Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Operette

„Die Csárdásfürstin“ in Duisburg – glänzende Premiere

14.10.2012 | 16:17 Uhr
„Die Csárdásfürstin“ in Duisburg – glänzende Premiere
„Die Csárdásfürstin“ am Theater Duisburg. Die Neuniszenierung wurde am Samstag (13.10.2012) begeistert vom Premierenpublikum gefeiert.Foto: Hans Jörg Michel

Duisburg.  Jubel für alle Beteiligten. Die Premiere der Operette „Die Csárdásfürstin“ darf als großer Erfolg verbucht werden. Operettenfreunde werden nicht vom Regietheater überrollt, dennoch erwartet sie eine rasante, geistreiche und witzige Inszenierung.

„Die Csárdásfürstin“ ist die „Traviata“ der Operette: ein betörende Varieté-Duse, aber zum Heiraten doch nicht ganz das Richtige. Das mag eine Geschichte von gestern sein, Besuchern von heute macht die Neuinszenierung der Rheinoper ein Angebot, das sie nicht ausschlagen sollten.

Mit solcher Liebe zum Detail, mit so schöner Balance aus Sympathie und Augenzwinkern, mit so gekonntem Handwerk hat man in der Region lange keine Operette mehr auf die Bühne gebracht. Und mögen Ängstliche fragen, welche Regierolle rückwärts ihnen diesmal auflauert, können wir trösten: Provokant ist nur ein Hauch von Rahmenhandlung.

Theater Duisburg
Ein musikalisches Feuerwerk zum 100. Geburtstag

Die Duisburger Philharmoniker gaben vor dem Stadttheater ein Open-Air-Konzert und wurden begeistert gefeiert. Ein Feuerwerk rundete das Ereignis zum 100. Geburtstag des Theater Duisburg ab.

Ist das bloß der Traum einer Putzfrau?

Die lässt zu den Takten der Ouvertüre fragen: Ist es bloß der Traum einer Putzfrau im Varieté, den wir hier sehen? Wie der Vamp Sylva Varescu über ein halbes Dutzend Hürden dann doch die ganz und gar nicht standesgemäße Gattin des Adelssprosses Edwin wird?

„Sylva?“ – „Edwin?“ – „Edwin!“ – „Sylva!“: Zugegeben, aus solchen schuhsohlenzähen Dialogen macht auch Joan Anton Rechi keine edelmürben Steaks. Wie die Regie aber die restlichen 90 Prozent des Abends zum Fest macht, das ist schon hohe Unterhaltungskunst.

Pralle Nummernrevue

Natürlich kommt Emmerich Kálmán ihm entgegen: Im kleinen Finger seines großen Wurfs fließt mehr Evergreenblut fließt als (sorry, Freunde singender Katzen) im ganzen Lloyd Webber: „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“, „Machen wir’s den Schwalben nach“, „1000 kleine Engel“. Mit welcher Souveränität Rechi seine pralle Nummernrevue als Komödie der (Ent-)Täuschungen erzählt, das hat Klasse. Rechis Mut zur Ironie angesichts eines Textbuchs, in dem sich Mopsi nun mal auf Hopsi reimt ist das eine, sein wacher Blick auf eine Welt jenseits der Hauptdarsteller (Choreographie Amelie Jalow) das andere Pfund des Abends.

Theater Hagen
Die fantastische Welt der Oper

Die junge Sopranistin strahlt einen typisch amerikanischen Optimismus aus: Der aktuelle Lebensmittelpunkt ist der perfekte Ort, um sich weiterzuentwickeln und mit harter Arbeit wird das auch gelingen.

Eben noch sehen wir unter dem Auf und Ab wuchtiger Showtreppen (Bühne: Alfons Flores) die Menge als selbstsüchtiges Feierbiest, schon ist sie ein devoter Claqueur unter der Fürstenknute. Rechis Regie lässt kaum einen lächerlichen K.u.k.-Komplex unkommentiert – doch ohne Zeigefinger.

Selbst Fürstinmutter schwingt die Hüften

Dirigent Wolfram Koloseus geht mit Duisburgs so bittersüß wie zirzensisch auftrumpfenden Philharmonikern begeisternd aufs Ganze. Aus dem guten Ensemble ragen Nataliya Kovalovas melancholisch timbrierte Sylva (mit einem Schuss Sally Bowles!) und Alma Sadés grandiose Edel-Soubrette Stasi heraus. Ein Kabinettstück liefert Cornelia Berger: Fürstinmutter schwingt die Hüften, und wir verstehen nur zu gut: Wären wir nicht alle gern ein bisschen „tralala“?

Termine: 19., 24., 30.10.;3., 11.11. Karten: 0203-3009100

Lars von der Gönna



Kommentare
Aus dem Ressort
„Der Angestellte“ – Szenen aus dem Alptraum Büro
Neuerscheinung
Alptraum Büro: In „Der Angestellte“ sehen wir, wie deutsch auch Argentinien sein kann. In einem Großraumbüro irgendwo in Buenos Aires laviert sich ein Mann durch seinen Alltag. Bis er eines Tages genug von Intrigen und der Ausbeutung hat und seinen Ausstieg plant. Ein Roman von Guillermo Saccomanno.
Stadtarchiv Bochum zeigt große Weltkrieg-Ausstellung
Zeitgeschichte
Das Zentrum für Stadtgeschichte in Bochum hat sein Herbstprogramm vorgelegt. Zentrales Thema ist die Erinnerung an DAS Ereignis vor 100 Jahren. „Zwischen Heimat und Front – Bochum im Ersten Weltkrieg“ heißt die umfangereiche Eigenproduktion, die am 24. August eröffnet wird.
Buh- und Bravo-Rufe für "Siegfried"-Inszenierung in Bayreuth
Wagner-Festspiele
Ein Held muss vom Sockel. Frank Castorfs "Siegfried" ist in Bayreuth keine Lichtgestalt, sondern ein Soziopath. Dafür gibt es viele Bravos, aber auch entrüstete Buhrufe. Die Publikumsreaktion dürfte ein Vorgeschmack sein auf das, was Regisseur Castorf am Freitag nach der "Götterdämmerung" erwartet.
Louis de Funès – Zappelphilipp, Tyrann, Publikumsliebling
Kultstar
An diesem Donnerstag vor 100 Jahren wurde ein Mann geboren, der zu einem prägendsten Stars des europäischen Films werden sollte: Louis de Funès. Der Franzose war ein Publikumsliebling, obwohl die Leinwand-Nervensäge schlechthin war. Privat, natürlich, war er ganz anders.
„Ton Steine Scherben“ melden sich zurück
Reunion
Sie müssen nicht nur ohne Rio Reiser auskommen. Nur noch zwei MItglieder der berüchtigten Formation von "Ton Steine Scherben" sind in der neu formierten Band dabei. Man baut auf Familie, aber will trotz Rückbesinnung auch den Neuanfang. Bald kommt die Band nach Köln.
Umfrage
Die Bundesregierung erwägt, Arzttermine zentral zu vergeben , um lange Wartezeiten zu verhindern. Eine gute Idee?

Die Bundesregierung erwägt, Arzttermine zentral zu vergeben , um lange Wartezeiten zu verhindern. Eine gute Idee?