Die deutsche Diva Hanna Schygulla feiert an Weihnachten 70. Geburtstag

Sie ist eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen, die es nach Hollywood geschafft haben: Hanna Schygulla.
Sie ist eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen, die es nach Hollywood geschafft haben: Hanna Schygulla.
Foto: afp
Was wir bereits wissen
Sie war das Gesicht vieler Fassbinder-Filme: Hanna Schygulla spielte Lili Marleen, Maria Braun und Effi Briest. Nun wird sie 70 und hat gerade ihre Autobiografie veröffentlicht, die von einem intensiven Künstlerleben erzählt.

München.. Die Flucht aus Schlesien, die Kindheit in Bayern und die frühe Lust am Anderssein - Hanna Schygulla hat schon in ihrer Kindheit bewegte Zeiten erlebt. Als Star in den Filmen von Rainer Werner Fassbinder wird sie berühmt, schafft - als eine von wenigen deutschen Schauspielerinnen - den Sprung nach Hollywood. Am ersten Weihnachtsfeiertag wird sie 70 Jahre alt.

Traumtänzerisch, tranceartig - und doch hellwach und präsent: Der Schygulla-Effekt. Damit zog sie die Menschen in den Bann - und tut das bis heute, wenn sie mit wallendem Kleid und grauem Haar dasitzt und ihre Autobiografie vorstellt.

In dem gewissermaßen als Vorspiel zum Geburtstag veröffentlichten Werk "Wach auf und träume" beschreibt sie ihre Karriere, die ihr zahlreiche Preise brachte, vor allem aber Persönliches: die Flucht mit der Mutter aus dem oberschlesischen Kattowitz, die Kindheit im Nachkriegs-München, ihre Zeit mit Fassbinder, die Pflege ihrer alten Eltern.

Hanna Schygulla war Au-pair in Paris

Die Nazizeit und ihre Schrecken wirken lange nach. Selbst als Au-pair in Paris wird sie daran erinnert: Deutschland hat gemordet. Und sie selbst, Flüchtlingskind, irgendwo zwischendrin, im Nirgendwo.

Schauspielerin Die Kindheitserlebnisse haben sie geprägt, das Verhältnis zum Vater nach der Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft - ein Fremder, der sie nicht in den Arm nehmen kann. So habe sie "in der Luft gehangen" - ein Gefühl, das sie zeit Lebens begleitete.

"Diese gewissen Schlüsselerlebnisse waren Minuszeichen in meinem Leben, die ich erst mal durch andere ausgleichen musste, wollte und konnte." Schon als Kind habe sie ihren eigenen Kopf gehabt. "Ich bin als Kind gern aus der Rolle gefallen, bevor ich später in die Rollen gefallen bin."

Fassbinder lernte sie zufällig in der Schauspielschule kennen

Sie pendelt zwischen dem Buben, der sie gern gewesen wäre, der schönen Prinzessin, dem Flüchtlingskind und dem Münchner Kindl, dem Dickkopf und der Tagträumerin; später dann zwischen der intellektuellen Germanistik-Studentin und der "Vorstadt-Marilyn". Die Zulassungsarbeit für das Staatsexamen über "Schizophrenie und Sprache bei Karl Valentin" bleibt ungeschrieben. "Ich wollte raus aus dem Kopf und rein in die Mitte."

Chansonstar Der Zufall habe sie geführt, beschreibt sie ihren Weg. Zufällig begleitet sie eine Freundin in die Schauspielschule, zufällig lernt sie dort Fassbinder kennen, der sie zu seinem künftigen Star erklärt.

Mit ihm hatte Schygulla vor mehr als 30 Jahren ihre größte Zeit: Sie beginnt 1969 mit "Katzelmacher" und "Liebe ist kälter als der Tod"; nach "Effi Briest" verlässt sie Fassbinder. Doch nach ein paar Jahren kehrt sie zu ihm zurück - und macht mit ihm weitere Erfolgsfilme: "Die Ehe der Maria Braun", "Berlin Alexanderplatz" und "Lili Marleen".

Auch mit Volker Schlöndorff und Wim Wenders dreht sie Filme

Sie dreht auch mit anderen namhaften Regisseuren, Volker Schlöndorff und Wim Wenders etwa. Aber Fassbinder scheint - wenn auch nicht als Partner - der Mann ihres Lebens gewesen zu sein. Jedenfalls widmet sie ihm in ihrer Autobiografie den weitaus größten Raum. Mit dem Schriftsteller Jean-Claude Carrière war sie 13 Jahre zusammen. Mit ihm wollte sie ein Kind. Er nicht. Er bekommt es mit einer anderen.

Mit dem Älterwerden werde die Zeit kostbarer denn je, gibt die Schauspielerin zu. Gerade zieht sie von Paris nach Berlin - ein neuer Lebensabschnitt. Die Zukunft? "Ich glaube, da könnte noch Einiges kommen", sagte sie bei der Buchvorstellung. Und deutete an: Vielleicht gibt es einen neuen Start ins Schriftstellerische.

Konkrete Pläne nennt sie nicht, aber: "Sich das Beste auf dem Teller für den Schluss aufheben, mache ich nicht mehr, weil ich nicht mehr immer bis zum Schluss esse. Aber ich möchte, dass das Beste zum Schluss kommt." (dpa)