Die Bären-Politik der Berlinale

Berlin/Teheran..  Der iranische Filmemacher Jafar Panahi ist glücklich über den Goldenen Bären für seinen Film „Taxi“ bei der 65. Berlinale – „sowohl für mich als auch für die iranische Filmindustrie“, sagte Panahi am Sonntag der iranischen Nachrichtenagentur ILNA. Doch er spürt auch einen Wermutstropfen: Er wäre noch glücklicher, wenn er wieder im Iran frei arbeiten und seine Filme dort zeigen dürfte: „Jeder Filmemacher will, dass sein Film erst zu Hause gezeigt wird“, sagte Panahi. Er habe der Filmabteilung im Kultusministerium mitgeteilt, dass sie „Taxi“ doch beim Fadschr Festival – das ebenfalls im Februar stattfand – aufnehmen sollten. In dem Fall hätte er die Berlinale gebeten, den Film aus dem Wettbewerb zu nehmen.

Der Hauptpreis der Berliner Filmfestspiele wurde dem 54-Jährigen Panahi am Samstagabend in Abwesenheit verliehen. Iran hatte über den Regisseur ein Arbeits- und Ausreiseverbot verhängt. In der heimlich gedrehten und auf einem USB-Stick nach Berlin geschmuggelten Komödie „Taxi“ chauffiert Panahi seine Landsleute durch Teheran und lässt sie von ihren Alltagsproblemen erzählen. Den Preis nahm unter Tränen Panahis zehnjährige Nichte Hana Saeidi entgegen, die im Film auch mitgewirkt hatte. „Ich bin nicht in der Lage etwas zu sagen, ich bin zu ergriffen“, sagte sie. Auch Panahis Ehefrau war im Publikum und machte das Victory-Zeichen.

„Panahi hat einen Liebesbrief an das Kino geschaffen“, sagte Jury-Präsident Darren Aronofsky über den Regisseur. Sein Film sei voller Liebe für seine Kunst, seine Landsleute, sein Land und sein Publikum. Zuletzt ging der Goldene Bär im Jahr 2011 in den Iran. Den Hauptpreis holte damals Asghar Farhadis Scheidungsdrama „Nader und Simin - Eine Trennung“, das später auch den Oscar gewann.

Für das deutsche Bankräuber-Drama „Victoria“ von Regisseur Sebastian Schipper gab es einen Silbernen Bären für die beste Kamera – 140 Minuten lang nonstop geführt von dem Norweger Sturla Brandth Grøvlen. Als beste Schauspieler wurden die Briten Charlotte Rampling und Tom Courtenay geehrt. Sie spielen in dem Drama „45 Years“ von Andrew Haigh ein verzweifelt um seine Beziehung kämpfendes Ehepaar.

Die Jury entschied sich nicht für die Werke großer Altmeister wie Terrence Malick, Werner Herzog und Peter Greenaway. Stattdessen blickte das Gremium, in dem auch der deutsche Schauspieler Daniel Brühl saß, vor allem Richtung Lateinamerika. Den Großen Preis der Jury erhielt das chilenische Drama „El Club“ von Pablo Larraín. Der Film handelt von Priestern, die Kinder missbraucht haben. Ebenfalls nach Chile ging der Bär für das beste Drehbuch: Regisseur Patricio Guzmán bekam den Preis für den Dokumentarfilm „Der Perlmuttknopf“ über die blutige Geschichte seines Heimatlandes.

Den Preis für die beste Regie teilen sich zwei Filmemacher: Ausgezeichnet wurde „Aferim!“ vom rumänischen Regisseur Radu Jude, ein Schwarz-Weiß-Film über Sklaverei im 19. Jahrhundert in der Walachei. Zugleich wurde „Body“ der Polin Malgorzata Szumowska geehrt. In dem Film geht es um das zerrüttete Verhältnis eines Vaters zu seiner magersüchtigen Tochter.

Die elftägigen Berliner Filmfestspiele zeigten mehr als 400 Filme aus aller Welt. Im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären waren 19 Regiearbeiten, darunter drei Filme von Deutschen.