger lernen!
Es ist beschämend! Das Buch ist sogar für die eu genehmigt....
14:42
Was eigendlich selbstverständlich ist,In Deutschland wird deutsch gesprochen,aber weit gefehlt!
In der Presse ,Politik, und Wirtschaft werden immer mehr Frendwörter benutzt,obwohl es
hierfür deutsche Wörter gibt.
Wenn ich zB.in Geschäften das Schild SALE sehe,bin ich stinksauer und kaufe dort nichts.Es ist höchste Zeit das hier Ordnung
geschaffen wird.
19:54
Der Text ist so gut, dass wir ihn gerade im Deutsch-Leistungskurs analysieren müssen*ggg*.
Mir gefällt er aber auch so, bin im insgesamt der Meinung von Onkenbach.
08:54
Der Unmut in der Bevölkerung rührt nicht von der Straßensprache her sondern von dem Schwachsinn die Behörden und Firmen zu verenglischen. Beispiele gefällig: Arbeitsamt, Post, Bundesbahn! Die Bürger sollten sich verweigern, bei Auskunft: Kenn ich nicht, weiß ich nicht, können sie mir das bitte mal aufschreiben. Ruck-zuck hat sich das erledigt, man muß nur durchhalten. Es ist wie mit dem: Eine Woche tankt jetzt keiner mehr und vieles wird gut.!?!?!
16:07
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15:08
Die sinnvolle Aufnahme einzelner Fremdwörtern kann sicherlich die Differenzierungsmöglichkeiten einer Sprache erhöhen, allerdings nehmen wir zunehmend Fremdwörter auf, für die es bereits passende deutsche Ausdrücke gibt. Außerdem ist die deusche Sprache so ausdrucksstark, dass man damit fast alles beschreiben und benennen kann. Wir hätten heute keine Staubsauger oder Kühlschränke, wenn wir schon damals dafür entsprechende Fremdwörter eingeführt hätten. Und gerade die Kreation solcher Wörter macht die deutsche Sprache lebendig und eben nicht das unreflektierte Übernehmen aus anderen Sprachen.
Schließlich ist es eine Eigenschaft und eine Stärke der deutschen Sprache, dass Wörter i.d.R. so geschrieben werden wie sie ausgesprochen werden. Auch dies ist bei den meisten Fremdwörtern nicht der Fall.
14:47
Sprache ändert sich. Eine Sprache, die sich nicht mehr ändert, ist tot.
Die Herrschaften Sprachbewahrer würden diesen Prozess allenfalls aufhalten, aber niemals stoppen.
13:43
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13:18
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13:04
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